Lehrer als Coach


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DSC02201 (Photo credit: Wikipedia)

Ein Statement auf einer Webseite: „Meine Erfahrungen als Lehrer machen mich zum idealen Coach für Lehrer!“ Es handelt sich um eine typische Aussage, die beliebig ausgebaut werden kann. Ehemalige Banker coachen Banker und besser noch ehemalige Banker. Unternehmer bieten Unternehmern ihre Dienste als Coach an. Erfahrenen Sportler arbeiten als Coach für Sportler. Ausgebildete Schauspieler zeigen jungen Talenten, worauf es ankommt. Tanzlehrer lehren tanzen. Klavierlehrer lehren ihre Schüler, Klavier zu spielen.
Mit Coaching hat das alles sehr wenig zu tun. Wie sieht ein typisches Gespräch zwischen zwei Lehrern aus, wenn der eine der Coach ist und der andere der Coachee? (Coachee – Klient eines Coaches) Sätze wie: „Ich weiß genau, was Sie meinen, ich habe ja schließlich die selben Erfahrungen gemacht!“, „Genau so ist es!“ oder „Das Problem kenne ich auch! Sie erzählen mir nichts Neues!“, haben keinen Platz in einem Coaching. Im Gegenteil! Coaching funktioniert anders. Ein Coach überläßt dem Klienten seine Fachkompetenz. Er stellt dem Klienten Fragen und erkennt aus den Antworten, wie die Welt des Clienten aussieht. Das geht besser, wenn man ohne Vorurteile oder eigene Erfahrungen an das Coaching herangeht. Es ist absolut wichtig, dass der Coachee seine Welt mit seinen eigenen Worten erklärt. Ein Fachmann als Coach ist da eher hinderlich, weil Sätze wie „Sie wissen schon!“ auftreten können. Ein Fachmann wird nur mit dem Kopf nicken und möglicherweise bestätigen, dass er ganz genau weiß worum es geht. Ein richtiger Coach agiert völlig anders. Er beherrscht den Prozess und stellt Fragen. Im Coaching beträgt der Gesprächsanteil der Coaches etwa 20%. Der Coachee wird durch gezielte Fragen in die Lage versetzt die restlichen 80% zu reflektieren, nachzudenken und zu reden. Auch Momente der Stille und scheinbare Ratlosigkeit gehören zu einem Coaching. Hier ist das Einfühlungsvermögen des professionellen Coach gefragt. Empathie.
Ich definiere den coachenden Fachmann gerne als Trainer, wobei ein gewisses Hintergrundwissen natürlich kein Hinderungsgrund für einen Coach ist. Er muss sich dieser Tatsache nur sehr bewusst sein und als Führungspersönlichkeit arbeiten. Das spezielle Training kann viel besser von anderen Trainern durchgeführt werden. Ein Coach ist kein Trainer. Aber er ist eine Art Lehrer. Denn Coaching ist anlassbezogenes Lernen.

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