Coachingvereinbarungen im Unternehmen – trotz aller Komplexität geht es auch ganz einfach!


FUTURE-Coaching

von Anita Hussl-Arnold

Was es dazu braucht? Das zeigt ein mittelständisches Unternehmen aus Kärnten:

Die Bedeutung von Coaching-Vereinbarungen, vor allem bei Beauftragung durch Vorgesetzte, ist sehr hoch:
Wie gelingt es die Ziele von allen Beteiligten ganz klar zu definieren? Wie werden die Kommunikations-  und Benachrichtigungswege  vereinbart? Wie kann der Coachee sicher sein, dass seine Offenheit gegenüber den Vorgesetzten nicht missbraucht wird? Wie gelingt es dem Coach sich ganz für seinen Coachee einzusetzen und auch der Sichtweise des Vorgesetzten einen guten Platz einzuräumen?

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Wo Coaching stattfindet


Vor einigen Jahren habe ich einmal eine Kollegin gefragt, wie sie das mit dem Coaching macht. Sie war gerade für ein paar Tage in Berlin und ich hatte einen Geschäftspartner, der sie zu einem Coaching treffen wollte. Ich selbst fühlte schon eine gewisse Berufung, aber hatte noch nie so richtig praktiziert. Ich würde die Beiden begleiten und beobachten. Das war ein interessanter Ansatz. Ich war absolut gespannt auf das Coaching.
Sie erklärte mir, dass sie Hotellobbys für Coachings nutzt und dass sie auch bei Spaziergängen gut coachen könne. Ich versuchte mir das vorzustellen und es hatte tatsächlich einen gewissen Charme. Im Laufe der Zeit habe ich für mich festgestellt, dass es auch während einer Reise mit der Bahn, dem Flugzeug oder dem Auto sehr gut funktioniert. Eine Bergwanderung oder ein langer Museumsbesuch sind ebenfalls sehr gut geeignet. Auf dem Golfplatz geht das auch. Das hat eine ganze Reihe von Vorteilen. Besonders für vielbeschäftigte Unternehmer, Politiker, Künstler und Manager ist so eine kleine Auszeit gut geeignet. Besonders lange Flüge eignen sich für ein Coaching. Das ist meine Meinung. Andere mögen es anders sehen. So coache ich jedenfalls sehr gerne. Der Mehrwert ist der, dass wenig wertvolle Zeit verloren geht und ich sehr viel Zeit mit meinem Klienten verbringen kann. In der Tat ist auch ein Coaching während eines ganz normalen Arbeitstages möglich. Ich begleite meinen Mandanten als Schattenmann und beobachte ihn in seinem ganz normalen professionellen Umfeld. Schneller kann man nicht zu wertvollen Informationen kommen. Haltung, Stimmlage, Umgang mit Mitarbeitern und Vorgesetzten, Telefonate, Entspannungsphasen und die Organisation der Arbeit. Man bekommt einfach einen tiefen Einblick in das Wesen des Coachees. Das einzige Problem ist nur, dass der Mandant diese Begleitung nicht als zu störend empfindet und dass er bereit ist mitzuarbeiten. Das diese Begleitung bezahlt werden muss und dass die Reisekosten übernommen werden, setze ich voraus. Klingt nach einem Traumjob! Aber es ist auch sehr anstrengend. Ich bin sehr ungern mehr als zwei Mal im Monat auf großer Reise. Irgendwann legt sich die Reiselust und es ist nur noch viel Arbeit. Ein Coachinggespräch ist Arbeit. Ich lege mir maximal 3 oder in Ausnahmefällen 4 Termine auf einen Kalendertag. Am Ende des Tages weiß ich, was ich getan habe.
Noch mehr Gespräche kann ich dann kaum noch ertragen. Das gehört aber dazu, dass man sich mit seiner Familie, Freunden und Bekannten austauscht. Ansonsten fliegt alles auseinander. Aber das ist wieder ein anderes Thema.

nur eine Zugfahrt


Es gibt diese Tage, an denen man sich fragt, ob man noch im richtigen Zug sitzt. Das Ziel ist klar. Es steht auf dem Ticket. Wir wissen wohin die Reise geht. Eigentlich. Und dann sitzen wir in einem leeren Abteil, hören Musik, schauen aus dem Fenster und sehen die Landschaft an uns vorbeifliegen. Das Ziel ist klar. Das Ticket ist bezahlt. Wir haben viel Zeit, sehen ziellos aus dem Fenster und lassen unsere Gedanken einfach schweifen. Plötzlich springt uns eine neue Idee an. Die Gedanken sind frei. Sie fliegen zu neuen Horizonten. Wollen wir wirklich dieses Ziel weiter verfolgen? Oder wollen wir nicht viel lieber am nächsten Bahnhof aussteigen und die Richtung wechseln? Fahren wir ruhig noch ein wenig weiter und lassen wir unseren Wünschen, Hoffnungen und Gefühlen freien Lauf! Was fühlen wir, wenn wir unser Ziel erreicht haben? Was sehen wir und wer erwartet uns dort? Ist es das, was wir wollen? Oder haben wir äußeren Zwängen nachgegeben? Machen wir das, was wir immer schon wollten? Wer wollen wir einmal sein? Wer sind wir? Gibt es andere Ziele, die uns besser gefallen würden? Niemand kann unsere Gedanken aufhalten. Wenn sie einmal freigelassen sind, dann kommen sie immer wieder.
Was meinen Sie, wie Andere heute über Sie denken? Was glauben Freunde, Kollegen und Bekannte über Sie? Wie werden Sie als Mensch wahrgenommen? Werden Sie geliebt, bewundert, gehasst oder gefürchtet? Wie wollen Sie sein? Wer ist der Mensch, der da jetzt im Zug sitzt und nachdenkt? Wer will dieser Mensch eines Tages sein? Wo wollen Sie sein, wenn sie das Rentenalter erreicht haben? Wo wollen Sie in zehn Jahren sein?

Ich denke oft an eines meiner Schlüsselerlebnisse in meinem alten Berufsleben nach. Ich hatte einige dieser Aha-Erlebnisse, aber dieses hier hat mich zum Nachdenken gebracht. Ein etwa 15 Jahre älterer Kollege war gerade durch einen Vorgesetzten auf eine unglaublich unprofessionelle Art und Weise abgebürstet worden. Es war ein Lehrstück, das sich da abspielte. Der Chef war im Unrecht. Jeder im Raum wusste das. Aber der Chef hatte die Macht und die Unverfrohrenheit diesen Mann zu beleidigen und klein zu machen. Ich konnte erkennen, wie sehr es ihm Freude bereitete seine Macht auszuspielen. Er blickte sich triumphierend um und wollte die Reaktionen der anderen Mitarbeiter sehen. Er tänzelte wie der Diktator auf dem Berghof. Dieses lächerliche Tänzeln alter und mächtiger Männer. Sie haben das Bild? Die meisten wendeten sich ab, taten so als sei nichts geschehen. Andere schauten betreten drein. Es war ein erbärmliches Lehrstück. Der Chef hatte tatsächlich eine perverse Freude an der Szene. Das machte ihn für mich zu einem Versager. Der Kollege war eingeschüchtert und völlig am Ende. Später machte er eine Bemerkung, die mich berührte: „Komm Du erstmal in mein Alter! Dann machen sie auch mit dir, was sie wollen!“ Es stimmte. Ich hatte mein halbes Berufsleben noch vor mir. In den 30ern denkt man nicht darüber nach, welche Möglichkeiten man mit 45 hat. Der Kollege sah für sich keine andere Möglichkeit als bis zur Rente durchzuhalten. Er hatte ja schließlich bereits die Hälfte geschafft.
Ich konnte mir plötzlich nicht mehr vorstellen, dort für den Rest meines Lebens zu bleiben. Ich hatte keine Lust mich in einer Situation wie dieser als Opfer eines unberechenbaren Vorgesetzten zu sehen. Das würde ich nicht ertragen.

Das war der Wendepunkt. Ich begann aktiv das Führungsverhalten meiner Kollegen und Vorgesetzten zu beobachten und einzuordnen. Ich studierte die einschlägige Managementliteratur und stellte sehr schnell fest, dass es da einen krassen Gegensatz zwischen Theorie und Praxis gab. Theorie und Praxis. Überlegene Führungskultur und abgrundtief unfähige Manager. Das passte alles irgendwie nicht zusammen. Ich ahnte, dass in diesem Unternehmen nicht die besten Manager tätig waren. Es wurde deutlich, dass die meisten meiner Kollegen einen erheblichen Nachholbedarf in Sachen Leitung und Führung von Mitarbeitern hatten. Aber dafür war in dem mittelständischen Unternehmen kein Geld vorhanden. Man kaufte sich Kompetenz lieber durch Neueinstellungen von außen ein. Der cholerische Geschäftsführer, selbst ein Mann Mitte 50, stellte gerne junge Leute ein, denen er alles versprach was sie hören wollten. Es war offensichtlich, dass er seine eigenen begrenzten Fähigkeiten auf alle anderen projizierte. Ich nahm an einem privat finanzierten Konfliktmanagementseminar teil und begann mich freizumachen. Der Zug fuhr weiter und ich fuhr noch ein paar Jahre die gleiche Strecke. Aber ich hatte längst ein anderes Ziel für mich gefunden. Wenn ich heute an diese Erlebnisse von damals denke, dann frage ich mich nur, warum ich das so lange mitgemacht hatte. Ich habe viel zu viel Zeit dafür gebraucht um mein Ziel zu definieren und die Zwischenziele zu benennen. Ein Coaching hätte mir ganz sicher dabei geholfen, viel schneller anzukommen.