Der Chef als Coach


Es gibt Dinge im Zusammenhang mit Coaching, über die man sich streiten kann. Die Frage, ob eine Führungskraft seine Mitarbeiter coachen sollte, würde ich verneinen. Ein Coach ist eine professionelle Vertrauensperson. Der Chef hat andere Aufgaben. Er ist ein Manager, der Unternehmensinteressen durchsetzen muss. Die Rollen passen einfach nicht zusammen. Es dürfte kaum einen Mitarbeiter geben, der seinen Vorgesetzten als Coach akzeptieren würde. Der Chef als Mentor ist möglich. Aber das ist dann kein Coaching mehr. Ich denke, dass Unternehmen eine Coachingkultur brauchen. Denkbar wäre der Einsatz von externen Coachs. Aber diese Idee wird wohl an finanziellen Grenzen scheitern, solange der Nutzen nicht von allen Beteiligten erkannt wird. Es hängt von den Prioritäten ab, die es zu beachten gilt. Längerfristige Engagements sind eine gute Grundlage für nachhaltige Entwicklungsprozesse. Solange es um kurzfristige Steigerungen des Unternehmenswerts und pure Zahlen geht, wird man nicht zusätzliche Kostenstellen etablieren. Also lässt man lieber Personalabteilungen oder Führungskräfte coachen. Es klingt moderner als das gute alte Management und es ist sogar hilfreich, wenn Manager sich mit Psychologie, Persönlichkeitsentwicklung, Teambuilding etc. beschäftigen. Aber es genügt definitiv nicht, ein paar Tricks oder Werkzeuge zu erlernen um ein guter Coach zu sein.

A fool with a tool is still a fool,

sagt eine Managementregel.

Dasselbe gilt auch für einen Coach.

Eine gute Beziehung im Coaching muss vollkommen unabhängig von der Position des Coachs in der Unternehmenshierarchie gestaltet werden. Ein externer Coach wird selbstverständlich auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung oder gar der Konzernführung arbeiten müssen. Aber es wird hier sehr deutlich, dass es sich bei einem Coach um eine Persönlichkeit handeln muss, die in der Lage ist völlig unabhängig zu agieren.

Das ist keine leichte Aufgabe. Es liegt auf der Hand, dass ein Coach an Nachfolgeaufträgen interessiert ist.

Ich bin stolz darauf, selbst in schwierigen Situationen meine Unabhängigkeit gewahrt zu haben. Ich habe bisher immer einen sauberen Abschied aus einer Coachingbeziehung oder einem Auftrag gefunden. Es ist eine wunderbare Erfahrung, dass man sich auch einfach verabschieden kann, wenn es an der Zeit ist. Viele abhängig Angestellte wünschen es sich, so handeln zu können.

Ein Chef als Coach, kann sich nicht einfach aus der Coachingbeziehung verabschieden. Und genau das ist der Grund, warum Chefs nicht coachen sollten.

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