Angst ist Illusion


Warum haben wir Angst?

Als kleiner Junge hatte ich panische Angst vor Hunden. Ich kannte keine Hunde. Sie waren mir fremd. Wir lebten in einem modernen Plattenbau und es gab da keine Hunde. Eines Tages besuchten wir Bekannte in einem Einfamilienhaus. Mein Vater öffnete die Tür zum Grundstück und wir gingen auf das Haus zu. Plötzlich kam ein Hund um die Ecke gelaufen und bellte uns an. Ich nahm meine Beine in die Hand, rannte zum Ausgang, öffnete das Tor, sprang auf den Bürgersteig und schloss das Tor. Ich war kein besonders sportlicher Junge, aber an diesem Tag hatte ich vermutlich alle Rekorde im Sprint gebrochen. Panische Reaktion. Adrenalin pur. Angst. Heute bin ich nicht mehr so panisch, was Hunde angeht. Es sei denn mir begegnet ein Bullterrier oder so etwas. Vor diesen Hunden habe ich Angst, weil sie so unglaublich hässlich und blöd aussehen. Das sagt vermutlich etwas über mich. Aber es liegt auf der Hand woher die Angst kommt. Es ist immer das Unbekannte und Andere, das uns ängstigt.
Es geht nicht immer um unbekannte Menschen. Oft merken wir, dass wir Panik bekommen, wenn wir in einer fremden Umgebung sind. Das, was an unseren vertrauten Orten gut funktioniert, die Fahrt mit der S-Bahn oder die Fahrt zur Arbeit, oder die Arbeit an sich, funktioniert an unbekannten Orten plötzlich überhaupt nicht mehr.

Wenn Du jetzt sagst, dass du keine Probleme in einer fremden Stadt hast, dann glaube ich das erstmal. Gratulation! Du bist ein Held! Um das mal klarzustellen: Ich habe keine Panik in einer fremden Stadt oder Angst. Aber das habe ich beobachtet: Ich brauche mehr Zeit um mich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu bewegen. Ich brauche Überblick und ich muss ein Gefühl dafür bekommen. Dann werde ich cool und sicher. Das meine ich. Was ist das Gegenteil von cool und sicher? Genau: es wird heiß und ich fühle mich unsicher, bewusste Inkompetenz, ein wichtiger Teil der Lernprozesses. Wenn ich mir jetzt sage, dass ich falsch handele und eigentlich cool sein sollte, dann befeuere ich unterbewusste Ängste. Völlig klar, wie der Mechanismus funktioniert. Aber es gibt eine gute Lösung für dieses Problem. Die bewusste Inkompetenz muss durch einen Lernprozess in bewusste Kompetenz ersetzt werden. Das bedeutet üben und verbessern, variieren und natürlich viel lernen. Wenn ich dann irgendwann meine bewusste Kompetenz erworben habe, weichen Unsicherheit und Ängste und es folgt die Phase der unbewussten Kompetenz.

Ich gehe am Hauptbahnhof einer – nun nicht mehr fremden – Stadt zielstrebig zur Tramhaltestelle, ziehe mir ein Ticket für 2,80 EURO und fahre mit der Linie XY in eine definierte Richtung und steige an der richtigen Station wieder aus. Wenn ich das ein paar Mal gemacht habe, dann geht das komplett automatisch. Unsicherheit ist weg und von unterdrückten Ängsten keine Spur. Ja, ich habe verstanden. Der Lernprozess muss vollständig abgeschlossen sein um den Status der “Unbewussten Kompetenz” zu erreichen. Es ist ein ganz einfacher Lernprozess. Mehr ist das nicht.

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3 Kommentare zu “Angst ist Illusion

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