im Plattenladen


im Plattenladen /http://record-shops.org/shops/berlin/friedrichshain/music-heaven/

 

Es gibt sie wieder, die herrlichen Läden in denen man nach Herzenslust in alten LP’s herumwühlen kann. Das ist für mich wie eine Reise in eine unbekannte Welt. Ab und zu stoße ich auf eine bemerkenswerte Platte, die ich schon besitze und dann wieder auf einen kleinen Schatz, den ich schon immer mal hören wollte. Gestern war ich abends in Friedrichshain unterwegs. Ich musste etwas Zeit vertrödeln und lief die Simon-Dach-Straße herunter in Richtung Ostkreuz, glaube ich. Überall junge und hippe Lokale. Sehr junge Menschen kreuzten meinen Weg, oder saßen in den kleinen Kneipen und Restaurants. Ich kam mir vor, wie ein Reisender in einer fremden Stadt. Das wäre wohl eher etwas für meine Tochter. Ich spüre den Unterschied, die Kluft, die mein Leben von dem allen hier trennt. Ich bin verständnisvoll und aufmerksam. Aber das hier ist was anderes.  Dann kam ich an dem Plattenladen vorbei. Ich schaute kurz durch die Fensterscheiben. Es war kurz vor 19:00 Uhr. Ein junger Mann mit spanischem Akzent sprach mich an und lud mich ein, den Laden zu betreten. Ich war natürlich sofort bereit und schaute mich um. Wie gesagt; Eine Reise in einer andere Welt. Ganz unbekannt war mir diese Welt nicht. Es war die Welt der Musik auf Vinyl. Schallplatten hatten mein halbes Leben begleitet. Ich hatte sie besessen und ich hatte Freunde, die tolle Platten von Udo Lindenberg, David Bowie und Led Zeppelin besaßen. Ich kopierte die Platten auf Band und legte in der Schule in der DISCO auf. Schwupp! War ich wieder in meiner Jugend und erinnerte mich an alles. Ich erinnerte mich an Lu und den Club am Tierpark, an die Rockkneipe in Schöneiche und nächtliches Nacktbaden am Müggelsee, Tage und Nächte in Lichtenberg. Ich erinnerte mich an die S-Bahn-Fahrten in Richtung Pankow. Man konnte die Mauer in all ihrer Häßlichkeit sehen. Wir lebten im Osten und hörten natürlich Westradio. All die Schätze, die ich damals nicht kaufen konnte, kann ich nun hier finden. Auch einige AMIGA Schätze und sogar ungarische LPs mit OMEGA, PIRAMIS, LOCOMOTIV GT entecke ich. Ich blättere mich durch die Musikstile und fühle mich einfach wunderbar. Für einen Augenblick, der die Ewigkeit bedeuten kann, spüre ich, dass ich richtig bin. Ich fühle mich frei und bin sehr zufrieden mit allem; ich lebe im Hier und Jetzt. Ich kaufe eine Compilation mit MOTOWN-Music auf der auch Papa was a Rolling Stone von den Temtations drauf ist. Da kann ich nichts falsch machen! Am späteren Abend dreht sich die schwarze Scheibe auf dem besten Schallplattenspieler den ich jemals besessen habe und das Knistern der Zwischenrillen verbreitet Lagerfeuerromantik. Es geht mir richtig gut und nun weiß ich wieder, wie ich mich ganz gezielt in diesen Zustand versetzen kann.

Womit wir wieder beim Coaching sind:

Was machen Sie, wenn es Ihnen sehr gut gehen soll?