Perspektivwechsel und Ängste


Perspektivwechsel und Ängste

Ich verstehe Menschen, die Angst vor sozialem Abstieg haben. Ein ehemaliger Bankdirektor (57) ist seit vier Jahren arbeitslos. Ein böses Wort, aber ich will es nicht umschreiben. Fakt ist, dass er eine gute Abfindung und eine Übergangszeit bekommen hatte. Der Bankdirektor ist seit 5 Jahren Zuhause und seine Ehefrau fährt jeden Tag zur Arbeit. Es liegt auf der Hand, dass der Ex-Bankdirektor nie wieder als Bankdirektor arbeiten wird.
Ich habe den Mann in einer Coaching-Beratung kennengelernt. Natürlich hatte ich sofort ein paar Ideen. Aber ich blieb ruhig und schwieg. Das Coaching Thema ist Angst vor Veränderung, Angst allgemein. Der Mann kann nur gewinnen, wenn er irgendetwas macht. Er kann jederzeit wieder aussteigen aber er sollte etwas tun. Sein Erfahrungshorizont als Führungskraft ist vorhanden und er versteht wirklich etwas von Bankgeschäften. Einen Job als Bankdirektor bekommt er im Leben nicht mehr. Das ist so ein Vorurteil von mir. Schuldig! Ich gebe es zu.
Der Banker wird ein Coaching bei uns absolvieren und ich habe eine Idee, wer sein Coach sein wird. „Machen wir ein Probecoaching?“, fragte der Mann, „ich würde gerne wissen wie das bei Ihnen abläuft und ob der Coach zu mir passt.“ Die Frage nach Probecoachings kenne ich sehr genau. Ein Kurzzeitcoaching kann bereits eine Menge bewegen. Wenn ich meine Coachs zu Probecoachings einladen müsste, dann wäre das für uns ein erheblicher Kostenfaktor. Die Leute haben keine Ahnung. Sie denken nicht darüber nach, was sie da verlangen. Aber bitte: Wenn sie das Probecoaching pauschal bezahlen, dann machen wir das natürlich gerne. Ich verstehe das ganze Hickhack sowieso nicht. Wir arbeiten mit den besten Coaches, die wir bekommen können. Zudem ist das Coaching für diesen Klienten völlig kostenlos. Er bekommt sehr viel angeboten zum Nulltarif. So günstig kann Coaching sein! Das ist den Leuten nicht klar. Im Gegenteil: Sie stellen Forderungen. Sie wissen genau, dass unser Geschäftsmodell auch auf dieser individuellen Förderung beruht. Ein Dilemma: Ich muss den Leuten Coaching erklären, sie werben und auch noch dafür sorgen, dass sie tatsächlich aktiv mitarbeiten. Das ist nicht immer ganz einfach. Manchmal müssen wir das Coaching abbrechen. Es gibt Klienten, die sind definitiv nicht coachbar. 

Dieser Mann ist nicht beratungsresistent. Er weiß im Grunde sehr genau, wohin die Reise gehen wird. Der Coach wird ihn begleiten und ihm Türen öffnen, durch die er auch gehen möchte.

Was sind seine Fähigkeiten und Stärken? Was sind seine Wünsche? Was sind seine Ziele? Wer will er sein?

Ich bin mir sicher, dass er all das herausfinden wird. Sein Status als ehemaliger Bankdirektor wird ihm für immer erhalten bleiben. Aber alles was er von heute an tun wird, wird zu seinem Leben dazu gehören. Ich bin mir sicher, dass seine Ehefrau ebenfalls sehr glücklich sein wird, wenn dieser Mann wieder eine Aufgabe übernimmt, die ihn ausfüllt und erfüllt. Wie wäre es mit einer neuen Berufung? Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird.
In fünf Jahren wird er sich fragen, warum er in Rente gehen sollte und in zehn Jahren wird er immer noch seiner neuen Berufung nachgehen. Er weiß es nur noch nicht. Aber er wird sich ein besseres Leben aufbauen. Ich bin mir ganz sicher. Aber zuerst wird er sich seinen Ängsten stellen. Das ist der erste Schritt.

 

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