Coaching: Format BRAINSTORMING


Eigentlich sollte der Satz so aussehen:

Ein richtig gutes Coaching ist wie ein perfektes Brainstorming.

Ich habe ihn gekürzt und dadurch ein wenig prägnanter gemacht:

Ein gutes Coaching ist ein perfektes Brainstorming.

Es geht noch besser:

Coaching ist Brainstorming!

Grenzen von Raum und Zeit lösen sich auf und wir beginnen zu fliegen. Unser Geist wird frei. Teufelskreise lösen sich auf, begrenzende Glaubenssätze werden umformuliert oder komplett aufgelöst, Möglichkeiten und Ressourcen werden sichtbar, Hemmnisse und Hindernisse verschwinden. Was wäre, wenn? Was wird möglich? Warum eigentlich nicht? Brainstorming ist ursprünglich ein Gruppenprozess der es der Gruppe ermöglichen soll Probleme, durch vollkommen unkonventionelle Ideen, ohne einschränkende Vorurteile und gedankliche Verbote, zu lösen.

Ich arbeite sehr oft mit Menschen, die einen beruflichen Bruch ahnen, planen oder sich mitten im Prozess befinden. Hier gilt es vor allem, keine Zeit zu verlieren und alle verfügbaren Ressourcen auf ein Ziel zu konzentrieren. Schlecht, wenn das Ziel nur undeutlich formuliert oder -noch schlimmer- noch gar nicht vorhanden ist. Es macht keinen Sinn mit voller Kraft auf ein unbekanntes Ziel zu steuern. Die Gefahr auf eine Klippe zu rasen und zu sinken ist zu groß. Eine Sandbank ist auch nicht gerade eine hilfreiche Etappe um ein Ziel zu erreichen. (MOSAIK von HANNES HEGEN: Die Nacht auf der Sandbank) Aber spätestens auf einer Sandbank, wenn sich ein Schiff festgefahren hat, wird klar, dass man sich von überflüssigem Ballast befreien muss.
Zurück zum Coaching als Brainstorming-Prozess. Ein Coach kann zum Beispiel auch Gruppenprozesse begleiten. Coaching als Brainstorming ist aber auch ein Format, das sich sehr gut für ein Einzelcoaching eignet.

 

Das Setting: Coach und Coachee in einem typischen Coaching-Raum. Angenehme Farben, ruhige Atmosphäre, eine Karaffe mit frischem Wasser auf dem Tisch, Coach und Coachee sitzen sich auf Stühlen gegenüber. Der Coach hat einen kleinen Beitisch neben sich zu stehen und er schreibt Notizen. Möglich ist auch eine Kamera die die Sitzung aufnimmt. Der Coach hat die Möglichkeit die Sitzung im Anschluss besser zu analysieren und auch scheinbare Kleinigkeiten entsprechend zu beurteilen. Vor dem Coaching fragt der Coach immer um Erlaubnis bestimmte Dinge zu tun, aufzuzeichnen und in der Klientenakte zu speichern.

Nach Begrüßung, freundlichem SmallTalk und der Klärung der heutigen Ziele erklärt der Coach den Inhalt und die Funktion des Formats. Er erklärt dem Klienten, dass es heute keine Rolle spielt, ob der Klient daran glaubt bestimmte Ziele erreichen zu können. Heute geht einfach um Ziele und Wünsche. Es geht darum mehr über den Klienten herauszufinden und gleichzeitig dem Klienten seine eigenen Wünsche, Ziele und auch Hemmnisse und Ängste zu spiegeln.
Der Coach stellt dem Coachee eine Reihe von Fragen:

“Stellen Sie sich vor, dass Sie über Möglichkeiten verfügen, über die Sie heute noch nicht verfügen. Was wäre Ihr wirkliches Ziel? Was würden Sie gerne erreichen?”

Der Klient fängt zu reden an, der Coach hört aufmerksam und aktiv zu und notiert sich alle Ideen des Klienten. Es kommt darauf an mögliche Grenzen wie “aber das ist unmöglich! zu erkennen und wenn möglich niederzureißen.
Am Ende sollte klar sein, was die tatsächlichen Ziele und Beweggründe des Coachees sind.

 

“Ich wäre so gerne Arzt geworden! (Aber das schaffe ich schon auf Grund meines Alters nicht mehr……)


Das kann der Beginn eines Coaching-Prozesses sein. Brainstorming als Coaching-Format ist ein guter Einstieg. Das kann sehr gut als Selbstcoaching angewendet werden. Die Begleitung durch einen Coach ist aber die effektivere Variante. Nicht vergessen: Mit Coaching geht alles viel zielgerichteter und viel schneller.

Wie komme ich weiter?


Eine der grundlegenden Fragen, die wir uns regelmäßig stellen sollten, ist die Frage nach unseren Zielen und die Suche nach geeigneten Personen, die uns weiterbringen können. John Bowlby, der Vater der Bindungstheorie schrieb:

Selbstsicherheit ist die Fähigkeit, vertrauensvoll auf andere zu bauen, wenn es die Gelegenheit erfordert, und zu wissen, auf wen zu bauen angemessen und richtig ist. (John Bowlby)

Es wird sofort deutlich, worum es hier geht. Ohne eine stützende Bezugsperson sind wir verloren. Zumindest wird unser Entwicklungsprozess empfindlich gestört, wenn wir über keine geeigneten Mentoren verfügen. Am Beginn unseres Lebens ist es die Bindung zu Mutter und Vater. Sie geben uns die sichere Plattform von der aus wir ungestört die Welt und uns selbst erkunden können. Wer in seiner Kindheit keine sichere Bindung aufbauen konnte, hat ein schwerwiegendes Problem. In diesen Fällen ist er sehr wahrscheinlich, dass die Fähigkeit “vertrauensvoll auf andere zu bauen” und zu erkennen, auf wen wir bauen können, gestört ist. Das ist ein fundamentaler Punkt, der unbedingt thematisiert werden muss.

In meiner Praxis als Unternehmensberater bin ich sehr oft auf angehende Unternehmer oder angestellte Geschäftsführer gestoßen, die ihre Selbstsicherheit offensiv zur Schau tragen, innerlich aber genau an dieser Stelle große Probleme haben. Und genau hier setzt ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis von Coach und Coachee an. Ich verstehe mich in jeder Situation als Coach und teile das meinen Klienten auch mit. Es geht mir in erster Linie darum Ressourcen meiner Klienten zu entdecken. Wenn es um die Frage von wirklicher Selbstsicherheit geht, dann stellt sich die Frage nach einer sicheren Bindung in der Kindheit. Wenn es an diesem Punkt Unsicherheiten gibt, dann kann das zu einem schwerwiegenden Hindernis werden.

Eine Führungspersönlichkeit braucht einen sicheren Instinkt für Talente und einen Sinn für die Personen, denen man vertrauen kann.

Vor allem muss sie selbst über ein hohes Maß an Integrität und Vertrauen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern verfügen.
Wenn es in der frühen Kindheit Probleme mit dem Bindungsverhalten gab, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Entwicklungsstörung sehr hoch. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir diese Last unser Leben lang mit uns herumtragen müssen. Vielen Menschen gelingt es, dieses Defizit im Lauf der Biografie auszugleichen. Wichtig ist nur, dass man erkennt, warum bestimmte Probleme aufgetaucht sind und ob wir sie inzwischen erfolgreich erledigt haben.
Eine überfürsorgliche Mutter ist eine fast so große Gefahr für ihre Kinder, wie eine gleichgültige Mutter, der ihre Kinder vollkommen egal sind.
Ich schreibe hier eigentlich über Coaching. Aber dieses Thema geht darüber hinaus.

An dieser Stelle verlassen wir den sicheren Coaching-Raum und begeben uns ganz langsam in Richtung Psychosoziale Diagnose.