Ballast, der am Boden hält


Jedes Unternehmen ist so gut, wie seine Mitarbeiter.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es geht nicht darum den Bodenhalt zu verlieren und unkontrolliert abzuheben. Bodenhaftung ist grundsätzlich etwas Positives. Es ist gut mit Augenmaß an die Dinge heranzugehen und es ist sehr gut, skeptisch zu sein. Grundlose Euphorie hat noch niemand etwas genutzt. Viele Unternehmen entfremden ihre Mitarbeiter vom Arbeitsmarkt. Sie binden ihre Mitarbeiter an sich und hoffen auf deren Loyalität. Auch das ist auf den ersten Blick nicht schlecht. Loyale Mitarbeiter und loyale Arbeitgeber sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Aber wie sieht der Alltag aus? Viele Mitarbeiter werden nicht so weiterentwickelt und weitergebildet wie es sein sollte. Oft wird genau an dieser Stelle zuerst gespart. Gut ausgebildete Leute bewerben sich schließlich jeden Tag neu. Wenn man wollte, könnte man jederzeit ausgebildete frische Mitarbeiter einstellen. Das wird so natürlich nie ausgesprochen, es schwebt aber im Raum. Jeder meint genau das zu wissen. Unternehmer und Geschäftsführer träumen oft heimlich davon, einfach bessere Mitarbeiter einzustellen. Das funktioniert natürlich nicht, aber die Sehnsucht ist schon vorhanden. Der oft beklagte Fachkräftemangel zeigt genau in diese Richtung. Die fehlenden Fachkräfte sind genau die Leute, die man gerade sucht. Ob man sie auch tatsächlich einstellt, steht in den Sternen. Der Ruf nach besseren Fachkräften hat auch etwas damit zu tun, seine Mitarbeiter zu halten.

Das ist der Ballast, der Sie am Boden hält:

Es gibt möglicherweise einen Besseren für den Job. Meine Ausbildung passt nicht vollständig zu der Arbeit die ich jeden Tag mache. Ich bin ein Quereinsteiger, woanders hätte ich keine Chance. ich müsste woanders ganz von vorne anfangen. Ich habe lange keine Bewerbung mehr schreiben müssen. (Es gibt Mitarbeiter die haben sich einmal beworben und den Job bekommen) Ich bin schon so weit gekommen, das darf ich nicht auf’s Spiel setzen……Ich bin überqualifiziert. ich bin unterqualifiziert. Ich kenne doch nur das hier! Es gibt kein Unternehmen in der Region, das mich einstellen würde.

Ich habe schon mit vielen Menschen gesprochen und genau derartige begrenzende Glaubenssätze kennengelernt. Alles was uns daran hindert, neu zu starten und uns neu zu erfinden, neue Ziele zu finden ist Ballast. Ballast ist gut, er sollte nicht bedenkenlos abgeworfen werden, sonst steigt unser Luftschiff unkontrolliert auf und verschwindet in den Wolken. Wir können ohne Tiefgang und Schwerpunkt nicht kontrollieren was mit uns passiert. Aber wir dürfen uns nicht am Boden festnageln lassen. Wir müssen Bewegungsfreiheit haben und die Freiheit erkämpfen um uns weiterzuentwickeln. Wer das nicht mehr kann, bleibt zurück. Machen wir eine Inventur über den Ballast den wir mit uns herumtragen und gehen wir aufmerksam damit um.

Ich habe oft Mitarbeitergespräche geführt, die sich genau um dieses Thema drehten. Meine Meinung zu dem Thema ist ganz einfach und griffig.

Jedes Unternehmen braucht sehr gute und engagierte Mitarbeiter. Die besten Mitarbeiter sind die, die sich jederzeit woanders bewerben können und doch bleiben. Unternehmen sind gut beraten, genau diese Art der Mitarbeiter zu entwickeln und zu pflegen.

Allerdings ist es oft leichter Mitarbeiter zu binden, die ein schlechtes Gewissen haben und Angst vor Veränderung. So eine Haltung hilft weder den Menschen, noch den Unternehmen. Aber das ist sehr weit verbreitet. Wir wissen das doch. Oder etwa nicht? Denken Sie mal darüber nach!

Wann ist ein Coach, ein Coach?


Ein Coach ist kein Yuppi, der anderen die Welt erklären will und glaubt, bereits alles zu wissen, fertig zu sein. Coaching ist kein Kinderspiel für Anfänger oder Leute die sich für einen guten Coach halten. Man ist es oder man ist es nicht. Es ist wie ein guter Riserva. Zu einem guten Coach gehören Risse und Brüche, der Umgang mit Erfolg und – ja – auch Mißerfolg. Coaching ist psychologische Beratung. Psychologen und Therapeuten können sehr gute Coaches werden, vorausgesetzt, sie nehmen sich zurück und konzentrieren sich auf das Coaching. Der Unterschied von Psychologie und Psychotherapie  auf der einen Seite und Beratung auf der anderen Seite der Skala ist klar. Ein Coach arbeit genau dazwischen. Coaching bedeutet: keine Therapie von Krankheit, keine Beratung, keine Ratschläge, Erfahrung, Zuhören, Fragen. Fachliche Erfahrung und Lebenserfahrung sind die wichtigsten Bausteine für einen guten Coach. Die besten Coaches sind gute Geschichtenerzähler, Storyteller. Sie hören aufmerksam zu und erzählen die Geschichte, die sie gerade gehört haben. Ein anderer Blickwinkel, ein anderer Rahmen. Alles wird sich ändern, mit einem guten Coach. Talent und Berufung gehören zu einem guten Coach genau so selbstverständlich dazu wie bei einem Schriftsteller, Sänger oder Schauspieler. In den USA hat Coaching einen völlig anderen Stellenwert als in Deutschland. Es ist der kulturelle Unterschied. Die Deutschen sind es gewohnt kühl, präzise und kontrolliert zu arbeiten. Dafür werden sie bewundert und gefürchtet, aber nicht geliebt. Die menschliche Dimension fehlt sehr oft, obwohl es in Deutschland üblich ist über soziale Dinge zu reden und zu schreiben. Die Amerikaner gelten als oberflächlich und werden oft für eiskalte Moneymaker gehalten. Aber ausgerechnet bei ihnen spielt Coaching eine große Rolle. Das scheint alles nicht zusammen zu passen. Aber genau an dieser unscharfen Schnittstelle ist die Wahrheit zu finden. Vorurteile sind dazu da, sie zu erkennen, zu reflektieren und beiseite zu schieben. Das ist ein leiser Prozess. Coaching kann dabei helfen, die Perspektive des Anderen zu erkennen. Nicht im Sinne von – Ich erkläre die die Welt, sondern im Sinne von – Ich bin an deiner Seite, wenn du deine Welt neu entdeckst. Ich begleite dich! Kennen Sie das Geheimnis von guten Rednern und Moderatoren und Schauspielern? Es ist auch das Geheimnis wirklich guter Coaches. Richtig gute Künstler lieben ihr Publikum. Empathie ist das Zauberwort. Das Publikum spürt instinktiv, ob ein Redner es tatsächlich ernst nimmt und liebt! Ein Coach muss offen für seinen Mandanten sein und sich sehr auf ihn konzentrieren können. Eine Handbewegung, ein Zucken der Augenbraue, ein falscher Blick und schon kann der Zugang zum Coachee verloren gehen. Coaching ist harte und intensive Arbeit. Mehr als 2 oder 3 Coachings am Tag sind kaum realisierbar. Coaches sind ständig auf der Suche nach neuen Anregungen und sie lernen täglich etwas Neues um das Beste bieten zu können. Es ist ein anstrengender Job, kein Spaziergang.

Kommentar eines witzigen Zeitgenossen: Wann ist ein Coach, ein Coach? Wenn er nicht als Coach einen Coach-Coach braucht und auf die Couch muss. 😉

Ich lasse das einfach mal so stehen. Coaching ist ein Buzzword. Also: Wer braucht einen Coach? Vermutlich ist das nur was für die Leute, die zumindest eine Ahnung davon haben, was Coaching ist. Ein guter Grund um diesen Blog hier zu betreiben.