#189 Das Leben als Drama – Spiele der Erwachsenen


Eric Berne

Eric Berne (Photo credit: Wikipedia)

Das ganze Leben ist ein einziges Drama. Shakespeare lauert überall. Vorhang auf! DAS LEBEN! 1964 wurde das, inzwischen als Standardwerk moderner Psychologie verstandene, Werk des Psychotherapeuten Eric Berne „Spiele der Erwachsenen“ veröffentlicht. Zwei Jahre zögerte der New Yorker Verlag Grove Press, das Buch herauszubringen. „Es sei zu wissenschaftlich“, meinten die Lektoren.
Als der Verlag im Sommer 1964 das wissenschaftliche Werk dann doch druckte, wurde es sehr schnell einem der größten Bucherfolge der Geschichte. Über eine halbe Million Exemplare wurden in den ersten Monaten allein in den Vereinigten Staaten abgesetzt. Inzwischen ist es wohl weit über 10 Millionen mal weltweit verkauft worden. Wenige Wochen nach ihrem Erscheinen taucht nun auch eine deutsche Ausgabe des Berne-Buches in den Bestseller-Listen auf. Titel: „Spiele der Erwachsenen Untertitel: „Psychologie der menschlichen Beziehungen“.
Berne beschreibt die automatischen Abläufe ganz alltäglicher Interaktionen zwischen Menschen. Wer seinen Berne gelesen hat, wird mit viel mehr Vergnügen in ein Meeting gehen und die Spiele aufmerksam beobachten und genießen können, die sich dort immer noch regelmäßig abspielen. Die „Spiele der Erwachsenen“ gehören in jeden guten Management Kurs. Auch für Drehbuchautoren und Schriftsteller ist das Werk sehr gut geeignet. Da sehnen von ihrem eigenen trostlosen Leben Enttäuschte ständig neue Ungerechtigkeiten herbei und spielen das „Warum muss das immer mir passieren?“-Spiel. Ehemänner präsentieren ihren Ehefrauen lieber Magengeschwüre als ihnen Blumen oder Parfüm zu schenken: „Siehst Du, was ich für Dich gebe? Meine Gesundheit!“
Wir erfahren, warum sich Ganoven danach sehnen, erwischt zu werden und warum manche freundlichen Mitbürger ständig auf den Unzulänglichkeiten Anderer herumreiten müssen. Insgesamt 36 solcher Party-, Ehe- und Lebensspiele mit mehr als hundert Unter-Spielarten hat der kalifornische Psychiater aus seinen Beobachtungen destillieren können.
Wenn sich eine Ehefrau beklagt, sie wolle doch endlich Tanzstunden nehmen, aber ihr ihr tyrannischer Mann würde sie nicht unbeobachtet aus dem Haus gehen lassen, dann hilft nur ein überraschender Ausbruch aus dem Spiel. In dem Moment wo der Ehetyrann sie einfach machen lässt, bricht ihr Spiel in sich zusammen. Vermutlich wird der Drang diesen Tanzkurs besuchen zu müssen, schlagartig aufhören, wenn er ihr die Freiheit gibt. Wann immer Menschen miteinander interagieren, sind laut Berne in Wirklichkeit 6 Personen miteinander im Gespräch. Jeder Erwachsener handelt aus jeweils 3 Perspektiven. Als Erwachsener, als Kind und aus der Perspektive eines Eltern-Ich. Das Ganze nennt sich Transaktionsanalyse und wurde später durch das Standardwerk „Ich bin OK, Du bist OK“ von von Thomas A. Harris und Irmela Brender genau beschrieben.
Das ganze Leben ist ein einziges Drama! Wie wunderbar!

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2 Kommentare zu “#189 Das Leben als Drama – Spiele der Erwachsenen

  1. Wahrscheinlich wäre das Leben auch langweilig ohne Dramen. Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Thomas Bernhard sagte einmal: Jede Tragödie ist immer auch eine Komödie, und jede Komödie eine Tragödie. Der Vorhang geht auf!

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