Coaching für Choleriker?


Das Thema Choleriker steht immer wieder auf der Tagesordnung. Es ist auch eine beliebte Suchanfrage, die auf meinen Blog führt. Viele meiner Klienten leiden offenbar unter Cholerikern. „Du könntest mal meinen Chef coachen. Der könnte das gut gebrauchen! Der ist so was von aufbrausend und ungerecht.“ Ich höre aufmerksam zu und versuche klarzustellen, dass man einem Choleriker während eines Anfalls niemals widersprechen oder gar reizen solle. Choleriker sind sich ihres Tuns oft nicht einmal bewusst. Sie betrachten das, was sie tun und wie sie es tun als den Normalfall. Sie wissen es nicht anders. Es gibt durchaus Menschen, die sich ganz bewusst geändert haben, als ihnen klar wurde, wie ihr Auftritt auf andere wirkt.
Das Thema wie man mit einem Choleriker umgeht, ist offenbar sehr beliebt. Auf jeden Fall stelle ich einen großen Leidensdruck bei meinen Gesprächspartnern fest. Ihr größter Wunsch ist es, dass ich ihren Chef coachen und ihn von seinem unangenehmen Leiden befreien würde. Ich habe bislang oft die Behauptung aufgestellt, dass man einen Choleriker nicht heilen kann. Nach einem Gespräch mit einem befreundeten Psychologen, er will nicht genannt werden, ich nenne ihn Dr.Freund ;-), bin ich zu der Ansicht gelangt, dass es sich bei Cholerikern um mehr oder weniger kranke Menschen handelt. Wenn das dem Choleriker klar würde, dann würde er alles tun um sich zu ändern. Wenn man bedenkt, dass ein cholerischer Anfall tatsächlich viel schlimmer ist, als Mundgeruch, dann ist es ein Wunder, dass die betroffenen Menschen nicht zu den Psychologen strömen. Denn genau dort gehören sie hin. Es handelt sich ganz eindeutig um eine psychische Störung. Ich bin mir heute ganz sicher. Es ist sehr leicht zu erkennen und man kann sogar etwas dagegen tun. Allerdings ist das kein Job für einen Coach. Wir befassen und nur mit gesunden Menschen. Wenn wir eine psychische Störung feststellen, verweisen wir auf einen Arzt, der so etwas heilen kann.
Der Begriff Choleriker ist eine traditionelle Einstufung von menschlichen Verhaltensmustern in vier Grundtypen. Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker. Die Einteilung in vier Typen geht auf Mittelalter und Antike zurück. Die moderne Psychologie kennt diese Klassifizierung nicht mehr. Jeder Mensch vereinigt in seiner Psyche alle Wesenzüge.
Hinter besonders aufbrausendem, aggressivem Wesen der Choleriker, aber auch gegenteilig hinter Depressivität oder Gleichgültigkeit,stecken oft psychische Störungen. Diese können auf Erkrankungen zurückzuführen sein, oder durch äußere Faktoren, wie Stress oder Mobbing, hervorgerufen werden. Wenn bei Kindern beispielsweise das ADHS-Syndrom (Hyperaktivität) besteht und nicht erkannt und therapiert wird, kann es sich im Erwachsenenalter fortsetzen und manifestieren. Das zeigt sich auch in einer fortgesetzten Unruhe, Impulsivität und Unnachgiebigkeit.
Wer einmal begriffen hat, dass sich hinter einem Choleriker kein böser Mensch verbirgt, sondern eine verletzliche und unsichere Seele, wird anders mit solchen Ausbrüchen umgehen. Es ist unbestritten, dass wir anstreben sollten erwachsen miteinander zu kommunizieren. Ein erster Schritt einen Choleriker zum Umdenken zu bewegen, ist es ihm vor Augen zu führen, wie sein Handeln auf die Umwelt wirkt. Das ist nicht einfach, aber es ist ein erster Schritt. Wenn einem Choleriker klar wird, dass ein cholerischer Ausbruch immer ein Zeichen von Schwäche und Unsicherheit ist, hat der eine realistische Chance umzudenken und sich selbst zu beobachten. Es ist aber nicht die Aufgabe von Mitarbeitern, ihren Chef zu therapieren. Also Vorsicht beim Umgang mit cholerischen Chefs.
Im Familienumfeld sind Choleriker ebenfalls ein heißes Thema. Sie verstecken sich oft hinter einer Fassade.
Ich fasse noch einmal zusammen. Ein Coaching für Choleriker ist ausgeschlossen, solange sie sich nicht einem praktizierenden Arzt anvertraut haben. Ein Coach heilt nicht. Wir beschäftigen und mit der Skala von 0 bis +10, während sich Psychologen, Heilpraktiker und Psychotherapeuten mit der negativen Skala von -10 bis 0 befassen. Die positive Botschaft ist, dass Menschen sich ändern können, wenn sie es wollen. Ein Choleriker kann sich, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, durchaus ändern. Er muss es aber wirklich wollen.
Wir ändern niemals einen Menschen, ohne dass er erkennt, dass es notwendig ist. Das liegt in seiner persönlichen Freiheit.