Nicht-Klienten in Coaching und Beratung


Beim Coaching ist es sehr wichtig, die Strategie von sogenannten “Nicht-Klienten” zu beobachten und die Strategie dieser Klienten zu entschlüsseln. Es kommt darauf an festzustellen, ob sich hinter der der möglichen Strategie das Problem selbst oder ein weiteres, noch nicht erkanntes Problem verbirgt. Wenn wir von “Nicht-Klienten” sprechen, dann geht es keinesfalls um das Herabsetzen von Klienten oder gar eine Entschuldigung des Coaches, wenn er seine Werkzeuge nicht beherrscht oder nicht die nötigen Kompetenzen mitbringt. Folgende Typen von Nicht-Klienten können grob unterschieden werden. Es gibt den Klagenden, den Besucher, den Hypochonder, den Resignierenden, den Fordernden, den Suchenden und den Strategen. Manche Psychologen und Coaches ordnen die Nicht-Klienten auch in Tieranalogien ein. Dazu später mehr.

Nicht nur in der Coachingszene wird von Nicht-Klienten gesprochen. Der berühmte Psychotherapeut Irwin D. Yalom (er hat auch mehrere sehr aufschlussreiche Romane geschrieben) spricht ganz selbstverständlich von Nicht-Klienten. Ein Coaching kann durchaus auch mit identifizierten Nicht-Klienten beginnen, wenn der Coach der Ansicht ist, dieses Verhalten thematisieren und ändern zu können. Coaching ist auch immer Veränderung von Haltungen und begrenzenden Glaubenssätzen. “Coaching braucht kein Mensch!” ist ein interessanter Ansatz.

Zurück zu den sogenannten Nicht-Klienten.

Der Klagende sucht einen Menschen, bei dem er ungestört jammern und klagen kann. Er hat immer einen guten Grund anzunehmen, dass er es ist, bei dem alles schief geht, was schief gehen kann. Andere Menschen sind böse zu ihm und niemand meint es gut mit ihm. Diese Lebenseinstellung hat sich tief in die Psyche des Klagenden eingegraben. Im Drama Dreieck ist der Klagende das Opfer. Diese Lebenseinstellung verkörpert der Klagende sehr überzeugend und professionell. Klagende zahlen gerne das Coachinghonorar um sich nach Herzenslust ausweinen zu können. Er geht, ohne dass irgendeine Veränderung passiert ist und findet das ganz normal. Irgendwie fühlt er sich erleichtert, wenn er das Coaching verlässt. Er fühlt sich bestätigt und ein wenig besser. “Es hat ja alles keinen Sinn!” Es gibt allerdings auch Klagende, die mit dem Anliegen zu einem Coach kommen, diese Lebenseinstellung zu überwinden. Das ist ein echtes Coaching-Anliegen. Der Coach ist gut beraten, wenn er geduldig abwartet, bis der Coachee soweit ist, seine negative Lebenseinstellung zu verändern.

Der Hypochonder schildert überzeugend ein schwerwiegendes Problem, das er bewältigen will. Spätestens, wenn das Problem gelöst ist, hat der Hypochonder gleich ein weiteres Problem zur Hand. Einen Hypochonder zu erkennen ist nicht ganz trivial. Es kann dauern, bis er erkennt, dass der Klient kein echtes Anliegen hat, sondern seine Probleme nur geschickt vortäuscht. Ein Hypochonder glaubt fest an seine multiplen und komplexen  Probleme. Ein Coach muss das erkennen und darauf hinweisen, dass Coaching keine Dauertherapie ist.

Besucher sind Klienten, die einfach mal ganz unverbindlich gecoacht werden wollen. Sie sind neugierig und wollen wissen, wie so ein Coaching abläuft. Hier hilft mein Querverweis auf den vieldiskutierten Coachee-Pass. Der Besucher übernimmt  im Drama Dreieck die Rolle des Verfolgers. Besucher haben in der Regel kein Problem und auch kein echtes Anliegen. Es geht ihm nur darum dem Coach nachzuweisen, dass er eigentlich gar kein Coaching braucht. Im schlimmsten Fall versucht er die Kompetenz des Coachs in Frage zu stellen. Besucher sind typische Nicht-Klienten. Ein Coaching macht keinen tieferen Sinn für sie.

Der Fordernde ist im Drama Dreieck ein Verfolger. Er versucht den Coach festzunageln und vor sich herzutreiben. Verfolger erwarten vom Coach, dass dieser für ihn an der Problemlösung arbeitet. Er ist selten bereit aktiv mitzuarbeiten. oft hat er auch gar keine Zeit für ein tiefer gehendes Gespräch. Es ist ein Fehler auch nur ansatzweise auf die Forderungen des Klienten einzugehen. Ein Coach sollte den Verfolger auf seine Haltung aufmerksam machen und gegebenfalls die Weiterführung des Coachings ablehnen. Wenn der Coach hier einknickt und  im Interesse eines scheinbar besseren Arbeitsklimas auf den Verfolger eingeht, kann er schnell die Kontrolle über das Coaching verlieren.

Der Resignierende hat durchaus ein ernstes Problem, glaubt aber ganz sicher zu wissen, dass dieses Problem nicht lösbar ist. Ein Coaching kann durchaus sinnvoll sein, wenn es dem Coach gelingt einen Resignierenden aus seiner Resignation herauszuführen.

Eine weiterer typischer Nicht-Klient ist der Suchende. Der Suchende hat hohe Ziele. Er strebt Freiheit und Anerkennung an. Er will Lösungen und Heilung von unangenehmen Dingen. Seine Ziele sind so hoch gesteckt, dass er keine Chance hat sie jemals zu erreichen. Es ist zwar gut sich hohe Ziele zu stellen und zu versuchen sich danach auszurichten, aber es muss gleichzeitig gelingen diese Ziele in sinnvolle Meilensteine zu zerlegen und Teilziele zu erreichen.

Der Stratege läßt sich aus strategischen Gründen coachen. Er will damit Anerkennung erreichen. Das schafft er mit einem Coaching, indem er seinen Kollegen zeigt, dass er sich von ihnen abhebt, weil er “seinen Coach” hat. Der Stratege hat kein echtes Anliegen und ist nicht bereit seine kostbare zeit für ein echtes Coaching zu opfern. Im Extremfall führt er seinen Coach seinen Kollegen vor und zeigt ihnen gleichzeitig dass er eigentlich kein Coaching braucht. Der Coach sollte im klarmachen, was Coaching ist und das es sich hier um kein Coaching handelt. auch hier hilft der Hinweis auf den schon angesprochenen Coachee-Pass.

Nicht-Klienten Tieranalogien

Der Frosch – Der Klagende

Die Biene – Der Hypochonder

Der Tiger – Der Fordernde

Der Elefant – Der Resignierende

Der Delphin – Der Suchende

Der Stratege – Das Chamäleon

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