Digitale Maschinenstürmer


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An icon from icon theme Crystal Clear. (Photo credit: Wikipedia)

Das Vermeiden digitaler Spuren ist nichts anderes als moderne Maschinenstürmerei. Im 19ten Jahrhundert stürmten die Menschen Maschinenhallen mit modernen dampfgetriebenen Webmaschinen und zerstörten sie, im Glauben den Fortschritt aufhalten zu können. Wir wissen längst, das derartige Aktionen sinnlos waren. Die Webmaschinen von heute sind das Internet und riesige Rechenzentren die von großen Konzernen wie Google, IBM, Apple und Microsoft betrieben werden. Niemand kann den Fortschritt aufhalten. aber wir können ihn gestalten. Wir können versuchen die Nutzung moderner IT zu vermeiden, aber am Ende kommen wir nicht darum herum, Suchmaschinen und IT-Platformen im Internet (der Cloud) zu nutzen. Wir sind längst in der digitalen Welt angekommen. Das beginnt mit dem Eintrag in ein Telefonverzeichnis, einer eMail Adresse oder einem ganz normalen Bankkonto. Wir sind bereits gläserne Menschen. Worauf es jetzt ankommt, ist genau das worauf es immer angekommen ist. Jeder muss sich im Klaren darüber sein, das alles, was er von sich gibt, möglicherweise gegen ihn verwendet werden kann. Jedes Stellungnahme, jedes Statement, alles was wir im Internet veröffentlichen ist speicherbar und bereit ausgewertet zu werden. Dabei ist es egal, ob wir unsere Kommunikation verschlüsseln oder nicht.

Es gilt immer noch: „Die Gedanken sind frei……“. Allerdings können unsere Gedanken durch unser unser Handeln und unsere Äußerungen schneller erraten werden, als es noch vor 25 Jahren der Fall war. Moderne digitale Algorithmen sind durchaus in der Lage so etwas wir eine digitale Landkarte unserer Persönlichkeit zu erstellen. Kaum etwas, was noch vor kurzem als Science Fiction abgetan wurde ist unmöglich. Was können wir also tun? Kopf in den Sand und Augen zu und durch? Sind wir hilflos und ohnmächtig?
Ich denke, dass Ethik und Moral gerade heute einen höheren Stellenwert erlangen. Humanismus und humanistische Bildung war nie wertvoller, wie heute. In Zukunft wird reine Technologie immer weiter in den Hintergrund treten. Sie wird allgegenwärtig sein und sie wird unsichtbar. Der aktuelle Trend hin zum mobilen Internet zeigt ganz deutlich, wie Rechenleistung in vernetzte Rechenzentren abwandert und die Geräte vor Ort immer kleiner werden. Wir stecken mitten in der Einführung eines neuen Quantensprunges im Internet. Die Einführung von IPV6 wird uns das INTERNET DER DINGE bringen. Das bedeutet, das in Zukunft jedes Ding eine Adresse im Internet haben wird. Jeder Tisch, jeder Stuhl, Kühlschränke, Fahrzeuge, Handtaschen, einfach alles. In naher Zukunft kann sich niemand mehr digital verstecken. Wir hinterlassen Datenspuren und alles, was wir kommunizieren kann gespeichert und ausgewertet werden. Die Frage ist nur von wem und mit welchem Ziel. Es ist alles eine Frage des Standpunktes. Es ist immer noch ein Unterschied, von wem man beobachtet wird. In dieser Hinsicht hat unsere Regierung durchaus recht. Die Technologie ist da und Cyberkriminalität auch. Die Zusammenarbeit der NSA mit den großen amerikanischen Technologieunternehmen hat auch eine positive Seite. Wer weiß, wo die Schwachstellen digitaler Kommunikation sind und wer Unregelmäßigkeiten im Internet beobachtet, der weiß genau warum er das tut. Sehen wir es einmal anders. Wenn wir es nicht tun, dann tun es andere. Unter wir, verstehen wir jetzt einfach mal uns als westliche Welt. Unsere Gesellschaft ist nicht perfekt, aber nach allen Erfahrungen immer noch das beste System, das wir jemals hatten. Ich bin nicht der Meinung, dass wir uns keine Sorgen über einen möglichen Überwachungsstaat machen müssen. Im Gegenteil. Wir müssen aufmerksam und achtsam miteinander und mit unseren Daten umgehen. Alles was wir sagen und tun, sollte einen Sinn haben. Wir haben einen Standpunkt, Ziele und ethisch-moralische Grundsätze. Alles was wir tun, muss durch diesen Filter laufen. In dieser Hinsicht hat sich nichts geändert.

Allerdings sollten wir darauf achten, dass nicht jeder Hanswurst sich ein umfassendes Bild von uns machen kann. Wer auf Facebook jedem alles freigibt und erlaubt, ist selber Schuld. Aber das ist ein anderes Thema.