Ängste? Ich habe keine Angst!


Angst

Matthias Platzeck

Matthias Platzeck (Photo credit: Wikipedia)

Wovor haben Sie Angst? Sie brauchen es nicht zu verraten, sondern einfach nur ein wenig in sich gehen. Keine Angst! Es tut nicht weh und kann Sie von einigen Annahmen befreien, die in Ihnen Angst auslösen. Nein, ich bin kein Psychiater oder Therapeut. Ich bin ein Coach. Ich beschäftige mich mit positiver Psychologie. Ängste sind zwar negativ besetzt, aber in den meisten Fällen nicht pathologisch. Angst vor Spinnen ist so eine Sache. Oder Flugangst. Kaum jemand würde sich ernsthaft zu einem Arzt begeben, um seine Flugangst in den Griff zu bekommen. Das ist nur eine kleine Phobie. Ein Gespräch mit einem erfahrenden psychologischen Berater kann helfen. Wer unter Flugangst leidet, ist in aller Regel nicht krank. Das ist ganz wichtig für Sie, denn sonst bräuchten Sie mindestens einen Therapeuten der ein Zertifikat als „Kleiner Heilpraktiker“ verfügt. Der darf dann auch heilen. Flugangst ist ein gutes Thema für ein Coaching, aber es ist hart an der Grenze. Hier kann ein Coach mit einem „Kleinen Heilpraktiker“ in der Tasche, durchaus die bessere Wahl sein.

Die meisten Ängste stecken tief in uns und wir haben gelernt, sie zu unterdrücken und zu verstecken. Ängste sitzen tief und sie lauern nur darauf herauszukommen. Ein souveränes Bewerbungsgespräch kann schnell kippen, wenn plötzlich eine versteckte Angst hochkommt und unsere Körperhaltung und unseren Gesichtsausdruck bestimmt. Angst und Unsicherheit werden deutlich sichtbar, gerade wenn es uns nicht bewusst ist. Und wenn es nur die versteckte Angst ist, das man uns Angst ansieht. Manch einer leidet unter Prüfungsangst. Auch das ist ein gutes Thema für ein Coaching. Prüfungsangst kann überwunden werden. Jeder, der einen guten Überblick über den Stoff hat der in der Prüfung angefragt wird, kann seine Prüfungsangst in den Griff bekommen. Natürlich ist es gemein und ungerecht, was da alles abgefragt werden könnte. Aber sehen wir es doch einmal aus einem anderen Blickwinkel. Eine Prüfung kann nicht alle Fähigkeiten einer langen und harten Ausbildung abbilden. Es ist immer nur ein kleiner Ausschnitt, der da abgefragt werden kann. Stellen Sie sich vor, ein Pilot hätte Prüfungsangst, weil er sich nicht so gut mit der Landung von Flugzeugen auskennen würde. Alles andere ist für ihn kein Problem und er ist überglücklich, weil in der Prüfung das Thema Landen keine Rolle gespielt hatte, sonst wäre er vielleicht durchgefallen. Ganz abgesehen davon, dass es sich hier um ein absurdes Beispiel handelt, wird doch deutlich dass es keine greifbaren Gründe für Prüfungsangst gibt. Und natürlich wird – ganz nebenbei – klar, das Flugangst unbegründet ist. Obwohl. Ein Freund von mir, er ist Professor an einer Elite Universität in Ann Arbor bei Detroit, erzählte mir einmal von einem Gespräch dass er mit einem Verkehrspiloten hatte. Sie unternehmen gerne Outdoor Ausflüge in die Wüste oder nach Kanada. Großstadtcowboys. Wenn sie tagelang unterwegs waren und am Abend mitten in der Wildnis am Feuer saßen, dann hatten sie sehr viel Zeit zum reden. Als der Professor einen Monolog über Flugsicherheit absolvierte, dachte der Pilot noch ein wenig nach und meinte dann, dass Statistik die eine Sache wäre. Er solle aber mal überlegen, wie unwahrscheinlich es sei, dass man überhaupt fliegen würde. „Tonnen Stahl mit beinahe 1000km pro Stunde in 10.000 Metern Höhe, bei heftigen Minustemperaturen außen und nur eine dünne Aluminiumhülle, die die Passagiere vor dem sicheren Tod schützt: Das ist doch das Unwahrscheinliche! Und die Krönung ist dass das Ganze von Computern gesteuert wird! – Nein glaube mir! Fliegen ist Wahnsinn!“ Der Pilot hatte sich richtig reingesteigert und wurde immer leidenschaftlicher in seiner Rede. Dann folgte ein Augenblick betretener Stille und dann lachten die Beiden laut los. Zwei harte Männer am Lagerfeuer zum Thema Flugangst. Ich erinnere mich jedes Mal daran, wenn ich in ein Flugzeug einsteige. Das Leben ist nicht sicher. Es ist hart, ungerecht und tödlich. Es ist wunderbar!

Reiterstandbild Marc Aurels, Kapitol, Rom

Reiterstandbild Marc Aurels, Kapitol, Rom (Photo credit: Wikipedia)

Marc Aurel, der römische Kaiser, dessen Selbstbetrachtungen ich oft zur Hand nehme, hat mehrfach über den plötzlichen Tod geschrieben. Ein Mann muss darauf vorbereitet sein, schreibt er. Er sollte jederzeit mit erhobenen Haupt in den Tod gehen können und keine Angst haben. Das war eben eine mörderische Zeit – damals. Aber wenn man es richtig überlegt, dann ist unsere Zeit vielleicht ein wenig anders, aber gefährlich ist es auch, was wir so tun. Auto fahren zum Beispiel kann sehr gefährlich sein. Unsere Angst sollte uns niemals steuern. Es gibt viel zu viele Gründe Angst zu haben. Es ist verrückt: Die meisten Menschen haben mehr Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes als vor dem Tod. Warum geht ein 50 jähriger extrem gut bezahlter und perfekt abgesicherter Manager lieber freiwillig in den Tod als für ein Jahr auf die Alm? Es ist total absurd, aber es ist nur übersteigerte Angst vor dem Versagen. Das muss nicht sein. Wo bitte liegt das Versagen eines Mannes der einen hohen Posten erreicht und ausgefüllt hatte? Ein konsequenter Rücktritt in einer solchen Situation wäre naheliegend. Es gibt viele Beispiele in denen Menschen ihr Leben völlig neu ausrichteten.

Der Ausstieg des brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck zeigt einen anderen Weg auf. Das ist ein gutes Beispiel für einen guten Abschied. Manager sollten lernen mit ihren Ängsten offen umzugehen. Da sie sich nicht mit anderen Managern darüber unterhalten können, sollten sie mit einem Coach sprechen.

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