Toolbox Coaching


In vielen Coachingausbildungen spielen Werkzeuge eine große Rolle. Ein professioneller Coach beherrscht seine Toolbox, so die allgemeine Lesart. Das stimmt teilweise, engt aber auch die Sichtweise auf Coachingprozesse ein. Wenn es so einfach wäre,  dann könnte tatsächlich jeder coachen, der einfach nur eine handvoll Tools erlernt hat. Aber so einfach funktioniert Coaching nicht. Allein die Beherrschung von Tools macht noch keinen guten Coach aus. Das merken viele euphorische Lehrgangsteilnehmer von Wochenendseminaren spätestens nach dem ersten „Coaching“. Viele sind dann enttäuscht und werfen ihr Spielzeug in die Ecke.
Vereinfachungen und Modelle dienen immer nur dem Verständnis und sind ein Ansatzpunkt für den Coachingprozess. Coaching ist ein komplexer psychologischer Prozess, ein Netzwerk voller Möglichkeiten. Ein Tool alleine führt in der Praxis nicht automatisch zum Erfolg. Der Coach selbst bringt sich immer in den Coachingprozess mit ein. Er selbst wird zum Werkzeug. Lineare Strukturen der Veränderungsarbeit sind also nicht einfach zu erkennen. Ein Coachee muss sich zuerst auf den Coach und den Prozess einlassen und selbst auch Teil der Veränderungsarbeit werden. Praktisch kann man immer wieder beobachten,  dass Klienten den Coachingprozess unterbrechen, indem sie immer wieder eigene Vorstellungen und Erfahrungen kritisch einbringen. Wir sind es gewohnt, alles zu hinterfragen. Ich kenne das Phänomen, weil ich oft in lineare Denkmuster zurückfalle. Wir können aber davon ausgehen, dass es der Coach selbst ist,  der zu einem Tool für den Coachingprozess wird. Es gibt also keine separierbare Veränderungsphase an sich. Die berühmten 7 Steps of Coaching verlaufen niemals linear und in einer zwingenden Reihenfolge ab. Es gibt keine einzelne Verãnderungsphase. Der gesamte Coachingprozess ist ein Veränderungsprozess. Der rote Faden ist nicht mehr sichtbar und das ist oft der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Der Wunsch nach klaren Abläufen und Strukturen ist durchaus verständlich. Er führt aber direkt in eine Sackgasse. Die psychologische Ausbildung und die Erfahrungen und Persönlichkeit des Coaches sind von entscheidender Bedeutung. Hierbei geht es nicht nur um die jahrelange akademische Bildung im psychologischen Umfeld,  sondern um die Summe der Erfahrunge und die ethische und menschliche Reife des Coaches. Der pure Einsatz von Tools, von denen behauptet wird, dass sie wirken, stellt kein Allheilmittel für einen Coach dar. Parallelen zu den vielfältigen Managementansätzen sind kein Zufall. Der stumpfe Einsatz einer Managementmethode führt fast nie zum Erfolg. Die meisten Coachingtools und NLP-Werkzeuge sind, für sich alleine genommen, völlig wirkungslos, wenn sie nicht richtig verwendet werden. Profis benutzen für jede Arbeit ein spezielles Werkzeug. Wer nur mit einem Hammer umgehen kann, ist noch lange kein guter Zimmermann. Ein professioneller Coach bringt sich selbst in den Prozess ein. Er bringt nicht nur eine Werkzeugkiste mit, die er dann während des Coachings eindrucksvoll einsetzt. Toolbox Coaching ist etwas für Anfänger und Auszubildende. Nichts dagegen zu sagen: Aus jedem Anfänger könnte ein Profi werden.

Coaching Tagebuch – Führungskräfte


Ein sehr effektives Coaching-Tool ist auch im Selbstcoaching sehr gut einsetzbar. Das Ergebnis kann sehr gut im Coaching besprochen werden.

 

Coaching Tagebuch

 

 

„Wie kann ich mein Anliegen besser erreichen, als bisher?“

 

Es geht um Selbstreflektion und die Identifikation von „Fehlern“ im Verhalten. Im aktuellen Fallbeispiel geht es um einen neu eingesetzten Abteilungsleiter, der lernen muss, loszulassen und sich mehr auf seine Aufgabe als Führungspersönlichkeit/Leiter einzulassen. Viele neu eingesetzte Führungskräfte kommen als Fachexperten in eine für sie ungewohnte Rolle und müssen lernen, sich von der Mitarbeiterperspektive zu lösen und die Führungsrolle anzunehmen. Das Format ist auch für erfahrene Führungskräfte geeignet, die sich verbessern wollen.

 

 

Datum, Zeit von – bis

 

Thema/beteiligte Personen

 

Wie schätze ich die Aktion ein?

Skalierung (1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 -10)

1 steht für: Ich habe als Fachexperte gehandelt und hätte auch delegieren können. 10 steht für: ich habe meine Rolle als Leiter vorbildlich ausgefüllt.

 

Was lief besser/schlechter als sonst?

 

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

 

 

Das Coaching-Tagebuch kann in Form einer Excel-Tabelle geführt werden. Es wird als Arbeitsmittel verwendet und kann am Wochenende anonymisiert und ohne Details an den Coach gesendet werden.

Nicht-Klienten in Coaching und Beratung


Beim Coaching ist es sehr wichtig, die Strategie von sogenannten “Nicht-Klienten” zu beobachten und die Strategie dieser Klienten zu entschlüsseln. Es kommt darauf an festzustellen, ob sich hinter der der möglichen Strategie das Problem selbst oder ein weiteres, noch nicht erkanntes Problem verbirgt. Wenn wir von “Nicht-Klienten” sprechen, dann geht es keinesfalls um das Herabsetzen von Klienten oder gar eine Entschuldigung des Coaches, wenn er seine Werkzeuge nicht beherrscht oder nicht die nötigen Kompetenzen mitbringt. Folgende Typen von Nicht-Klienten können grob unterschieden werden. Es gibt den Klagenden, den Besucher, den Hypochonder, den Resignierenden, den Fordernden, den Suchenden und den Strategen. Manche Psychologen und Coaches ordnen die Nicht-Klienten auch in Tieranalogien ein. Dazu später mehr.

Nicht nur in der Coachingszene wird von Nicht-Klienten gesprochen. Der berühmte Psychotherapeut Irwin D. Yalom (er hat auch mehrere sehr aufschlussreiche Romane geschrieben) spricht ganz selbstverständlich von Nicht-Klienten. Ein Coaching kann durchaus auch mit identifizierten Nicht-Klienten beginnen, wenn der Coach der Ansicht ist, dieses Verhalten thematisieren und ändern zu können. Coaching ist auch immer Veränderung von Haltungen und begrenzenden Glaubenssätzen. “Coaching braucht kein Mensch!” ist ein interessanter Ansatz.

Zurück zu den sogenannten Nicht-Klienten.

Der Klagende sucht einen Menschen, bei dem er ungestört jammern und klagen kann. Er hat immer einen guten Grund anzunehmen, dass er es ist, bei dem alles schief geht, was schief gehen kann. Andere Menschen sind böse zu ihm und niemand meint es gut mit ihm. Diese Lebenseinstellung hat sich tief in die Psyche des Klagenden eingegraben. Im Drama Dreieck ist der Klagende das Opfer. Diese Lebenseinstellung verkörpert der Klagende sehr überzeugend und professionell. Klagende zahlen gerne das Coachinghonorar um sich nach Herzenslust ausweinen zu können. Er geht, ohne dass irgendeine Veränderung passiert ist und findet das ganz normal. Irgendwie fühlt er sich erleichtert, wenn er das Coaching verlässt. Er fühlt sich bestätigt und ein wenig besser. “Es hat ja alles keinen Sinn!” Es gibt allerdings auch Klagende, die mit dem Anliegen zu einem Coach kommen, diese Lebenseinstellung zu überwinden. Das ist ein echtes Coaching-Anliegen. Der Coach ist gut beraten, wenn er geduldig abwartet, bis der Coachee soweit ist, seine negative Lebenseinstellung zu verändern.

Der Hypochonder schildert überzeugend ein schwerwiegendes Problem, das er bewältigen will. Spätestens, wenn das Problem gelöst ist, hat der Hypochonder gleich ein weiteres Problem zur Hand. Einen Hypochonder zu erkennen ist nicht ganz trivial. Es kann dauern, bis er erkennt, dass der Klient kein echtes Anliegen hat, sondern seine Probleme nur geschickt vortäuscht. Ein Hypochonder glaubt fest an seine multiplen und komplexen  Probleme. Ein Coach muss das erkennen und darauf hinweisen, dass Coaching keine Dauertherapie ist.

Besucher sind Klienten, die einfach mal ganz unverbindlich gecoacht werden wollen. Sie sind neugierig und wollen wissen, wie so ein Coaching abläuft. Hier hilft mein Querverweis auf den vieldiskutierten Coachee-Pass. Der Besucher übernimmt  im Drama Dreieck die Rolle des Verfolgers. Besucher haben in der Regel kein Problem und auch kein echtes Anliegen. Es geht ihm nur darum dem Coach nachzuweisen, dass er eigentlich gar kein Coaching braucht. Im schlimmsten Fall versucht er die Kompetenz des Coachs in Frage zu stellen. Besucher sind typische Nicht-Klienten. Ein Coaching macht keinen tieferen Sinn für sie.

Der Fordernde ist im Drama Dreieck ein Verfolger. Er versucht den Coach festzunageln und vor sich herzutreiben. Verfolger erwarten vom Coach, dass dieser für ihn an der Problemlösung arbeitet. Er ist selten bereit aktiv mitzuarbeiten. oft hat er auch gar keine Zeit für ein tiefer gehendes Gespräch. Es ist ein Fehler auch nur ansatzweise auf die Forderungen des Klienten einzugehen. Ein Coach sollte den Verfolger auf seine Haltung aufmerksam machen und gegebenfalls die Weiterführung des Coachings ablehnen. Wenn der Coach hier einknickt und  im Interesse eines scheinbar besseren Arbeitsklimas auf den Verfolger eingeht, kann er schnell die Kontrolle über das Coaching verlieren.

Der Resignierende hat durchaus ein ernstes Problem, glaubt aber ganz sicher zu wissen, dass dieses Problem nicht lösbar ist. Ein Coaching kann durchaus sinnvoll sein, wenn es dem Coach gelingt einen Resignierenden aus seiner Resignation herauszuführen.

Eine weiterer typischer Nicht-Klient ist der Suchende. Der Suchende hat hohe Ziele. Er strebt Freiheit und Anerkennung an. Er will Lösungen und Heilung von unangenehmen Dingen. Seine Ziele sind so hoch gesteckt, dass er keine Chance hat sie jemals zu erreichen. Es ist zwar gut sich hohe Ziele zu stellen und zu versuchen sich danach auszurichten, aber es muss gleichzeitig gelingen diese Ziele in sinnvolle Meilensteine zu zerlegen und Teilziele zu erreichen.

Der Stratege läßt sich aus strategischen Gründen coachen. Er will damit Anerkennung erreichen. Das schafft er mit einem Coaching, indem er seinen Kollegen zeigt, dass er sich von ihnen abhebt, weil er “seinen Coach” hat. Der Stratege hat kein echtes Anliegen und ist nicht bereit seine kostbare zeit für ein echtes Coaching zu opfern. Im Extremfall führt er seinen Coach seinen Kollegen vor und zeigt ihnen gleichzeitig dass er eigentlich kein Coaching braucht. Der Coach sollte im klarmachen, was Coaching ist und das es sich hier um kein Coaching handelt. auch hier hilft der Hinweis auf den schon angesprochenen Coachee-Pass.

Nicht-Klienten Tieranalogien

Der Frosch – Der Klagende

Die Biene – Der Hypochonder

Der Tiger – Der Fordernde

Der Elefant – Der Resignierende

Der Delphin – Der Suchende

Der Stratege – Das Chamäleon

Unechte Klienten und wie man damit umgeht


Oft stellt sich während des Coachings heraus, dass ich es mit einem unechten Klienten zu tun habe. Das ist wohl auch der Grund der mich nach einem Coaching-Pass für Klienten fragen lässt. Es macht einfach keinen Sinn, sich mit Menschen herumzuschlagen, die im Grunde kein Interesse an einem echten Coachingprozess haben. Es ist eine Tatsache, dass es sich bei den meisten Coachees zu Beginn des Prozesses um unechte Klienten handelt. Ich versuche dann in der Regel spätestens beim dritten Treffen das Coaching einvernehmlich zu beenden. Oft sind die Klienten dann enttäuscht. Sie haben sich gerade daran gewöhnt mit einem Coach zu arbeiten und plötzlich wird ihnen klar gemacht, dass sie sich bisher nicht sonderlich produktiv verhalten haben. Unechte Klienten outen sich oft durch Forderungen an den Coach. Manchmal versuchen sie auch, das Coaching-Gespräch zu unterbrechen und den Coach aus dem Konzept zu bringen. Ich weiß nicht, was sie damit bezwecken wollen. Im Grunde schaden sie nur sich selbst. Spätestens wenn sich herausstellt, dass der Klient im Grunde überhaupt keine Veränderungen anstrebt, sondern nach Selbstbestätigung strebt, ist es Zeit den Coaching-Vertrag zu beenden.

Für den erfahrenen Coach ist das kein Problem. Kollegen, die neu in dem Geschäft sind, werden bis zum bitteren Ende versuchen, den Prozess in Gang zu setzen. Das ist der falsche Weg! Ich bin für die klare Kante und spreche das auch eindeutig an. “Ich habe wahrgenommen, dass wir nicht ins Coaching kommen. Ich bitte Sie sich folgende Fragen nochmals vor Augen zu halten und für sich zu beantworten. Ich schlage Ihnen vor, das Coaching zu beenden und bin bereit zu einem späteren Zeitpunkt wieder neu zu beginnen.” Dann lege ich dem Klienten einen Arbeitspaket auf den Tisch und beobachte seine Reaktionen.
Egal wie sich meine Klienten entscheiden, ich lasse ihnen die freie Wahl und versuche nicht mich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Um es ganz klar zu sagen. “Ja! Ein Coaching ist ein Gespräch zwischen einem Coach und einem Coachee. Es ist mehr oder weniger intensiv und es ist um so effektiver, je offener und ehrlicher man miteinander umgeht.” Ein Coaching dient niemals der Selbstdarstellung von Coachee oder gar Coach. Obwohl es natürlich wichtig ist, dass der Coach sein Handwerk beherrscht. Aber um es ganz klar zu sagen. Wir nutzen regelmäßige Gespräche mit Kollegen und nutzen alles vorhandenen Möglichkeiten. Supervision und achtsames Feedback gehört dabei ebenso zu unseren Werkzeugen, wie Konfliktmanagement und Mediation. Ein Coach ist ein psychologischer Berater. Er versteht sein Handwerk, wenn er in der Lage ist zu erkennen, wann ein Coaching zuende ist. So einfach ist das.