Kekse! oder Wie man ein Projekt entwickelt


Berliner Mauer am Brandenburger Tor Juni 1976

Berliner Mauer am Brandenburger Tor Juni 1976 (Photo credit: Wikipedia)

Gute Projekte kann man bereits an ihrem Exposé erkennen. Klar formulierte Ziele, eindeutige Rahmenbedingungen, Festlegung von Verantwortlichkeiten und eine klar umrissene Vision des Projektgegenstandes sind die wichtigsten Zutaten für ein gutes Projekt. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann nützt auch das beste Projektteam und ein professionelles Projektmanagement nichts. Niemand kann einen Kuchen ohne die wichtigsten Zutaten backen. Wenn der Backofen nicht die notwendige Hitze erreicht oder es schlicht an Mehl mangelt, funktioniert das nicht. Soll der Kuchen in einer runden oder einer eckigen Form gebacken werden? Wie soll er schmecken? Welchen Charakter soll er haben? Für wen ist er bestimmt und wann soll er fertig sein? Was passiert, wenn er misslingt? (Dann gibt es Kekse!) Das ist dann Plan B.
Eine der grundlegenden Eigenschaften von Projekten ist die Möglichkeit zu scheitern. Zu jedem seriösen Projektplan gehören Ausstiegskriterien und ein Plan B. Projekte, die angeblich alternativlos sind, haben einen erheblichen Makel, der oft gerne übersehen wird. Dabei ist es bei jeder Form von Beratung und Coaching wichtig, ein Ausstiegskriterium zu haben. Ein Coach, der diesen Punkt bei der Prüfung vergisst, ist durchgefallen. Jede beteiligte Partei bei einem Coaching braucht eine Möglichkeit aussteigen zu können. Ein Projektmanagement, das Alternativen ausblendet ist inkompetent und kann eigentlich einpacken. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Alternativlosigkeit, wohin man auch sieht. Angeblich alternativlose Projekte sind allgegenwärtig: Das EURO-Projekt, die Elbphilharmonie, der BER (Berlin-Brandenburg Flughafen) sind nur einige Beispiele. Aufmerksame Leser können gerne typische Beispiele für derart dürftige Projekte unter Bemerkungen hinterlassen. Wer weiß? Vielleicht sehe ich das ja auch alles völlig falsch und dieser Beitrag schreit nach Berichtigung? Alles ist möglich. Politik ist übrigen nicht nur dann gut, wenn es keine Alternativen gibt. Demokratie ist gelebte Alternative. Und das ist auch gut so! Politiker sind dann gut, wenn sie klare Aussagen und Visionen haben und die Menschen mitnehmen können. Weichgespülte Beliebigkeit neigt zu Langeweile und angeblicher Alternativlosigkeit. Die Berliner Mauer wäre nie gefallen, wenn es nicht die Sehnsucht nach einer Alternative gegeben hätte. Der Status Quo war damals in Beton gegossen und vollkommen alternativlos. Politiker wie Gorbatschow, Kohl und Reagan bereiteten den Weg zu einer Alternative, die niemand mehr auf dem Plan zu haben schien. Aber das ist ein anderes Thema.
Eine Aufgabe für jedes Projektteam sollte zwingend eine Beschreibung unterschiedlicher Ausstiegsszenarien sein. Was passiert, wenn das und das passiert? Was ist das Kriterium für einen erfolgreichen Projektabschluss und was sind die Alternativen? Im Fall BER gibt es eine Reihe von Alternativen. Der Weiterbetrieb von Tegel und die zusätzliche Nutzung von Sperenberg sind solche Alternativen. Es ist egal, wie unsinnig das erscheint, aber es sind machbare Alternativen, die in eine Projektbeschreibung hinein müssen. Eine Alternative wird nicht deshalb unmöglich, weil sich fleißige und kompetente Verwaltungsrechtler anders geeinigt haben. Planfeststellungsverfahren sind niemals für die Ewigkeit gemacht.
Es wird deutlich, was das Wichtigste an einem guten Projekt ist: Eine Lösung, die die beschriebenen Ziele und Eigenschaften des fertigen Objektes am besten umsetzt. Es geht immer um gute Ideen und die Beschreibung und Bewertung aller Alternativen.

Wenn das Mehl alle ist und der Kuchen nicht pünktlich fertig wird, gibt es Kekse!

English: Ronald Reagan speaking in front of th...

English: Ronald Reagan speaking in front of the Brandenburg Gate and the Berlin Wall on June 12, 1987. 日本語: ベルリンの壁の前での演説(1987年) (Photo credit: Wikipedia)

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