Rollenspiele


Rollenspiele

Nein, nicht das was Sie jetzt denken. Es geht immer noch um Coaching. Rollenspiele eignen sich nicht nur für das Aufrechterhalten von Beziehungen. Ich gehe davon aus, dass es uns bewusst sein muss, dass wir jederzeit eine Rolle spielen. Jeder von uns. Immer.
Ein Geistlicher hat einmal gesagt: “Nur in meiner Badewanne bin ich privat. Sonst nie.” Klar, er musste ganz alleine sein, um er selbst zu sein. Wir spielen immer eine Rolle. Es muss uns nur bewusst sein.
Bruce Willis spricht in RED Chinesisch und seine Begleiterin fragt ihn, ob er chinesisch spricht. Er nickt. Der Schauspieler spielt eine Rolle. Der Mensch lügt. Ich weiß nicht ob Bruce Willis tatsächlich Chinesisch sprechen kann. Eher nicht. Aber es ist egal. Der Schauspieler lügt, die Figur spricht die Wahrheit.

So, jetzt haben wir die Szene.

Der Schauspieler sind Sie. Sie spielen eine Rolle: Ärztlicher Direktor. Jeder erwartet von Ihnen absolute Kompetenz und Sie sind auf jeden Fall der amtierende Halbgott in Weiß. Sie dürfen in Ihrer Rolle keine Fehler machen. Das generiert jede Menge Stress.
Wir haben ein Coaching vereinbart. Sie dürfen ganz Sie selbst sein. Und sie dürfen Ihre Rolle mit mir üben. So viel Feedback hatten Sie noch nie. Es kommt ganz auf Sie an, wie intensiv das Erlebnis wird.
Worum geht es? Was wollen wir erreichen? Was bringt das alles?
Es geht um mentale Entspannung. Sie müssen keine Rolle spielen und können tatsächlich Sie selbst sein. Sie dürfen mir alles erzählen, was Sie wollen. Ich bin nur ein neutraler Gesprächspartner. Ich agiere neutral und urteilsfrei. Ich massiere Ihre Seele ein wenig. Ich bin kein Therapeut. Sie sind ja nicht krank, also sind Sie genau richtig bei mir. Sie sind ein Coachee, ein Klient, eine Klientin, kein Patient.

Wir beide wissen doch ganz genau, dass nicht alle Erwartungen an unsere professionelle Rolle realistisch und erfüllbar sind. Wir wissen das. Die Anderen wissen es auch. Aber es fühlt sich besser an, wenn man noch an Vorbilder glauben kann. Das ist Ihre Rolle.

Ich habe früher oft nicht zwischen meiner Rolle als Mitarbeiter, Chef, Leiter oder Berater und meinem wirklichen echten Selbst unterscheiden können. Ich war viel zu offen und zu ehrlich. Ja, ich war naiv. Das ist ja per se nichts Schlechtes. Aber es kann durchaus hinderlich sein, wenn man das Eine nicht vom Anderen unterscheiden kann oder nicht konsequent unterscheiden lernt.

Wenn mich jemand fragt, ob ich einen Auftrag ausgeführt habe, dann ist es gut, wenn ich diese Frage mit einem ehrlichen JA! beantworten kann. Manchmal ist das aber nicht ganz einfach. Antworten wie: “Noch nicht.” – ”Gleich. Morgen.” – “ Wir haben da noch ein Problem zu klären.” – gelten als NEIN! Wir schlüpfen jetzt in die Rolle eines harten Geschäftspartners und antworten “Natürlich! Ich sende Ihnen gleich morgen den ausführlichen Bericht!” Als Mensch haben Sie vielleicht gelogen. Aber die Rolle verlangt das und der Geschäftspartner will auch nichts anderes hören.
Nur wenn der Auftrag nicht ausführbar ist oder das Projekt nicht im Rahmen bleibt, dann muss die Sache rechtzeitig eskaliert werden. Dann wäre ein Ja! unter gar keinen Umständen akzeptierbar. Aber das wäre auch viel zu spät. Timing ist ein wichtiger Aspekt.

Ich bin grade in Sachen Vertrieb unterwegs. Auch hier spiele ich eine Rolle. Ich trete als neutraler Gesprächspartner auf, der an der Qualität der Produkte und Dienstleistungen arbeitet und das direkte Gespräch mit Kunden pflegt. Ich verkaufe nicht. Das kommt später von ganz alleine. Das ist ein sensibler Job. Ich baue meine Kontakte und das Vertrauen in mich und das Unternehmen für das ich arbeite auf. Das ist mehr wert als kurzfristige Aufträge.
Auf der anderen Seite stehen meine Auftraggeber. Sie sind sensibel und werden schnell nervös. Ich kenne mich in dem Bereich in dem ich unterwegs bin aus. Hier kann und darf man nicht mit der Brechstange in der Hand kommen. Ich spiele eine Rolle. Mein Vorstand steht hinter mir und ich schenke meinen Kunden jede Menge Vertrauen und Zeit. Ich spiele eine Rolle. Genau wie Sie. Der Erfolg hängt ganz davon ab, wie gut wir unsere Rolle spielen.

SEIN oder NICHTSEIN!

klar doch: Shakespeare. Aber da steckt was drin.

 

Jetzt mal ganz laut und deutlich, meinetwegen in der Badewanne:

SEIN! – oder Nicht SEIN! Das ist hier die FRAGE!

Lassen Sie es einfach raus. OK?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s