Ich suche mir einen Coach……..


“Dann suche ich mir eben einen Coach…….” Genau das ist ein Satz, den ich noch nie gehört habe. Man sucht sich eben keinen Coach, sondern vertraut auf seine eigenen Fähigkeiten um seine Probleme zu lösen, Kompetenzen zu verbessern, Ziele zu definieren und seinen Horizont zu erweitern. Oder man kauft sich Bücher oder man wird selber Coach.  All das, was auf diversen Coachingseiten angeboten wird, kann oft auch selbst erledigt werden. Das stimmt sogar. Niemand braucht einen Coach. Alles, was man schaffen will, kann man aus sich selbst heraus erreichen, wenn man es richtig anstellt. Und genau das ist ein Problem. Ich spreche oft mit Menschen, die im Beruf sehr erfolgreich sind. Sie berichten von ihren Fähigkeiten und von ihren Möglichkeiten und sie sind selbstverständlich sehr stolz auf alles, was sie erreicht haben. Diese Geschichten höre ich jeden Tag und ich weiß inzwischen ganz genau, dass irgendwann ein leises :ABER! kommt. Bei jedem erfolgreichen Menschen kommen diese Augenblicke des Zweifels und der Unsicherheit. Viele Menschen sind tief in ihrem Inneren unsicher. Aber das spielt natürlich nach Außen keine Rolle. Kein erfolgreicher Mensch darf seine Schwächen zeigen. Dieser Satz gilt, auch wenn viele behaupten, dass Fehler menschlich sind und jeder diese Schwächephasen hat. Das Dumme ist nur, dass niemand wirklich einschätzen kann, wann es zur Überschätzung und schließlich zur Überlastung kommt. Ein richtiges Burnoutsyndrom kann die Folge sein. Viel besser wäre es, wenn man rechtzeitig erkennen würde, dass man in Gefahr kommt und sich besser entlasten sollte.
Eine gute Beziehung zu einem Coach wird oft erst dann richtig gut, wenn es gelingt auch und gerade über diese versteckten Unsicherheiten sprechen zu können. Erst dann, wenn sich ein Klient seinem Coach öffnet, kann von einer vertrauensvollen Coachingbeziehung die Rede sein. Jeder, der einmal ein wichtiges Vorstellungsgespräch hatte, hat sich auf die Frage vorbereitet, was man als seine größte Schwäche halten würde und wo man Defizite sehen würde. Die Antworten sind antrainiert und zielen überwiegend darauf hin, dass die angesprochenen Schwächen eigentlich genau die Stärken sind, die man für den Job braucht. “Meine größte Schwäche ist – ungeduldig zu sein……” Natürlich ist das gut für einen Leitungsposten in der Industrie. Wenn man sagen würde, dass man manchmal sehr geduldig mit Mitarbeitern ist, weil man ja weiß wie schwer deren Job ist, dann wird man mit großer Wahrscheinlichkeit nicht als Führungspersöhnlichkeit wahrgenommen. Aber das ist ein anderes Thema. Jeder Bewerber wäre wahnsinnig naiv und logischerweise erfolglos, wenn er in einem Bewerbungsgespräch irgendwelche Zweifel und echte Fehler offen zugeben würde. Das ist nicht die Bühne für die Form von Offenheit, die man einem Psychotherapeuten, Psychologen oder einem Coach entgegenbringen muss um dort die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufzubauen. Vertrauen ist der Anfang einer erfolgreichen Beziehung. Ich hatte bereits darüber geschrieben. Es ist das Vertrauen, das keiner der genannten Berater bereits bei der ersten Sitzung erwarten kann. Allerdings habe ich die gute Erfahrung gemacht, dass sich oft bereits beim ersten Vorgespräch das Gefühl einstellen kann, dass man gut miteinander arbeiten wird.

Es sind manchmal überhaupt keine klassischen Coachingaufträge, die zu einer tiefen und nachhaltigen Coachingbeziehung führen. Manchmal sind es Menschen, die man bereits seit vielen Jahren kennt und die nicht im Traum daran denken würden, sich einem Coach anzuvertrauen, die sich plötzlich entscheiden sich zu öffnen. Kein professionell arbeitender Coach legt Wert darauf in seinem Bekanntenkreis tätig zu werden. Wenn es aber doch geschieht und es zu einem Coaching kommt, dann gibt es für den Betreffenden oft keinen anderen Ausweg. Es ist gut, wenn es zu einem Coaching kommt und ich keine Anzeichen einer psychischen Störung feststellen muss. In so einem Fall ist spätestens dann das Coaching vorbei und ich muss den potentiellen Patienten zu einem Fachmann schicken. Allerdings kann auch in solchen Fällen ein Coach als Begleiter tätig werden. Die einzige Voraussetzung ist ein gutes Vertrauensverhältnis, mehr nicht.

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