Vereinfachung bedeutet Verbesserung


Denken Sie nur an das „Kleine Schwarze“ oder einen eleganten klassisch geschnittenen Anzug. Dann wird sofort deutlich: Vereinfachen bedeutet Verbesserung. Weniger ist mehr.  Es ist das Einfache, das so schwer zu erreichen ist.

Wollen wir einen Roman vorgelesen bekommen, wenn wir eine einfache Frage stellen oder brauchen wir schnell eine klare Antwort? Ein halbe Seite übersichtlich dargestellter Zusammenhänge, eine klare Aussage. So und nicht anders wollen wir das.

Wir leben in einer immer komplexer werdenden Welt. So ist jedenfalls der Eindruck, der uns so sehr auf den Boden der Tatsachen zu drücken scheint, dass wir kaum noch eine Wahl zu haben glauben. Jede noch so kleine Gesetzesänderung hat Auswirkungen an Stellen, die kaum noch jemand übersehen kann. Ein Heer von Richtern, Sachverständigen, Rechtsanwälten und Beamten sorgt sich um das Funktionieren des Staates. Unzählige Mitarbeiter in Bundesagenturen und im öffentlichen Dienst entscheiden über die Gewährung von Leistungen. Alles wird immer komplexer und undurchsichtiger. Veränderungen scheinen unmöglich zu sein. Veränderungen stören den Status Quo und niemand scheint mehr so richtig zu wissen, in welche Richtung es gehen soll. Scheinbar gute und durchaus positiv gemeinte Regelungen verkehren sich in das Gegenteil und erdrücken jeden Fortschritt.

Mittelständische Unternehmen haben ganz ähnliche Probleme. Zuerst ist alles klar. Das Geschäftsmodell steht fest, die Zielgruppe kann eindeutig definiert werden und die Mitarbeiter sind motiviert und tatkräftig. Nach ein paar Jahren und einigen Veränderungen im Umfeld und im Unternehmen selbst, sieht das nicht mehr ganz so gut aus. Unternehmer kennen das Problem. Die Komplexität steigt und das Gefühl noch Herr der Situation zu sein, sinkt. Neue Bewertungssysteme, Controlling, Kennzahlen werden eingeführt und machen alles noch komplizierter. Der Staat verlangt immer mehr Statistiken, die möglichst nebenbei aus den vorhandenen Daten erzeugt werden müssen. Die Fixkosten beginnen die Gewinne zu mindern und  die allgegenwärtige Krise macht um niemand einen Umweg.

Die logischste Form der Vereinfachung ist oft sehr naheliegend der Verkauf des Unternehmens. Sollen sich doch Andere darum kümmern. Aber leider ist das nicht so einfach und dann ist da auch noch die Verantwortung für die Mitarbeiter. So einfach ist es nun doch nicht.

Ein Hersteller eines medizinischen Produktes hat mir das Dilemma kurz erklärt. Das Wasser stehe ihm bis zum Hals, er musste seine Belegschaft in den letzten Jahren von über 50 Mitarbeitern auf 12 senken und er habe überhaupt kein Geld für eine Neuausrichtung des Unternehmens. Er sei ein deutscher Hersteller von sehr guten Produkten und Importe aus Fernost würden den Markt überschwemmen und ihm die Grundlage für seine, viel besseren Produkte, entziehen. Er hatte Probleme an allen wichtigen Punkten. EDV war ein Thema, die Ausbildung der Mitarbeiter, Die Marketingstrategie, Neukundenakquise. Er war nur noch damit beschäftigt mit potentiellen Kunden zu reden, während seine Sektretärin “nicht in der Lage war die vielen EMails zu bearbeiten.” Die Internetseite war völlig auf das Produkt ausgerichtet. Von möglichen Zielgruppen war nichts zu erkennen. Während des Gespräches veränderte sich sein Zustand. Er begann sein Geschäft, seine Möglichkeiten und Kunden zu beschreiben. Der Unternehmer sprach vom wachsenden Wellnessbereich und unternehmerisch agierenden Physiotherapeuten, Unterstützung von Sportlern und so weiter. Er baute vor mir ein völlig anderes Bild als zu Beginn des Gespräches auf. Ich spürte schnell, dass wir ungewollt in eine Coachingbeziehung geraten waren. Er würde sich durchaus mal mit mir treffen und sich unterhalten wollen. Dabei wollte ich ihm eigentlich nur eine professionelle Webseite verkaufen und nicht einmal dafür wollte er Geld ausgeben. Wenn ich ihn das nächste Mal anrufe, wird er sich bestimmt wieder auf ein Gespräch einlassen. Er wird weder die Webseite umbauen, noch für die Beratung zahlen. Aber genau das sollte er tun um voranzukommen.

Vereinfachen von Prozessen und Netzen ist ein permanenter Veränderungsprozess. Niemand kann dies Prozesse ohne professionelle Begleitung definieren oder gar in den Griff bekommen. Die meisten Unternehmer glauben das selbst tun zu können. Aber es fehlt ihnen einfach die Zeit dazu. Also wird das Thema vertagt und die Probleme werden immer größer. Der Frühjahrsputz fällt aus: Viel zu aufwändig und zu teuer!

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