Neuland


English: President Barack Obama and First Lady...

English: President Barack Obama and First Lady Michelle Obama are welcomed by German Chancellor Angela Merkel and her husband, professor Joachim Sauer, to Rathaus in Baden-Baden, Germany. Deutsch: Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer begrüßen US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle Obama beim Staatsempfang auf dem Marktplatz Baden-Baden. (Photo credit: Wikipedia)

 

Neuland Internet

 

Merkel hat völlig recht. Das Internet ist ein unbekanntes Land. Wir beginnen gerade erst es zu entdecken. Der Twitter-Sturm und die Häme über ihren Begriff vom Neuland ist nicht angebracht. Viele Kommentare gehen vollkommen an der Wirklichkeit vorbei. Das Internet ist Neuland, weil niemand weiß, wie wir in nur 5 Jahren damit arbeiten werden und was das für die globalisierte Welt bedeuten wird. Internet ist vor allem eine Frage der rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir regen uns darüber auf, dass wir als Deutsche anderen rechtlichen Regeln unterliegen, als die US-Bürger im Inland. Es ist möglicherweise verboten Gespräche zwischen US-Bürgern abzuhören und aufzuzeichnen. Sobald ein EU-Bürger in die USA anruft oder reist, wird er als Ausländer behandelt. Wenn wir Cloud Lösungen nutzen, dann meinen wir Google Apps, Apple, Microsoft, IBM, Oracle und ähnliche Produkte. Es gibt zwar Alternativen, aber die sind wesentlich sperriger zu bedienen. Deutschen Unternehmen, die Cloud Anwendungen nutzen müssen um Wettbewerbsvorteile auszuspielen, sollten ihre Daten im EU-Raum speichern. Das wird jedenfalls von offizieller Seite empfohlen. Deutsche Softwareanbieter haben natürlich ein Interesse daran, ihre Kunden nicht an die Konkurrenz aus Übersee zu verlieren. Aber das ist kein gesunder Wettbewerb, der sich auf bessere Produkte stützten kann. Die besseren Produkte sind durch die Bank amerikanische Produkte. Die Alternative lautet OpenSource. Aber das ist ein anderes Thema. Dazu vielleicht später mehr.
Was wäre eigentlich, wenn wir einen gemeinsamen Rechtsraum hätten? Was wäre, wenn im Rahmen der transatlantischen Freihandelszone europäisches und amerikanisches Recht angeglichen werden würde? Zugegeben, das ist eine kühne Idee. Aber nehmen wir einmal an, wir wären als Europäer automatisch Amerikaner und umgekehrt? Wenn das so wäre, dann würden unsere Daten auch in der US-Cloud automatisch den selben Schutz genießen, wie es in den USA üblich ist. Die Globalisierung der Welt erfordert auch in dieser Hinsicht eine rechtliche Anpassung. Vielleicht hat Angela Merkel das gemeint, als sie von Neuland sprach. Wir betreten völlig unbekantes Neuland. Wir müssen uns mit Dingen beschäftigen, die vor einigen Jahren noch vollkommen unbekannt waren. Das Internet entwickelt sich so rasant, dass jeden Tag neue herausforderungen auftauchen. Das ist definitiv Neuland. Ich traue der Kanzlerin zu, dass sie weiß wovon sie spricht. Mit Unwissenheit hat das ganz sicher nichts zu tun. Wer das glaubt, hat nur die Spitze des Eisbergs gesehen. Shitstormer aller Klassen: Denkt noch einmal darüber nach! Es ist Neuland!

 

Lean Startup


The original MS-DOS advertisement in 1981.

The original MS-DOS advertisement in 1981. (Photo credit: Wikipedia)

Lean Startup – Wie ich es inzwischen verstehe

Viele Unternehmer entwickeln zuerst ein möglichst perfektes Produkt. Sie stecken sehr viel Zeit und Geld in die Entwicklung von Produkten, deren tatsächliche Marktchancen noch völlig ungeklärt sind. Am Anfang gibt es niemals verlässliche Zahlen. Man muss sich auf Prognosen und Schätzungen verlassen. Echte Zahlen beruhen auf Erfahrungswerten und die kommen erst viel später. Manchmal zu spät. Die meisten Produkte scheitern und verschwinden wieder vom Markt, noch ehe irgend jemand erkannt hat, welches Potential dieses Produkt eigentlich hatte. Schade eigentlich!
Es gibt unglaublich gute Geschäftsmodelle und Produkte, die es verdient hätten, sich durchzusetzen. Die großen und innovativen Softwareunternehmen in den USA haben erkannt, wie es geht. Microsoft hat uns seit fast 30 Jahren vorgemacht, wie man erfolgreich wird, ohne perfekte Produkte zu haben. Das Geheimnis liegt nicht in den perfekten Produkten, sondern im Marketing. Wozu braucht man Windows? Warum soll man das neueste Office kaufen? Kann man damit bessere Artikel schreiben? Für einen Schriftsteller oder Journalisten genügt ein ganz einfaches Textprogramm. Es gibt längst jede Menge kostenloser Alternativen die alle viel besser sind als die gute alte Remington Schreibmaschine von Ernest Hemingway. Kein Mensch nutzt ein Officeprogramm jemals völlig aus. Und trotzdem kaufen viele Unternehmen immer noch die Produkte aus Redmond. Microsoft Produkte sind heute quasi Industriestandard. Perfekt sind die Systeme noch lange nicht. Aber sie sind inzwischen ziemlich gut geworden.
Software ist ein Produkt wie Bananen, sagt man. Es reift beim Kunden. Dieses Prinzip kann man auf fast alle anderen Produkte übertragen. Der Kunde darf es nur nicht erfahren. Aber im Grunde steckt da ganz viel Marketingweisheit drin. Produkte werden ständig weiterentwickelt. Sie verändern sich. Selbst ausgereifte Produkte, die völlig alltagstauglich sind, werden weiterentwickelt. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie „verschlimmbessert“ werden. Wie sagte doch einmal ein kluger Mann? „Das Bessere ist der Feind des Guten!“ Stimmt genau. Moderne Unternehmen können sich alles erlauben, ausser Stillstand. Also wird immer wieder neu entwickelt und nach der Versuch-und-Irrtum-Methode getestet, welches Produkt das Unternehmen weiterbringen wird. Softwareentwicklung ist eine ganz spezielle Angelegenheit. Aber das ist ein anderes Thema.
Die Kernidee von Lean Startup ist ganz ähnlich. Man nehme ein einfaches Produkt, vermarkte es perfekt und sammele Erfahrungen damit. Wenn die Abläufe funktionieren, kann man das Produkt immer noch an den Markt anpassen und perfektionieren. Wer sein Ohr immer am Kunden hat und genau erkennt, was geht und was nicht geht, wird Erfolg haben. Aber zuerst muss eine Produktlinie perfekt funktionieren. Dann kann man sich an den Aufbau des Unternehmens machen und wachsen.
Als ich vor vielen Jahren mein erstes ERP-System einführen wollte, glaubte ich eine fast unlösbare Aufgabe vor mir zu haben. Ich traf mich mit vielen Managern, die so etwas schon einmal erfolgreich gemacht hatten und ich fand keinen Fixpunkt wo ich den Hebel ansetzen konnte. Meine Erfahrungen als Programmierer besagten, dass man Top-Down programmieren musste. Von der grundlegenden Funktion zum Detail. Das funktionierte sehr gut. Aber ein komplexes System, das ganze Unternehmen steuern kann? Wie sollte man so etwas einführen? Im Grunde war das ein fast unlösbares Problem. So etwas lernt man an keiner Universität. Man braucht Erfahrungen und möglicherweise einen Rahmen, eine Blaupause wie man so etwas macht.

Der beste Tipp den ich damals bekam, war der Hinweis von einem Manager eines Berliner Unternehmens. Herr Alemu hatte sich als Referenzkontakt zur Verfügung gestellt. Er hatte nicht viel Zeit, hielt sich nicht lange mit dem Gespräch auf und legte mir ein Taschenbuch auf den Tisch. „Die Fraktale Fabrik: Revolution in der Unternehmenskultur“ von Hans-Jürgen Warnecke.

Kern dieses Werkes war der Gedanke, das Unternehmen im Großen genau so funktionieren wie im Kleinen. Wenn der grundlegende Mechanismus stimmt und aktiv weiterentwickelt wird, dann funktioniert die Unternehmenskultur. Logisch: Wenn jeder Mitarbeiter begreift, dass er für die Qualität der Produkte mit verantwortlich ist, dann wird er an der Verbesserung der Abläufe aktiv mitarbeiten. Kleine Fraktrale, die genau so funktionieren, wie das Gesamtunternehmen und umgekehrt. So baut man ein erfolgreiches Unternehmen auf und genau so führt man komplexe Projekte ein. Bei der Softwareentwicklung liegt das auf der Hand. Bei Großprojekten wie dem BER und der Elbphilharmonie sieht das schon etwas anders aus. Allerdings gilt auch hier, dass zuerst kleine Einheiten perfekt funktionieren müssen um als vollständige Einheit zusammenzuspielen.
Bei der Gründung von Unternehmen gilt vor allem eins. Es müssen genügend Interessenten und Kunden vorhanden sein, die auf das Produkt aufmerksam werden und es kaufen. Das Produkt muss sich von den Konkurrenzprodukten absetzen und einen gewissen Qualitätsstandard haben. Es muss einen Grund geben es zu kaufen. Der Mehrwert muss erkennbar sein. Die Markteinführung eines Produktes beginnt lange vor der Produktentwicklung. Und falls der Markt für ein neues Produkt da ist, machen Sie es einfach wie Bill Gates. Der verkaufte der IBM ein Produkt, dass er gar nicht selbst entwickelt hatte. MS-DOS war ein reines Phantasieprodukt. Gates hatte nur die Idee, Lizenzen eines PC Betriebssystems zu verkaufen. Das eigentliche Produkt kaufte er einfach ein, als er es brauchte. Er nannte es MS-DOS und wurde einer der reichsten Männer der Welt. So einfach ist das mit dem Lean Startup. Es muss nur noch funktionieren.

Und dann fällt mir noch eine schöne Metapher ein. Fraktale – Die Schönheit des Chaos. Aber das ist wieder ein anderes Thema.