Coach me – if you can!


„Na dann komm! Ich habe ein Problem. Coach mich!“ Mir fällt sofort der Untertitel dieses Blogs hier ein. COACH ME, IF YOU CAN!

Natürlich kann ich, aber was ist das Ziel dieses Coachings? Soll ich nur zeigen, was ich kann, oder ob ich ein guter Coach bin? Nein. Das wäre der falsche Ansatz. Die Frage ist tatsächlich, ob ich denke, dass ein Coaching angebracht ist. Ein Coaching kommt per Vertrag zustande. Ein Coach arbeitet nicht einfach so, ohne darauf zu achten, was dabei heraus kommen kann. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann geht es eben nicht. So einfach ist das. Wenn alles passt, kann Coaching durchaus ein sinnvolles Format sein. Einfach nur zu sagen: „Nun coach mich mal!“ funktioniert nicht.

Ein Coach ist in erster Linie ein Dienstleister. Prinzipiell kann jeder diese Dienstleistung auch irgendwie selbst erbringen. Man kann Bücher lesen oder ein Seminar über Führung,  Psychologie, Work-Live-Balance oder The Big 5 for Live oder über Neurolingustische Programmierung NLP besuchen. Prinzipiell kann jeder sich selbst coachen. Worauf es beim professionellen Coaching ankommt, ist die Zeit die man dafür benötigt um ans Ziel zu kommen. Ein Coach ist in erster Linie ein Mensch, der die notwendigen Werkzeuge beherrscht und dem man vertrauen kann. Ein Steuerberater ist dafür da in Sachen Steuern zu beraten und die Steuererklärung so schnell wie möglich und so vollständig wie nötig zu erstellen. Im Prinzip kann man das auch selbst erledigen. Aber warum soll man zu viel Zeit in so etwas investieren, wenn man das mit Geld schneller erledigen kann? Wenn man sein Haus neu einrichten will, dann kann man zum Baumarkt und zum Einrichtungsmarkt gehen und alles selber machen. Man kann aber auch einen professionellen Einrichtungsberater nutzen, der sich um alles kümmert. Wer der Meinung ist, es selbst besser erledigen zu können, der kann das gerne tun. Jemand der wirklich keine Zeit hat, fragt einen Berater.

Beim Coaching ist das ganz ähnlich. Selbermachen geht. Das nennt man Selbstcoaching. Das funktioniert mehr oder weniger gut und hängt vom individuellen Wissen des Einzelnen ab.

Ich habe eine interessante Beobachtung gemacht. Am Anfang glaubt fast jeder, dass er alles selbst erledigen kann. Nach einem erfolgreichen Coaching sieht das meistens ganz anders aus. Dann wird aus der unbewussten Inkompetenz – bewusste Inkompetenz und die Überzeugung, dass Selbermachen zu aufwändig und zu wenig zielgerichtet ist. Mit dem Coaching ist es wie mit einer guten Massage. Man kann alle möglichen Hilfmittel zur Hand nehmen um sich zu massieren, aber nichts ersetzt den professionell ausgebildeten Masseur oder Physiotherapeuten. Den Unterschied muss man einfach selbst feststellen.

Es gibt in den USA eine Reihe von Coachinglegenden, die ganze Hallen füllen. Ein persönliches Coaching bei diesen Leuchttürmen der Coachingszene kann leicht mehrere 1000 Dollar kosten. In Deutschland wächst die Coachingszene in letzter Zeit auch sehr schnell. Auch hier finden wir eine Reihe sehr erfolgreicher und bekannter Coaches.

Christopher Rauen, Sabine Asgodom, Boris Grundl, Daniel Schäfer – um nur einige Namen zu nennen.

Es gibt auch eine Reihe bekannter Persönlichkeiten, die sich eher der Mediation, Mentoring und Supervision zugehörig fühlen.  Wenn man diesen Leuten erzählen wurde, dass man das mit dem Coaching mal eben ausprobieren wolle, dann würden sie vermutlich freundlich lächeln und ein Wochenendseminar empfehlen. Thema: Coaching. Ziel: Erwerben eigener Coachingkompetenz, eine Art Coaching Pass. Darüber habe ich schon mal geschrieben und mir eine Menge Kritik geholt. Aber ich bleibe dabei: eine gewisse Grundkompetenz für ein Coaching braucht jeder. Es ist wie ein professionelles Mountainbiketraining für erfahrene Biker, die die Alpen überqueren wollen. Fahrradfahren müssen sie bereits können, sonst funktioniert das nicht. Wer in der Mathematik ANALYSIS betreiben will, muss die Grundrechenarten beherrschen und mit Brüchen umgehen können, sonst funktioniert das nicht. Genau so ist es mit dem Coaching. Ein Coachee ohne Grundkenntnisse kann mit einem ProfiCoach nicht viel anfangen. Er wird allenfalls beeindruckt sein, mehr passiert bei der ersten Begegnung möglicherweise nicht.

Das Motto dieses Bogs hier ist provokativ: “Coach me – if you can!”  – ist genau das, was viele Klienten von einem Coach erwarten. Aber darum geht es im Grunde gar nicht. Am Anfang muss geklärt werden, was Coaching ist und wie es funktioniert. Erst dann sollte man mit Coaching anfangen.

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Ein Kommentar zu “Coach me – if you can!

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