Ironie als Coaching-Tool


Deutsch: Ironie-Marker Original

Deutsch: Ironie-Marker Original (Photo credit: Wikipedia)

 

Ein Coach nimmt seinen Gesprächspartner aufmerksam wahr und begibt sich in die Welt seiner Klienten, ohne ihnen etwas aufzudrücken. Das erwartet man ganz einfach von einem Profi. Es gibt aber auch Punkte in einem Coaching, an denen Ironie notwendig wird. Sarkasmus und Ironie sind gefährliche Werkzeuge. Man muss eine lange Ausbildung absolviert haben um ein Samuraischwert sicher zu beherrschen oder ein Skalpell sinnvoll anzuwenden. Ich kann beides. Aufmerksam zuhören und mich ganz ernsthaft mit den Problemen meiner Klienten auseinandersetzen und ironisch kontern. Manchmal muss man einen Jammerer stoppen und einen Breakpoint setzen. „Stopp! Bis hierher und nicht weiter!“ Aber nicht nur Jammerer kann man mit Ironie stoppen. Auch von sich und ihrer Lebensart zutiefst überzeugte Schaumschläger brauchen so etwas. Sie sind sehr oft umgeben von Schmeichlern, die ihnen nach dem Mund reden und sorgfältig darauf achten nichts falsches zu sagen. Wenn man dem erfolgreichen Macher widerspricht, dann könnte es mit der eigenen Karriere schnell vorbei sein. Der erfolgreiche Macher dreht sich im Kreis und ähnelt einem Piloten, dessen Instrumente ausgefallen sind. Das Flugzeug wird abstürzen. Aber bis es soweit ist, ist die Stimmung heiter. Alles scheint gut zu sein.

 

Für einen Coach ist Ironie ein sehr scharfes Werkzeug. Der Coach arbeitet manchmal als eiskalter Chirurg, der entschlossen aufschneidet, entfernt und wieder zumacht. Vorher hat er die Situation klar analysiert und weiß genau, was zu tun ist. Ein Patient hat zwar Schmerzen zu erleiden, aber er vertraut seinem Arzt und unterschreibt eine Patientenverfügung.
Beim Coaching ist das ganz ähnlich. Nur geht es nicht um Heilung oder Linderung. Das überlassen wir immer den Psychologen und Psychotherapeuten. Es geht aber oft darum, dem Klienten etwas zu entfernen, was ihn hindert. Vorurteile und blinde Punkte lauern überall. Ein Coach ist ein Profi, wenn es um das Finden und Aufdecken von blinden Punkten im Denken geht. Der blinde Punkt im Denken ist immer da zu finden, wo man ihn eigentlich nicht vermuten würde. Ausgerechnet das, was wir am besten zu kennen glauben, wo wir uns „blind“ orientieren und mit schlafwandlerischer Sicherheit zu bewegen scheinen, befinden sich die blinden Punkte unserer Aufmerksamkeit. Achten Sie mal aufmerksam auf folgende Gesprächsmuster in einem Meeting. „Ist mir bekannt! Ich weiß Bescheid! Alles klar! Logisch!“ Immer wenn wir so etwas hören, können wir sicher sein, dass sich genau an diesen Stellen blinde Punkte der Aufmerksamkeit befinden.
In der Softwareindustrie kann man so etwas regelmäßig beobachten. Jeder glaubt genau zu wissen, wie etwas funktionieren muss, bis zu dem Punkt an dem alles plötzlich ganz anders ist. Man muss die Alternativen kennen, um das Kerngeschäft zu beherrschen.

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar zu “Ironie als Coaching-Tool

  1. Ein messerscharfer Artikel! 🙂

    Mit Ihrem Aritikel sprechen Sie etwas ganz wichtiges an, was nach meiner Auffassung
    als Kompetenz eines guten Coaches oft zu kurz kommt. Hier muss der Coach auch viel Feingefühl für die Situation mitbringen. Oft ist er gut beraten, eine „Ironie- oder Sarkasmus-Rolle“ bzw. Sequenz vorher mit dem Klient zu verabreden.

    Herzliche Grüße,

    Peter Reitz

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