Das Gefühl im falschen Film zu sein


Kennst Du das Gefühl, im falschen Film zu sein? Du bist dir selbst fremd und alles was du denkst und tust, fühlt sich irgendwie verkehrt an. Woran liegt das? Wer ist verantwortlich dafür? Was kann man tun um das Rätsel aufzulösen?

Ich hatte dieses Gefühl viele Jahre tief in mir. Ich kam mir wie ein Fremder in meinem eigenen Leben vor. Ich war nur ein Beobachter. Ich blieb in der zweiten Reihe und ließ andere machen. Die anderen machten es natürlich nie so gut, wie ich es hätte machen können, wenn ich nur gewollt hätte. Aber ich wollte nicht und ich hatte auch kein Ziel. Ich wollte eigentlich nur beobachten und mir eine Meinung bilden. Ich wäre gerne in verschiedene Rollen geschlüpft. Schriftsteller wollte ich ohnehin immer werden. Das wäre eine Erklärung. Vielleicht wäre Schauspieler etwas gewesen. Aber ich denke nicht, dass irgendjemand mein Gesicht unbedingt im Fernsehen oder auf der Kinoleinwand sehen will.
Ich wurde zu meinem eigenen Beobachter und fragte mich, ob mir der Kerl da gefallen würde, wenn ich ihm als Kollegen, Mitschüler, Passanten begegnet wäre. Oft gefällt er mir überhaupt nicht. Er ist viel zu ruhig und zurückhaltend, allzu oft zu bequem, fast faul. Er sollte konsequenter und klarer sein, zielstrebiger; sowieso.
Und während ich diesen Fremden, der eigentlich ich selbst war, betrachtete und mir Verbesserungen für ihn ausdachte, wurde mir klar, dass es genau diesen Perspektivwechsel braucht um den richtigen Weg zu finden, den man bis zum Ende gehen will. Ich stellte den “Fremden” in eine Reihe mit beliebigen Persönlichkeiten, Politikern, Gläubigen und Ungläubigen, Ärzten, Musikern, Dichtern, Ingenieuren, Forschern und Abenteurern, Extremsportlern und Philosophen. Ich stellte ihn da hin und beobachtete, wie er sich verhalten würde. Wie fühlte er? Wie fühlte es sich für ihn an? Welche Kraft entfaltete dieser Mensch in der jeweiligen Rolle? Was passte gut und was passte besser zu ihm?

 

Wie ist das mit dir? Erzähle mal. Hast du alles erreicht, was du wolltest? Hast du deine Ziele gut formuliert und bist dann planvoll in die richtige Richtung marschiert? Oder hattest du irgendwann mittendrin das Interesse verloren und etwas anderes angefangen?

Ich denke, dass es vielen Menschen so geht: Sie wissen nicht was sie wollen, wo sie hingehören und was sie eigentlich einmal erreichen möchten. Die Zeiten heute sind nicht gerade dazu geeignet, langfristige Ziele zu verfolgen. Wer weiß schon, was in zehn Jahren sein wird? Welche Jobs werden dann von Robotern ausgeübt werden? Wo bleibt der Mensch? Nie war es schwieriger sich auf eine mögliche Zukunft vorzubereiten, so scheint es. Aber in jedem Menschen steckt diese Sehnsucht und diese Gewissheit, wer man wirklich ist, wer man sein kann und das Wissen, wie man dorthin kommt.
Da gibt es diesen Schriftsteller, der viele Jahre an einem Stoff gearbeitet hatte und selbst kaum an den Erfolg dachte. An den kommerziellen Durchbruch glaubte er schon gar nicht. Aber er machte weiter, weil das was er machte ihm Freude und innere Befriedigung schenkte. Er wurde immer besser und lebte in seinen Figuren. Er veröffentlichte seinen ersten Roman und der lag wie Blei in den Regalen. Erfolg sah anders aus. Aber dann kam ihm der Zufall, der Zeitgeist, was auch immer zur Hilfe und ein Drehbuchschreiber fand in seinen Kriminalromanen  das Ambiente, die Figuren und das Zeitkolorit, das er lange gesucht hatte. Der Roman wurde verfilmt und war in aller Munde. Plötzlich hatte sich all die Mühe gelohnt, die für ihn gar keine Mühe gewesen war, sondern Gewissheit und Berufung.

Ich will dir keinen Ratschlag geben, mein Freund, meine Freundin. Nur das: Mache genau das, was du gerne machst und worin du wirklich gut sein kannst. Sei fleißig und beharrlich. Dann wirst du es schaffen genau der Mensch zu sein, der in dir steckt. Du wirst nie wieder denken, im falschen Film zu sitzen, die falsche Bahn oder eine falsche Abfahrt auf der Autobahn genommen zu haben.

Und noch etwas: Du bist am besten, wenn Dir das, was du machst Spaß macht. Das muss sich nicht unbedingt wie Arbeit anfühlen. Mark Twain hat mal so etwas erwähnt, wenn ich mich richtig erinnere.