Coaching – Der Klient ist der Spezialist


Ein interessanter und grundlegender Aspekt beim Coaching, ist die Frage inwieweit ein Coach ein Spezialist auf dem Gebiet seines Klienten sein sollte. Auf den ersten Blick erscheint es logisch, dass der Coach wissen sollte, worum es geht, wenn ein Coachee den Raum betritt. Ein Fussballcoach sollte etwas von Fussball verstehen, um ein Team coachen zu können. Oder? Es erscheint absurd einen Coach zu engagieren, der vom Inhalt der Gespräche nichts versteht. Dabei ist ein Coach, inbesondere ein Life Coach nicht unbedingt ein Insider auf jedem denkbaren Gebiet. Es kann durchaus hilfreich sein, sich auf einem bestimmten Gebiet besonders gut auszukennen. Ich selbst werbe mit meinem unbestreitbaren IT Background. Das ist an sich nicht schlecht, weil es auf einen ganz bestimmten Kundenkreis zielt und mir ein unbestreitbares Alleinstellungsmerkmal schenkt. Auf der anderen Seite ist das aber nicht das, was ich will und kann. Als Life Coach arbeite ich viel lieber mit Menschen, die ich völlig ohne Vorurteile neu kennenlernen kann um sie dann zu coachen. Ich bin der Spezialist des Prozesses, der Klient bleibt Spezialist in seinem Leben. Es ist immer eine ganz besondere Herausforderung neue Menschen kennenzulernen und ihnen eben nicht meine Sicht der Dinge aufzudrücken.  Im NLP spricht man davon, dass man einem Klienten niemals sein eigenes Weltbild, seine eigene Landkarte aufdrücken darf. Wenn ich mit einem erfolgreichen Immobilienmakler im Rahmen eines Coachings spreche, dann darf es für mich keine Rolle spielen, mit welchem Auto er vorgefahren kommt oder wie ich persönlich zu seinem Einkommen stehe. Ich muss überhaupt nichts vom Geschäft eines erfolgreichen IT Unternehmers verstehen um ihn erfolgreich zu coachen. Was muss ich wohl vom Business des Geschäftsführers eines mittelständischen Unternehmens wissen um ein Coaching mit ihm durchzuführen?  Die Antwort ist eindeutig: Nichts! Ich gehe lieber vorurteilsfrei an ein Gespräch heran und lasse mir – ganz neugieriger und unwissender Coach – alles ganz genau erklären.  Ein guter Coach nutzt den Columbo Effekt. Er fragt einfach nach, wenn er etwas nicht verstanden hat und bringt den Coachingprozess so in eine Form. Es ist sehr aufschlussreich,  wenn ein Spezialist über sein Geschäft erzählt.  Man kann sofort erkennen, wo die versteckten Themen zu suchen sind. Oft steckt viel mehr darin, wie etwas erzählt wird und welche Themen geschickt vermieden werden. Ich persönlich bevorzuge Coachings mit Menschen, die etwas zu sagen haben. Ich lerne immer etwas Neues und erweitere meine Erfahrungen und meinen Horizont. Das ist ein besonderer Aspekt für die Arbeit als Coach. Wir sind privilegiert. Wir haben die ausgezeichnete Möglichkeit, aussergewöhnliche Menschen kennenzulernen und sie auf ihren Weg zum Erfolg zu begleiten.

Als Coach habe ich es in der Hand, respektvoll und engagiert mit Menschen umzugehen. Mein Nichtwissen – der Welt des Anderen – erlaubt es mir, die besten Fragen zu stellen um den Klienten herauszufordern, die besten Antworten zu finden.

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Ein Kommentar zu “Coaching – Der Klient ist der Spezialist

  1. Ich trainiere angehende Coaches unter anderem darin, wie sie sich erfolgreich am Markt positionieren können. Bei der Betrachtung Generalist vs. Spezialist kommt es meistens zu sehr spannenden Diskussionen 😉 Vielen Dank für diesen Beitrag, der wunderbar auf den Punkt bringt, worum es im systemischen Coaching geht!

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