Die Bedeutungsfalle


Der Chef einer Unternehmensgruppe hatte über 20 Jahre Verantwortung für mehrere Tausend Mitarbeiter. Dann wurde die Gruppe an einen Hedgefond verkauft. Der “Alte” bekam einen goldenen Handschlag und musste das Unternehmen verlassen. Er stand von einem Tag zum anderen ohne Job da und musste sich neuorientieren. Er war jetzt 46 und seine Abfindung ermöglichte ihm für die nächsten Jahre ein sorgenfreies Leben.

Nach einem Jahr selbst gewähltem Sabbatical entschloss er sich, einen Neustart zu wagen. Ein Mann mit seinen Fähigkeiten und Erfahrungen musste einfach etwas tun. Er war ja nicht irgendjemand, sondern ein erfolgreicher Macher und eine erfahrene Führungskraft. Er war daran gewöhnt, ein bedeutender Mann zu sein. Ein schwieriger Lernprozess hatte begonnen. Aus seiner Sicht konnte es für ihn nur eine Zukunft als Chef eines großen Unternehmens geben. Diese Perspektive schränkte seine Aussichten erheblich ein. Er saß in der Bedeutungsfalle. Andere Möglichkeiten erkannte er noch nicht. Er arbeitete hart an seiner Zukunft als Chef eines großen Unternehmens. Was dann folgte, ist typisch nach einem derartigen Karriereknick. Er investierte einen großen Teil seiner Abfindung und wurde Seniorpartner in einem Beratungsunternehmen. Er musste sehr schnell feststellen, dass viele Partner eine ähnliche Karriere wie er hinter sich hatten. Das Beratungsunternehmen war ein Sammelbecken von Ex-Managern wie ihn. Sie alle hatten Erfahrungen in der Führung von Unternehmen und Abteilungen.

Er traf sich mit seinen Partnern und brachte sich in das Unternehmen mit ein. Allerdings musste er sich seine Kunden selbst suchen. Das Beratungsunternehmen brachte ihm keinen einzigen Auftrag, nur Meetings mit anderen Partnern und große Themen wie Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Fazit nach zwei weiteren Jahren:

Außer Spesen, nichts gewesen!

Langsam wurde es Zeit für eine neue Strategie und für neue Ziele. Er beschäftigte sich mit neuen Ideen und war ständig auf der Suche nach neuen Visionen und Möglichkeiten. Die Lage war ernst, aber nicht aussichtslos. Er stellte sich vor, wo er in fünf oder zehn Jahren sein wollte. Er wagte einen Blick in die Zukunft. Wer wollte er sein? Wer war er wirklich? Wurde er durch seine erfolgreiche Vergangenheit bestimmt oder durch neue Ziele und Visionen? Was war ihm möglich, wenn er sich auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit konzentrierte?

Er fand Parallelen in den Karrieren von erfolgreichen Sportlern und Künstlern. Wie hatten Sie ihr Leben nach dem Erfolg eingerichtet? Wie hatten sie ihr zweites Leben organisiert? Es wurde immer klarer, dass Erfolg eine gute Basis für zwei mögliche Wege war. Entweder, man lebte in der Vergangenheit und blieb auf der Stelle stehen oder man fand neue Ziele und Herausforderungen. Er entschied sich für die Herausforderungen.

Dann kam der entscheidende Schritt. Er besuchte einen Impulsvortrag, den ein bekannter Coach hielt. Plötzlich wurde ihm klar, dass er sich wirklich auf den Weg machen musste. Er musste sich von seinem Standpunkt wegbewegen, seine Perspektive wechseln und neue Ziele finden. Der nächste Schritt war klar. Er durfte keine Zeit verlieren. Alles, was er bisher versucht hatte war gut und richtig. Er hatte keinen Fehler gemacht. Aber er war nicht einen Schritt vorangekommen. Er hatte eine total verrückte Idee. Er wollte schon immer wissen wie es sich anfühlen würde als ganz normaler Angestellter zu arbeiten. Das würde ihm ganz neue Eindrücke verschaffen. Er würde versuchen von ganz unten anzufangen und sich hochzuarbeiten. Und dann hatte er noch eine Idee. Er würde seine Eindrücke aufschreiben und ein Buch darüber veröffentlichen. Was konnte ihm schon passieren? Er wusste, dass er gut war und er wollte es sich beweisen. Das war das Abenteuer seines Lebens! Die kommenden Monate waren angefüllt mit völlig neuen Erfahrungen. Das Buch würde ein Bestseller werden. Er bewarb sich als Vertriebsmitarbeiter in einer Werbeagentur und bekam den Job. Für ihn begann ein spannender Lebensabschnitt. Sein Vorteil bestand darin, dass er jederzeit gehen konnte. Er hätte nie geglaubt, wie befriedigend es sein konnte, Dienstleistungen tatsächlich zu verkaufen. Das war ein handfester und echter Job. Seine Kollegen sahen das ein wenig anders. Es gelang ihm als Teamleiter und dann als Abteilungsleiter berufen zu werden. Sein Einfluss im Unternehmen wurde unübersehbar. Er war auf dem richtigen Weg. Er würde es aus eigener Kraft schaffen, nur durch seinen eigenen Willen, ohne jede Unterstützung. Diese Erfahrung hätte er nie gemacht, wenn er in der Bedeutungsfalle geblieben wäre. Er hätte ein Leben geführt das nur auf seine Vergangenheit fixiert wäre. Aber er hatte sich anders entschieden. Das war die beste Entscheidung seines Lebens gewesen. Er erinnerte sich an ein Zitat eines berühmten Mannes, dessen Name ihm nicht einfiel: „Du darfst niemals aufhören jemand zu werden, sonst wirst du niemals jemand sein….“ So, oder so ähnlich hatte er es gelesen. In diesem Augenblick verstand er, was gemeint war. Er hatte sich richtig entschieden. Er würde niemals aufgeben. Seine Kollegen profitierten von dem neuen Kollegen. Er motivierte sie und zeigte ihnen, wie sie gemeinsam Ziele erreichen konnten. Er war tatsächlich eine Führungskraft.

*

Viele erfahrene Manager aus mittleren und hohen Führungspositionen haben etwas Ähnliches erlebt. Viele stehen direkt vor einer Veränderung und andere sind genau in derselben Situation. Es ist die Chance Ihres Lebens! Auch wenn Sie es im Augenblick möglicherweise anders sehen. Sie haben die Wahl. Entweder Sie träumen weiter von vergangenen Zeiten oder Sie orientieren sich vollkommen neu und nutzen die Möglichkeiten die sich ergeben. Sie allein haben es in der Hand! Gehen Sie einfach los und suchen sich Ihren Platz im Leben!

(Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen und lebenden oder toten Personen wären rein zufällig)

Advertisements

2 Kommentare zu “Die Bedeutungsfalle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s