KIM Coaching


April 2013. Nordkorea tönt immer unüberhörbarer mit Kriegsgeschrei gegen den Rest der Welt. Die Welt hört peinlich berührt weg und als es nicht mehr zu überhören ist, versuchen die Beteiligten das Ganze irgendwie herunterzuspielen. Niemand glaubt daran, dass Kim das wirklich ernst meint. Niemand versteht, worum es wirklich geht. Nordkoreas Führer und seine Generäle stehen mit dem Rücken an der Wand. Sie müssen offensichtlich irgendetwas tun. Sie können ihre Leute nicht mehr richtig ernähren und das ganze System scheint vor dem Zusammenbruch zu stehen. Wenn jetzt zum Beispiel jemand aus dem Westen, der UNO oder sogar aus China auf Kim Jong Un zugehen würde, um ihn von seinem Kriegsgeschrei abzubringen, könnte es das völlig falsch auffassen. Er hat schließlich ein Erbe zu verwalten. Die Zukunft seines Volkes ist nach seiner Auffassung immer noch rot. Kim weiß vermutlich nicht einmal, dass er keine Chance hat. Das ist erblich bedingt. Sein Urgroßvater hatte sich vormals auch völlig verspekuliert. Vermutlich will er tatsächlich einen militärischen Konflikt heraufbeschwören um China und Russland wieder auf seine Seite zu bringen. Das hat beim ersten Koreakrieg schon einmal wunderbar geklappt. China war seinem Großvater zur Hilfe geeilt, als der kurz vor dem Untergang stand und Russland hatte die neuesten Waffen geschickt. Es war ein Stellvertreterkrieg mit Millionen Toten. Nun steht der Urenkel wieder mit dem Rücken an der Wand und wartet lautstark trommelnd auf ein Wunder. Das Dilemma ist, dass der Westen ohne Vorbedingungen nicht mit Kim reden will. Es erscheint aus unserer Sicht einfach lächerlich, diesen aufgeblasenen Despoten ernst zu nehmen. Das jedenfalls glauben die politischen Eliten der westlichen Welt. Aber was macht ein kleiner Junge, der sich nicht ernst genommen fühlt? Richtig. Er macht etwas, was Aufmerksamkeit erzeugt. Er sticht Löcher in Autoreifen oder beschädigt den Lack von Luxusautos oder er schlägt mit einem Baseballschläger auf Leute ein. Dann wird man sich garantiert um ihn kümmern.

Eins ist klar. Der Mann könnte jetzt einen Coach gebrauchen. Vorausgesetzt, er würde einen Menschen akzeptieren, der ihm auch unangenehme Fragen stellt und völlig neue Perspektiven eröffnet. Der Coach müsste selbst offen sein, für die Entwicklungsvorschläge eines Dikators und er dürfte natürlich keine Ratschläge geben oder gar Lösungsvorschläge machen. Das wäre dann Coaching.

Ich weiß genau was Sie jetzt denken und Sie haben Recht: Das funktioniert bestimmt nicht! Allerdings ist so ein Gedankenexperiment vielleicht ganz aufschlussreich. Stellen wir uns vor, wir würden den jungen Diktator von Nordkorea coachen. Was würden wir ihn fragen? Wo würden wir ihn abholen um ihn mitzunehmen? Wie würde sich das “Ich bin OK – Du bist OK” gestalten und wie würden wir ein Future Pacing mit ihm durchführen? Wo steht der Mann? Was geht in ihm vor? Und wie stellt er sich seine Zukunft und die Zukunft seines Volkes vor? Wir gehen ja instinktiv davon aus, dass der Typ ein zynischer Kerl ist der gewissenlos seine Leute verhungern lässt. Machtmenschen gehen schon immer über Leichen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber versuchen wir uns mal in den Menschen Kim Jong Un hineinzuversetzen? Was müsste man ihm anbieten um die Gefahr eines Krieges ein für alle Mal auszuschließen? Wohlstand für sein Volk? Wahrscheinlich wäre es besser Milliarden in das Land zu pumpen, als einen Krieg zu führen. Aber dann würde Kim ja vielleicht tatsächlich seine Atombomben in Serie bauen und zu einer viel größeren Gefahr werden.

Aus der Anfangsperspektive als Coach gibt es keine Lösungswege. Und gerade das macht dieses Experiment so interessant. Ein Coach sollte niemals seine eigene Welt mitbringen und sie dem Coachee überstülpen. Phase EINS: Sich auf die Welt des Coachee einlassen und ihn da abholen wo er ist.

Es ist eine interessante Frage, wie so ein Coaching ablaufen könnte, wenn das möglich wäre. Reine Spekulation. Die Wirklichkeit ist wahrscheinlich nicht coachbar…

……to be continued!

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Ein Kommentar zu “KIM Coaching

  1. Gute Gedanken. Hilflose Menschen, die glauben, es gäbe für sie keine Alternativen mehr, reagieren nicht selten unberechenbar. Darin liegt die Gefahr, die der Westen nicht wirklich ernst nimmt. Eine blinde Arroganz. Hoffentlich mündet die augenblickliche Situation nicht in einem Amoklauf, der die ganze Welt betreffen würde. Aber die „Mentalität“ eines KIM ist nicht erblich bedingt. Wächst man unter einer ideologischen Käseglocke auf, verliert man den Blick für das Ganze, für die Realität. Wer in der DDR aufgewachsen ist und durch sie geprägt wurde, kann das vielleicht nachvollziehen…

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