Empörungen – ein Update


Das Traditionsunternehmen RMG Gaselan in Fürstenwalde steht vor dem Aus. „Ich bin empört!“, liest man von ehemaligen Geschäftsführern und Politikern, die gegen die Schließung des RMG Standortes – by Honeywell – nichts tun können. Die Grundlagen für eine mögliche Schließung des Standortes wurden bereits vor langer Zeit gelegt. Es war eines der Geburtsfehler des Unternehmens in Fürstenwalde, dass man sich nie aus dem Schatten der Mutter herausbewegen konnte. Es war vielleicht bequemer, im Schatten zu bleiben. Vielleicht gab es keine Alternative. Fakt ist, dass in Fürstenwalde immer eine starke und motivierte Belegschaft tätig war. Das Unternehmen übte sich in Zurückhaltung, wenn es um Löhne und Gehälter ging und war immer ein zuverlässiger Arbeitgeber. Ein längst verstorbener Salesmanager hat einmal hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen, was viele zu wissen glaubten. „Wir dürfen nicht besser werden, als die Mutter! Sonst gibt es Ärger!“ Dabei gab es sehr viele Ansätze um Fürstenwalde zu einem Modellstandort zu machen. 2006 fand ein Beratungsunternehmen heraus, dass es in Fürstenwalde „das am besten eingeführte ERP-System“ in der Gruppe gäbe. Die Folge war die Entscheidung, proALPHA an allen Produktionsstandorten einzuführen. Im Sommer 2009 wurden derartige Pläne über den Haufen geworfen. 2009 gab es dann nur noch eine Betriebsstätte in Fürstenwalde. „Vom Modellstandort, zum Modelstandort, zur Betriebsstätte.“, kommentierte ein schwarzhumoriger Kollege. Die Entscheidungen wurden immer schon woanders getroffen. Lange Zeit in Kassel, am Stammsitz der RMG Group und ab 2009 dann direkt in den USA. Der Niedergang begann damit, dass die IWKA Gruppe von einem US-amerikanischen Investor zerschlagen wurde. Aber das ist ein anderes Kapitel. Die Frage ist, was man für die Mitarbeiter der RMG Gaselan tun kann, was sie für sich tun können. Es wird Übernahmevorschläge geben. Die aktivsten Mitarbeiter können – vermutlich für das selbe Geld wie in Fürstenwalde – in Kassel arbeiten. Ältere Mitarbeiter werden abgefunden und in den Vorruhestand geschickt. Andere werden sich ab 2014 auf dem Arbeitsmarkt umschauen. Das Empörungspotential kann sich jetzt auf wilde Arbeitsniederlegungen und dergleichen richten. Eine bessere Lösung ist die Qualifizierung der Mitarbeiter auf ein marktübliches Niveau. Die wenigsten der Gaselan Mitarbeiter werden jemals eine Bewerbung geschrieben oder ein Vorstellungsgespräch absolviert haben. Der Job bei Gaselan war ja „sicher“. Jetzt kommt es darauf an, selbstbewusst und kraftvoll in die Zukunft zu blicken. Das Ende von Gaselan in Fürstenwalde ist nicht das Ende! Krokodilstränen haben noch keinem etwas genutzt. Wichtig ist jetzt anzupacken und nach vorne zu schauen. Das Jahr ist noch jung. Die Zeit muss genutzt werden. Die beste Lösung ist eine Qualifizierung der Mitarbeiter, die jahrelang auch in dieser Hinsicht zu kurz gehalten wurden. Ein Jahr mit dem Ende vor Augen nur durchzuhalten um dann in eine ungewisse Zukunft zu stolpern ist die Hölle. Wenn ein Schiff sinkt, dann ist immer jeder sich selbst der Nächste. Das ist die traurige Wahrheit. Die bessere Lösung ist eine vom Arbeitgeber finanzierte Qualifizierung. Ausbildung für das mittlere Management, Projektmanagementmethoden wie PRINCE2, moderne Schweißerpässe. Es gibt ein Leben danach! Ganz sicher!

RZ, 27.01.2013, Update 17.02.2013

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