Verallgemeinerungen


Albert Einstein during a lecture in Vienna in 1921

Albert Einstein during a lecture in Vienna in 1921 (Photo credit: Wikipedia)

“Früher war alles besser!”

ist ein typischer Satz, den wir alle schon mal auf den Lippen hatten. Wir alle? Natürlich nicht! Einerseits gibt es kein Wir – jeder Mensch ist anders. Andererseits war nicht alles besser. Es ist auch egal darüber zu philosophieren. Es ist nur eine populäre Aussage, die so nicht stimmt. Wir neigen zu Verallgemeinerungen um Zusammenhänge zu verstehen. Und wir neigen zu einem gewissen Hordentrieb. Wenn alle um uns herum glücklich verheiratet sind, dann sind wir es eben auch. Wenn sich die für langjährige Ehen bekannte Paare plötzlich trennen, dann beobachten wir oft einen Dominoeffekt. Scheinbar wie aus dem Nichts stellt sich heraus, dass “alle unglücklich sind” und kaum hat man so richtig darüber nachdenken können, trennen sich “alle”! Verdutzt schauen wir uns das an und wenn wir Pech haben, stehen wir ganz plötzlich vor den selben Problemen, wie all die “glücklichen” Pärchen. Verallgemeinerungen, wohin man auch schaut. Statistiken dienen oft dazu, bereits feststehende Aussagen zu fundamentieren. “Das reiche Deutschland!” “Die reichen Russen!” “Die armen Spanier, Italiener, Griechen……” Es zeigt sich, dass keine dieser Aussagen richtig ist. Es gibt reiche Deutsche, reiche Russen und arme Spanier und Italiener. Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Wir sind ein Opfer von Verallgemeinerungen.  Oft sind es unsere eigenen Vorurteile, die uns das Leben schwer machen.

Im Coaching spielen derartige scheinbar festgefügte Verallgemeinerungen eine wichtige Rolle. Es sind so genannte Glaubenssätze, die es uns schwer machen können, Ziele zu erreichen. Viele Menschen neigen dazu sich Betonschuhe anzulegen. Glaubenssätze sind solche Betonschuhe. wenn man sie erst einmal zertrümmert hat, belasten und begrenzen sie uns nicht mehr. Plötzlich wird alles federleicht. Wir schweben auf Wolke 7 und nichts scheint uns mehr unmöglich. Ein gutes Coaching ist in der Lage so etwas zu leisten. Jeder Coach ist bestrebt, die begrenzenden Glaubenssätze seiner Klienten aufzuweichen und zu zertrümmern.

“Ich habe zwar eine gute Ausbildung, aber das ist lange her und wahrscheinlich hätte ich etwas Anderes studieren sollen…..” Der Coachee hatte einen festgefügten Glaubenssatz ausgesprochen. Das war der Kernpunkt, der jede Entwicklung einschränken konnte. Der Mann war auf dem falschen Gleis. Er lief in die falsche Richtung. Der Mann hatte kein Ziel, dass er wirklich erreichen wollte. Der Zug fuhr in die falsche Richtung. “Wenn ich das richtig verstanden habe, dann wünschen Sie sich etwas völlig anderes zu machen. Ihre Ausbildung steht ihren Zielen im Weg. Kann man das so beschreiben?” Der Coachee nickte heftig mit dem Kopf und begann sich zu öffnen. Er war der Ansicht, dass seine fundierte technische Ausbildung im Gegensatz zu seinen künstlerischen und literarischen Ambitionen stand. Er glaubte ganz fest daran, dass er sich in einer Sackgasse befand aus der es kein Entrinnen gab. Diese Vorstellung hatte ihn vollkommen im Griff. Er verallgemeinerte und wiederholte gebetsmühlenartig seine festgefügten Glaubenssätze. Ein Coach stellt Fragen, die derartige Glaubenssätze in Frage stellen können. “Gibt es Ausnahmen?” “Kann es nicht durchaus sein, dass eine technische Ausbildung Vorteile für Ihre zukünftigen Ambitionen hat?” “Wissen Sie, dass Einstein ein sehr guter Musiker war?” Einstein kann für so gut wie alles herhalten. Der Mann war angeblich ein schlechter Schüler und er hatte nach seinem Umzug (Flucht) in die USA keine bemerkenswerten Erfolge mehr aufzuweisen. Einstein war ein Popstar seiner Zeit und er lebte ganz gut damit. Er hatte die Spitze seines Ruhmes zeitig erreicht und beschäftigte sich für den Rest seines Lebens mit noch höheren Zielen, die er selbst niemals erreichen konnte. Vermutlich wusste Einstein das. Vermutlich ist auch das eine unzulässige Verallgemeinerung. Grund genug sich mehr mit Einstein auseinanderzusetzen. Verallgemeinerungen begrenzen uns.

Es ist schwerer ein Vorurteil zu zertrümmen, als ein Atom! (Albert Einstein)