Choleriker – Täter und Opfer


In letzter Zeit häufen sich bei mir Fragen rund um das Thema Choleriker. Es ist unangenehm einem Choleriker ausgeliefert zu sein. Besonders in Job und Familie ist das ein wichtiger Punkt. Es wird sehr schnell deutlich, dass auch die angeblich unbelehrbaren Choleriker selbst unter ihrem Verhalten leiden. Viele verstehen, dass sie dieses unangenehme Verhalten loswerden müssen. Die Peinlichkeit nach einem cholerischen Anfall ist ein wichtiger Ansatzpunkt. Diesen Menschen kann geholfen werden, wenn sie akzeptieren, dass sie selbst etwas tun können.
„Ich kann nicht anders. Ich bin nun mal so!“, erklären viele Choleriker nach einem ihrer berüchtigten Ausraster. Wutanfälle sind überflüssig und peinlich, auch für den Choleriker selbst. Die Reue «danach» kommt unausweichlich, Mitmenschen reagieren hilflos und verstört, zwischenmenschliche Beziehungen werden zutiefst erschüttert oder sogar für immer zerstört. Auch andere Formen von Aggressionen – Ärger, den man in sich hineinfrisst, Groll, Hass, Feindseligkeit und Verbitterung – können Schaden anrichten, krank machen und dazu führen, dass man sich immer weiter von seinen Mitmenschen und dem Leben, das man eigentlich führen möchte, entfernt.
Eine neue – bahnbrechende – Therapieform, die «Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)», erklärt, dass es sinnlos ist, emotionale Reaktionen wie Wut und Ärger zu unterdrücken. Man kann lernen, sich diesen Gefühlen mit Verständnis und akzeptierender Achtsamkeit zuzuwenden. Jeder kann sich eine einzige Frage stellen: „Was wünsche ICH mir tief im Herzen? Wie will ICH leben?“ Wirklich jeder kann lernen, dass das geht: sich zu ärgern UND sich so zu verhalten, dass kein Schaden angerichtet wird. Im Laufe dieses Prozesses verlieren feindselige Gefühle und Impulse die Macht über das Leben der Betroffenen. Es wird etwas Erstaunliches passieren: Choleriker und ihre Opfer lassen ihre Aggressionen los und werden endlich Herr im Hause ihres eigenen Lebens.
Cholerische Männer – um solche handelt es sich meistens – reagieren oft auf sehr intelligente Frauen die ihnen mit jeder Geste und jeder Bemerkung klarmachen, was sie von ihren Ausbrüchen halten. Der nächste Ausraster kommt bestimmt. Man kennt das ja. Es kommt zu einem permanenten Spannungsfeld zwischen überforderten Männern, die ihren sprachlosen Frust und ihre Ohnmacht in sich hineinfressen und Frauen, die sowohl Opfer als auch Täter sein können. Frauen haben sehr differenzierte Mittel um einen Mann auf die Palme zu treiben. Das ist kein Geheimnis.

Opfer-Verfolger-Retter

Opfer-Verfolger-Retter

Das Drama-Dreieck beschreibt sehr genau wie dieses Spiel Erwachsener funktioniert. Das Drama-Dreieck ist ein Modell aus der Transaktionsanalyse. Menschliche Verhaltensmuster sind vorhersagbar. Sie werden in der Transaktionsanalyse „Spiel“ genannt. Für die Beteiligten ist dieses „Spiel“ viel ernster als der Name sagt. Oft wird blutiger Ernst daraus. Die Verletzungen an den Seelen der „Spieler“ sprechen eine deutliche Sprache. Choleriker sind oft zutiefst verletzte Menschen, die sich nicht anders ausrücken können. Es gibt versteckte Gründe für ihr Verhalten. Sie fühlen sich oft minderwertig und wenn sie Macht über andere Menschen haben, reagieren sie auf die einzige Art und Weise, die sie beherrschen. Sie flippen aus und schüchtern die sie umgebenden Menschen ein. Sobald ein cholerisch veranlagter Mensch versteht, wie das nach Außen wirkt und das er etwas dagegen tun kann, öffnen sich Möglichkeiten aus diesem Teufelskreis.
Der erste Schritt ist ein achtsames und offenes Gespräch mit einem unbeteiligten Berater oder Therapeuten. Ein Kurzzeitcoaching kann helfen, die ersten Schritte zu gehen um die eigenen Aggressionen zu verstehen und anzunehmen.

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10 Kommentare zu “Choleriker – Täter und Opfer

  1. „Choleriker“ ist keine „Persönlichkeitsstörung“ oder ähnliches. Es ist eine manifeste *physische* Störung, und zwar eine innersekretorische „Messstörung“ im Stammhirn. Das ist bis heute nicht operier- oder anderwie heilbar. Alle „psycho“-therpeutischen Ansätze sind mehr oder weniger hilf- und/oder ahnungsloser Aktionismus, alle „Erfolge“ sind innerhalb statistischer Zufallsstreuung.

    • Guten Tag,
      Ich bin aus persönlicher Bertroffenheit auf Ihren Beitrag gestoßen. Beziehen Sie Ihre Erkenntnisse aus einer Studie? Ist die Folge, dass das unangemessene Verhalten ausschließlich mit Psychopharmaka verändert werden kann?
      Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

      Amy Farah fowler

  2. Das tolle am cholerischen Temperament ist, dass man sich ohne Mühe aus einem vergangenen Übel befreien kann, anders geht es einfach nicht. Der Melancholiker frisst das Übel in sich rein, der Phlegmatiker verdrängt es und der Sanguiniker geht nicht ernsthaft genug damit um!!!

  3. Pingback: Choleriker sind Opfer | MacCoach

  4. Hallo, mein Mann ist ein Choleriker und Narzist. Seit 1998 sind wir zusammen und seit 2002 verheiratet. Unsere Kinder sind 16 und 8. Ich habe ihn schon mehrfach verlassen, aber bin leider aus Mitleid zu ihm zurück gekehrt. Er ist schwerbehindert und bezieht nur eine geringe Eu-rente. (Mollaret-Meningitis) Außerdem hatte er eine extrem schwere Kindheit. Aber ich finde, dass das keine Entschuldigung für sein Verhalten ist. Vor 3 Tagen habe ich ihn nun ein letztes Mal verlassen. Ich gehe nie wieder zurück. Ich bin jetzt im Frauenschutzhaus und suche in der Nähe der Schule meiner Kinder eine Wohnung für uns drei. Die Kinder sind noch bei ihm wegen der Schule, 10.Klasse, Prüfungen usw.. Sie wollen aber zu mir, definitiv. Mein Mann und unser Sohn hassen sich regelrecht. Das sagen sie sich auch ins Gesicht. Er beschimpft unseren Sohn auf das Übelste, ohne Grund. Zum Beispiel, er wäre saublöd, stinkendfaul, und hat nur das große Maul. Das ist aber alles nicht wahr. Im Gegenteil, seine Zensuren sind so gut, dass er studieren könnte. Er ist Klassenbester. Helfen tut er im Haushalt und beim Bauen. Und den großen Mund hat er auch nicht. Er vertritt nur seine Meinung, und die verteidige ich, weil sie korrekt ist. Er kümmert sich rührend um seine kleine Schwester, sei es in der Schule oder zu Hause. Das bestätigen auch die Lehrer. Sie sagen, dass sie so etwas noch nicht hatten unter Geschwistern. Ist das etwa Neid von Seiten des Vaters? Ich kann es nicht glauben. Zu unserer Tochter ist mein Mann ganz annehmbar, zum Glück. Haben Sie Tips für uns und gute Worte? Danke!

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