Coaching – einfach ein gutes Gespräch


“Coaching ist……….wenn Dein Gegenüber beginnt zu erzählen wie ein Wasserfall”

Das beste Kompliment für einen Coach ist auch gleichzeitig sein größtes Problem. “Sie sind wirklich ein toller Gesprächspartner!” Es gibt jede Menge Gesprächsbedarf. Die Leute wollen ihr eigenes Leben, ihre Ängste und Pläne reflektieren, aber sie wollen sich sehr oft nicht auf ein professionelles Coaching einlassen. Coachs hören oft, dass es wirklich toll ist sich mit ihnen zu unterhalten. Sie  hören aktiv zu und sind in der Lage, sich auf ihre Gesprächspartner einzustellen. Klar: Sie sind Profis in der Gesprächsführung. Ein gutes Gespräch mit einem Coach ist die eine Sache, dafür Geld in die Hand zu nehmen, eine andere. Spätestens an dieser Stelle wird es Zeit, das Gespräch zu unterbrechen und dem potentiellen Kunden eine Visitenkarte in die Hand zu drücken. “Ich weiß, dass ich ein guter Gesprächspartner bin. Ich arbeite als professioneller Coach und nehme gerne neue Mandate an. Wenn Sie wollen, vereinbaren wir einen Termin.” Es sollte wirklich kein Problem sein, sich in einem professionellen Rahmen mit einem Coach zu unterhalten. Wer das nicht will, kann es auch bleiben lassen. Profis können es sich wirklich nicht leisten Ihre Zeit zu verschenken. Versuchen Sie mal einem Rechtsanwalt zu erzählen, dass er ein interessanter Mensch ist und sie sich gerne mit ihm unterhalten. Spätestens beim nächsten Termin flattert die Rechnung ins Haus. Bei einem Coach ist das im Grunde genau dasselbe.

The articles of the German Constitution (Grund...

The articles of the German Constitution (Grundgesetz) (Photo credit: Wikipedia)

Ich bin sehr oft geschäftlich unterwegs und treffe mich mit interessanten Unternehmern und Geschäftsführern. Manchmal habe ich keine Ahnung, was die eigentlich machen. Meine Fragen und mein ehrliches Interesse treffen fast immer auf fruchtbaren Boden. Das ist auch kein Wunder. Ich habe es schließlich gelernt, wie man so etwas macht. Ich weiß wir ich meine Fragen zu stellen habe und ich bin auch tatsächlich daran interessiert, was die Leute so machen und womit sie ihr Geld verdienen. Oft stellt sich sehr schnell heraus, dass sie vor einer Reihe von Problemen stehen und sich in einem permanenten Teufelskreis bewegen. Es gelingt mir immer öfter, das Thema Coaching auf die Tagesordnung zu bringen. Die Zeit ist einfach reif dafür. Die Rechnung ist ganz einfach. Wenn meine Klienten erst einmal begriffen haben, das sie ihre Probleme sehr schnell und professionell durch die Begleitung eines Coachs lösen können, dann greifen sie sehr schnell zu. Voraussetzung dafür ist ein klarer und scharfer Verstand und eine hohe Entwicklungsstufe des Klienten. Wer in der Lage ist, sich selbst zu reflektieren, erkennt sehr schnell, dass eine Weiterentwicklung für ihn die Lösung vieler angeblicher Probleme ist. Coaching ist ein wirksames Werkzeug für Manager, die bereit sind, zuerst an sich zu arbeiten um dann die Führung über ein Team, eine Abteilung oder eine Firma zu übernehmen. Coaching ist für Führungskräfte sehr gut geeignet. Es ist gut, sich selbst als Coach zu betrachten. Es ist besser einen persönlichen Coach in Reichweite zu haben. Ich zitiere gerne die drei Säulen der Führung von Boris Grundl.  “Wie führe ich mich selbst?” “Wie lasse ich mich führen?” “Wie führe ich andere?” Viele angestellte Manager glauben immer noch, allein auf Grund ihre Stellung alle anderen führen zu können. Sie vernachlässigen die Selbstführung und die Fähigkeit sich führen zu lassen. Selbst der Papst hat einen Chef, von dem er sich führen läßt. Für alle, die die keine Ahnung haben, wer der Chef des Papstes sein könnte: Es ist Gott. Was für eine Überraschung! 😉
Es gibt also immer jemand, von dem wir uns führen lassen. Und für alle Atheisten unter uns: Nennen wir es Ethik und Moral, das Grundgesetz, Zivilcourage, Humanismus, die Unabhängikeitserklärung, Freiheit des Individuums, das StarTrek-Universum, was auch immer….
Ich lese übrigens in letzter Zeit sehr viel in Marc Aurels Selbstbetrachtungen. Und das ist ein wirklich kostenloser Tipp: Lesen Sie das auch und reflektieren Sie Ihre Gedanken dazu. Ein Coach tut genau das, um sich weiterzuentwickeln. Er schöpft aus vielen Quellen und ist immer sehr neugierig auf neue Erkenntnisse und vor allem: auf neue Menschen.

Coaching – Entwicklungsstufen des Selbst


Kegans Modell – Entwicklungsstufen des Selbst

Erfolgreiche Unternehmer entwickeln sich und ihr Unternehmen stetig weiter. Sie wissen, dass Leben Veränderung, Entwicklung und Wachstum bedeutet. Wesen und Wachstum von Unternehmer (Persönlichkeit) und Unternehmen (Markenpersönlichkeit) sind geprägt von Entwicklungsphasen. Jede Phase stellt uns vor neue Herausforderungen und gibt uns die Chance, reifer und autonomer zu werden – und damit zunehmend einzigartiger, unverwechselbarer – und erfolgreicher.  Die höchste Stufe der Autonomie bedeutet jedoch keinesfalls ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit, wie es oft angenommen wird.

Robert Kegan EntwicklungsstufenDer Harvardprofessor Robert Kegan schuf mit „Entwicklungsstufen des Selbst“ eine Entwicklungstheorie, die es ermöglicht, die Phasen des Wachstumsprozesses besser zu erkennen. Der Harvard-Psychologe versteht die Entwicklung vom Säugling bis zum reifen Erwachsenen als einen Prozess, der zwischen zwei Polen pendelt: Zwischen dem Drang nach Individualität und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Der Antrieb, die Energie stammt aus dem Subjekt selbst, das ähnlich einer Rakete immer wieder Teile abstösst und zum Objekt werden lässt. Auf jeder Stufe dieses «Subjekt-Objekt-Gleichgewichts» werden die Gleichgewichtsverhältnisse neu organisiert und Konflikte produktiver bewältigt als zuvor.

Ein Coach sollte möglichst Stufe 5 erreicht haben um in der Lage zu sein, Menschen von der dritten zur vierten Stufe zu helfen, möglicherweise darüber hinaus. Das Erreichen der Entwicklungsstufen ist ein Prozess, der eng an das Lebensalter gekoppelt ist. Es ist durchaus möglich, die Stufen 4 und 5 schon mit Beginn der 40er Lebensjahre zu erreichen. Stufe 5 ist die höchste Stufe des Selbst-Erkennens. Menschen auf dieser Stufe haben ein sehr hohes Maß an Selbsterkenntnis und ein sehr geringes Kontrollbedürfnis.

Sie erkennen ihr eigenes Ego bewusst als Filter durch den sie die Welt betrachten. Sie sind in der Lage diesen Filter zu manipulieren um weitere Erkenntnisse zu ermöglichen. Sie sind sich der Beschränkungen ihrer Persönlichkeit auf Grund ihrer Geschichte, Herkunft und Erziehung bewusst und in der Lage souverän damit zu spielen. Sie fördern andere Menschen, ohne eigene Vorteile im Auge zu haben. Stufe 5 Individuen ähneln Menschen der Stufe 3, sind aber von den Erwartungen und Meinungen anderer unabhängig und frei von den Beschränkungen, die sich daraus ergeben.

Erwachsene können aber auch durchaus auf Stufe 3 stehenbleiben und ihr ganzes Leben auf dieser Stufe zu verbringen. Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass bis zu 60% aller Menschen auf Stufe 3 stehenbleiben. Etwa nur 10% aller Menschen erreichen die Stufe 5. Im Coaching ist es üblich, die Entwicklungsstufe eines Klienten durch Interviewtechniken zu ermitteln und das Coaching darauf abzustimmen. Ein Coach wird es aber bewusst vermeiden, seinen Klienten eine dieser Stufen zu nennen. Im Laufe eines Coachingzyklus werden immer neue Erkenntnisse gewonnen, die den Prozess beeinflussen. Oft schwingen Menschen zwischen Entwicklungsstufen hin und her wie ein Pendel. Wenn sie sich ihrer Selbst bewusst werden, sind sie in der Lage selbst zu erkennen wo sie gerade sind. Auch das ist ein lohnendes Ziel für ein Coaching.

Stufe 0 und Stufe 1 – Babys und Kleinkinder

Diese Stufen sollten die meisten Erwachsenen erfolgreich durchlaufen haben.

Stufe 2 – Individualisten

  • Sehen und halten sich getrennt von anderen.
  • Ihre größte Sorge: Die Hilfe und Unterstützung anderer Menschen zu verlieren
  • Lassen sich von ihren eigenen Interessen lenken.
  • Nehmen andere Menschen nur wahr, wenn diese für sie nützlich und hilfreich sind.
  • Haben ihre eigene Sichtweise. Halten stur daran fest.
  • Spielen ein Spiel, in dem jemand gewinnt und jemand verliert. (Nullsummenspiel)
  • Geringe Empathiefähigkeit. Können sich nicht in die Gefühle anderer einfühlen. Sind unfähig sich in andere Menschen hineinzuversetzen.
  • Ihr eigenes kleines Ego hat sie fest im Griff.

Stufe 3 – Gemeinschafts- oder Gesellschaftsmitglieder

  • Internalisieren die Sichtweisen anderer Menschen.
  • Definieren sich durch soziale Erwartungen.
  • Halten sich an gemeinschaftliche Werte.
  • Empfinden Verpflichtungen und fühlen sich möglicherweise schuldig, wenn sie diesen nicht nachkommen.
  • Ihre größte Sorge ist, die Anerkennung anderer Menschen zu verlieren.
  • Werden gelenkt durch Gruppeninteressen.
  • Ihre Sichtweise setzt sich aus übernommenen Sichtweisen anderer zusammen.
  • Sie spielen ein Spiel, in dem beide Parteien gewinnen. (Nicht-Nullsummenspiel)
  • Können sich die Erwartungen anderer Menschen leicht vorstellen und sich in sie hineinversetzen.
  • Sind in der Lage viele unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen.
  • Verlassen sich auf bewährte Methoden.

Stufe 4 – Die Autonomen, sich selbst Erschaffenden

  • Definieren sich anhand eigener Werte
  • Streben nach Integrität
  • Definieren ihren eigenen Weg und sondern sich von anderen ab.
  • Ihre größte Sorge ist, ihre Authentizität zu verlieren.
  • Lassen sich von ihren eigenen Werten leiten.
  • Haben ihre persönliche Sichtweise und ziehen die Sicht anderer in Betracht. Unterscheiden stark zwischen eigenen Erfahrungen und denen anderer.
  • Können professionell sein.
  • Respektieren andere und geben nur ungern Ratschläge.
  • Definieren Regeln für ein Spiel, bei dem beide Parteien gewinnen. Oder verzichten auf das Spiel. (Nicht-Nullsummenspiel).
  • Können sich die Erfahrungen anderer Menschen leicht vorstellen und sich in sie hineinversetzen.
  • Kreieren und modifizieren bewährte Methoden, halten sich aber möglicherweise nicht daran.

Stufe 5 – Die sich selbst Erkennenden

  • Sind sich ihrer persönlichen Geschichte und ihrer Werte und deren Wirkung bewusst.
  • Definieren sich über Beziehungen mit anderen und mit sich selbst.
  • Ihre Werte sind fließend und bewusst aufsteigend.
  • Gehen Wagnisse ein, indem sie sich für Beziehungen öffnen.
  • Haben kein Kontrollbedürfnis.
  • Sind keinem besonderen Aspekt ihrer selbst verhaftet; geben sich dem Fluss des Lebens optimistisch hin.
  • Sind in der Lage, vielfältige Blickwinkel zu unterschiedlichen Sichtweisen einzunehmen.
  • Spielen ein unendliches Spiel, dessen Sinn darin besteht, weiterzuspielen.

Robert Kegan

Der Psychologe Robert Kegan lehrt an der Harvard Universität Entwicklungspsychologie und ist der Leiter des Institute for Management and Leadership in Education. Im Zentrum seiner Forschung steht die „Möglichkeit und Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Menschen im Erwachsenenalter“. Ausserdem ist Kegan lizenzierter Pilot und Pokerspieler. Das bekannteste seiner Bücher ist «The Evolving Self», Harvard University Press 1982. Deutsch: «Die Entwicklungsstufen des Selbst. Fortschritte und Krisen im menschlichen Leben», Kindt Peter Verlag 1994.