Beratung ohne Ratschläge – Coaching


„Coaching ist eine ratschlagfreie Zone“

Viele Menschen um uns herum gefallen sich in der Rolle des Ratgebers. Sie glauben ganz genau zu wissen, was wir tun müssen. Sehen wir uns diese Leute einmal kritisch an. Haben sie tatsächlich alles richtig gemacht? Sind sie überhaupt in der Position, anderen Menschen Ratschläge zu erteilen? Wir alle suchen nach Halt und Sinn. Die Menge der Ratgeber auf dem Buchmarkt übertrifft inzwischen jede Vorstellung. Der gemeine Ratschlag lauert tatsächlich überall. Um so schwieriger wird es, den richtigen Weg durch den Dschungel zu finden. Coaching ist tatsächlich eine ratschlagfreie Zone, wenn es richtig gemacht wird. Ein Coach ist kein Trainer und kein Ratgeber. Er ist kein Berater. Das scheint widersprüchlich, weil ein Coach sehr wohl als psychologischer Berater agiert.

Ein Coach ist ein Coach, ist ein Coach, ist ein Coach – kein Berater

Die Hast der Zeit, Federzeichnung

Die Hast der Zeit, Federzeichnung (Photo credit: Wikipedia)

Ich habe einen äußerst erfolgreichen und geschickten CEO kennengelernt, der etwa seit einem Jahrzehnt ein ganz klares Konzept verfolgt. Er hat einen Plan, der wie eine Blaupause auf fast jedes Unternehmen im Maschinenbau angewendet werden kann. Er arbeitet immer nach dem gleichen Konzept. Ich habe das genau beobachtet. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Das Konzept beinhaltet die Modernisierung der von ihm geführten Unternehmen und eine Neuausrichtung von interner IT und Unternehmenskommunikation. Soweit, so gut. Das scheint tatsächlich zu funktionieren, ohne auf die versteckten inneren Strukturen der betroffenen Unternehmen einzugehen. Am Ende sehen wir glänzende und gut strukturierte Firmengruppen, denen aber die Seele fehlt. Die Braut sieht sehr gut aus und die Zahlen sind tiefschwarz. Dieser CEO ist ein typischer Beratertyp. Er weiß anscheinend genau, was zu tun ist und das setzt er dann, ohne Rücksicht auf Verluste, durch. Ein Blick genügt und er setzt seinen Masterplan in die Tat um. Bedenkenträger werden aus dem Weg geräumt und Geld spielt keine Rolle. Der Wert der betroffenen Unternehmen steigt enorm. Am Ende wird das Unternehmen profitabel verkauft und er steigt schnell in ein neues Unternehmen ein, um dort genau das Gleiche zu tun, was er immer schon gemacht hat. Inzwischen haben sich aber die Rahmenbedingungen geändert und das Konzept dieses Managers wird bald nicht mehr aufgehen. Das macht nichts. Er hat inzwischen genug verdient um sorglos in die Zukunft zu sehen. Er hat alles richtig gemacht. Das kann man von den Unternehmen, die er geführt hat, oft nicht behaupten. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Modernes Unternehmercoaching funktioniert anders. Ein Coach nimmt sich viel Zeit um die spezifischen Fähigkeiten des Unternehmens herauszuarbeiten. Das ist schwieriger als eine Blaupause anzusetzen. Am Ende des Tages ist es aber sehr viel nachhaltiger. Die Spezifika deutscher Unternehmen liegen nicht im Umbau nach internationalen Vorbildern. In den 1980ern war es modern sich an japanischen Vorbildern zu orientieren. Erst die spezifische Anpassung an Verhältnisse vor Ort und eine konsequente Weiterentwicklung brachte tatsächlich Erfolge. Um ein Unternehmen nachhaltig zu modernisieren braucht man sehr viel Zeit. Die Zeit zum Kern vorzudringen bleibt heute oft nicht. Es ist viel einfacher alles anders zu machen und sehr viele Projekte auf den Weg zu bringen. Bewegung ist alles. Wirkliche Veränderungen brauchen mehr Einfühlungsvermögen und mehr Zeit. Es ist leicht, etwas zu beginnen. Es ist viel schwerer, etwas durchzuhalten, Fehler zu erkennen und neue Entscheidungen zu treffen. Coaching ist das genaue Gegenteil der Ratschlagkultur. Es ist unendlich schwerer und erfordert viel mehr Einfühlungsvermögen und einen langen Atem. Aber es ist nachhaltig. Darauf kommt es an.

Motivation


Mitarbeiter der Wiener Kunstfilm-Industrie. Ze...

Mitarbeiter der Wiener Kunstfilm-Industrie. Zeitpunkt der Aufnahme unbekannt. (zwangsläufig zwischen 1911 (Umbenennung in „Wiener Kunstfilm-Industrie“) und 1919 (Neugründung als „Vita-Film“) (Photo credit: Wikipedia)

„Menschen kann man nicht motivieren, aber man kann aufhören sie zu demotivieren.“ Reinhard K. Sprenger – Mythos Motivation

Was ist das für eine Welt in der junge Menschen den Eindruck haben, nicht gebraucht zu werden, weil sie über „keinerlei Erfahrungen“ verfügen und ältere Mitarbeiter sehr schnell zum „alten Eisen“ zu gehören? Der Einstieg in die Arbeitswelt erscheint vielen zu schwierig. Abstieg und Ausstieg drohen permanent. Oft wird bereits Mitarbeitern ab 40 erklärt, dass sie den hohen Anforderungen bald nicht mehr entsprechen würden. Das ist offensichtlicher Unfug. Aber genau das gehört zum Werkzeugkasten inkompetenter Führungskräfte, die durch versteckte Drohungen versuchen Mitarbeiter zu führen. Die betroffenen Mitarbeiter schlucken derartige Bemerkungen tapfer herunter und reden nicht darüber. Damit beginnt ein Teufelskreis. Mitarbeiter, die darüber sprechen wollen, prallen auf eine eisige Mauer von Schweigenden. „Was? Man hat Dir nahegelegt, das Unternehmen zu verlassen? Mir hat das noch keiner gesagt!“ oder „Das bildest Du Dir nur ein! Sei mal nicht so empfindlich!“ Dabei bemerken die potentiellen Opfer nicht einmal, dass sie eigentlich im selben Boot sitzen. Früher oder später stehen sie vor derselben Situation, reden aber lieber nicht miteinander. Oft genügt es, sich mit einem kompetenten Menschen über die Situation zu unterhalten. Psychologische Berater mit Erfahrungen aus der Industrie sind der ideale Ansprechpartner für alle Betroffenen. Betroffen sind im Grunde alle. Die ganz jungen Leute, die noch nie ein Unternehmen von innen kennengelernt haben und auch die älteren, die kaum Erfahrungen damit haben das Unternehmen zu wechseln. Mitarbeiter, die bereits für mehrere Unternehmen gearbeitet haben, wissen, dass es überall ähnlich ist. Der Eindruck in einem besonderen Unternehmen zu arbeiten, in dem es ganz natürlich ist einem übergroßen Druck ausgesetzt zu sein tritt ganz besonders bei Mitarbeitern auf, die glauben, dass es keine Alternative für sie gibt. Was passiert eigentlich mit Mitarbeitern großer Firmengruppen, Banken und Versicherungen, wenn in aller Regelmäßigkeit Mitarbeiter freigesetzt werden müssen? Was passiert mit denen, die bleiben dürfen? Wie gestaltet sich die Karriere derer, die gehen mussten? Die, die bleiben, schätzen sich glücklich und wissen genau, dass sie die nächsten sein könnten. Motivation sieht anders aus. Demotivation scheint der Regelfall zu zu ein.

Coaching kann dabei helfen negative Glaubenssätze zu zertrümmern. Wer sagt denn, dass es keinen Job mehr nach dem Rausschmiss gibt? Wer glaubt tatsächlich, dass junge Mitarbeiter über 20 Jahre Erfahrungen verfügen müssen. Was machen eigentlich erfolgreiche Unternehmen mit ihren Mitarbeitern? Es ist ganz einfach. Erfolgreiche Unternehmen wissen, dass sie die Erfahrungen der Älteren mit der Neugier der Jungen zusammenbringen müssen. Ein altes russisches Sprichwort besagt, dass die besten Gespanne aus einem alten und einem jungen Pferd bestehen. Die Erfahrung des Älteren bewahrt den Jungen vor Fehlern aus Unwissenheit und Überschwang. Hören wir auf unsere Mitarbeiter zu demotivieren. Das ist ein großer Schritt nach vorn. Coaching kann helfen.