Das Bessere ist der Feind des Guten


Das Bessere ist der Feind des Guten – Voltaire

Irgendwas war schief gelaufen in seinem Leben. Er kam sich vor wie der Mann der aus dem 30ten Stockwerk eines Hauses gesprungen war. Als er am 10ten Stock angekommen war, fragte ihn jemand besorgt: „Wie geht es dir?“ „Bis jetzt ging alles gut! Danke!“ Der Aufschlag stand kurz bevor. Alles kam ihm wie Zeitlupe vor. Eine Rettung war unwahrscheinlich. Sein ganzes Leben kam ihm vor wie das Leben eines Fremden. Er hatte so vieles getan und irgendwie schien alles nicht ganz richtig gewesen zu sein. Wenn er gleich aufschlug, war es sowieso vorbei. Was hatte er eigentlich geschafft? Wer oder was hatte ihn daran gehindert das Leben zu führen von dem er schon immer geträumt hatte? Er war ein typischer Überflieger. So richtig schwer fiel ihm nichts. Alles was er anfing gelang ihm. Er hatte viele Talente. Aber das Einzige, was er immer werden wollte war Schriftsteller. Es war ihm klar, dass er kein Schriftsteller werden würde. Niemand ermutigte ihn dazu. Er war kein Hemingway. Also machte er das, was naheliegend war. Er lernte einen ordentlichen Beruf und er studierte. Er fand problemlos einen tollen Job und er machte eine Karriere als Manager in einem kleinen Unternehmen. Er heiratete und wurde zweimal Vater, wie es sich gehörte. Sie bauten ein Haus und reisten um die Welt und eigentlich hätte er glücklich sein sollen. Aber irgendetwas stimmte nicht. Er merkte wie ihm die Zeit davon lief. Er fühlte sich immer mehr wie der Typ, der am Ende feststellen musste, dass er gescheitert war. Er musste grinsen, als dieses Wort durch seinen Kopf schoss. „gescheit – gescheiter – gescheitert!“, sprach er laut vor sich hin und die Worte wurden vor seinem inneren Auge sichtbar. Er hatte so viele Worte in seinen Computer getippt, dass er es förmlich sehen konnte, wie Wortpaare vor seinen Augen entstanden und sinnvolle Sätze bildeten. Wörter schwebten vor seinem inneren Auge und fügten sich tanzend zusammen. Er war längst ein Schriftsteller. Allerdings war man erst ein richtiger Schriftsteller, wenn man Geld damit verdiente. Es war der falsche Ort und die falsche Zeit. Irgendwie war er immer zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Seine Zeit war nie gekommen. Er war immer kurz davor es greifen zu können und dann stand er wieder vor dem Nichts. Irgendwie hatte er es nie geschafft, das richtige Leben zu leben. Er hätte Arzt werden sollen oder Journalist. Er war Ingenieur und Programmierer gewesen, ein IT-Manager im falschen Unternehmen. Das unerträgliche Mittelmaß hatte ihn fast erdrückt. Karriere hatten andere gemacht. Andere, die weit weniger drauf hatten als er. Aber auf derartige Karrieren konnte er locker verzichten. Was war das schon? Er hatte es nie geschafft sich aus diesem lähmenden, zähen Mittelmaß zu befreien. Er war nicht irgendwer. Mark Messerschmitt – Omen es Nomen. Er hatte einen berühmten Namen und jeder glaubte, dass er zum Ingenieur geboren war. Er selbst hatte es lange geglaubt. Er hatte die klassische Karriere eines Technikers gemacht. Er war gut in allem gewesen was er anpackte. Er hatte ein gutes Händchen für technologische Entwicklungen und er erkannte immer sehr schnell, worauf es ankam. Und doch er hatte nicht das erreicht, was er hätte erreichen können. „Das Bessere ist der Feind des Guten!“, hatte sein alter Chef oft zitiert. Von wem stammte der Satz? Google gab bestimmt die richtige Antwort. Er fand es auf Anhieb: „Das Bessere ist der Feind des Guten“ (Voltaire) HEUREKA! Er hatte eine Idee! Er würde Menschen helfen, den richtigen Weg zu finden und konsequent zu verfolgen. Die Grundlagen hierfür hatte er längst gelegt. Er hatte sich eine Ausbildung als Life Coach geleistet und fühlte, dass in diesem Beruf alles drinsteckte, was wichtig war. Er war sich sicher, dass er seine Berufung gefunden hatte. Andere waren wesentlich unbegabter als er. Und er hatte einen entscheidenden Vorteil. Er hatte Lebenserfahrung und wusste, wie es sich anfühlte auf dem falschen Gleis zu fahren. Er hatte noch einen Vorteil. Er war Realist. Er würde niemals ohne einen Fallschirm von einem Hochhaus springen. Gerade noch rechtzeitig zog er die Reißleine und landete sicher auf dem Platz vor dem Hochhaus. Er packte in aller Ruhe seinen Schirm ein und verschwand dann in der Tiefgarage. Dieses Erlebnis würde er in einem Managerseminar schildern. Das war eine wirklich starke Story! „Das Beste, meine Herren, ist der Feind des Guten!“ Er würde ihnen den Wert von richtigen Zielen deutlich machen und einige seiner Studenten würden rechtzeitig einen anderen Weg wählen. Das war seine Berufung! Mark Messerschmitt war längst auf dem richtigen Weg. Im Grunde hatte er alles richtig gemacht.

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