Tag der Deutschen – 2018


Tag der Deutschen Einheit 2018

Vor bald 29 Jahren ist die Mauer gefallen und wir begehen den 28ten Tag der Deutschen Einheit. 1990 hatte die frei gewählte Volkskammer der DDR den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Gregor Gysi brachte es damals auf den Punkt: „Das Parlament hat soeben nicht mehr und nicht weniger als den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober 1990 beschlossen.“
Die DDR war bereits mit dem Mauerfall erledigt. Den Rest gab ihr die Einführung der harten D-Mark. Die Wirtschaft hatte ihre Absatzmärkte im Osten auf einem Schlag verloren und war im Westen nicht ansatzweise konkurrenzfähig. Da wo sie es war, wurde sie sehr schnell durch die Treuhandanstalt abgewickelt. Vor 29 Jahren wurden ¾ aller Beschäftigten in den jungen Neuen Bundesländern fast auf einen Schlag arbeitslos. Der Westen kam mit Arbeitsamt, riesigen Transferleistungen und westlichen Wirtschaftsunternehmen, die bereitwillig die verlängerte Werkbank aufnahmen um ihre Kapazitäten kurzfristig zu erhöhen. Viele der kurzfristig geplanten Engagements dauerten etwas länger. Sehr viele davon sind längst Geschichte. Der Osten ist abgehängt. Aber der Osten hat die alte Bundesrepublik vielleicht nachhaltiger verändert, als es die 68er jemals vermochten. Kaum jemand stellt heute den Sinn von Kitas und Ganztagsschulen in Frage. Das war 1990 ganz anders. Viele Menschen sind seitdem aus dem Gebiet der exDDR ausgewandert und längst in den Wirtschaftszentren der westlichen Bundesländer angekommen. Der Osten ist heute immerhin die stärkste Wirtschaftsregion, wenn man von den alten RGW-Staaten ausgeht. Es hätte auch alles ganz anders laufen können. Die exDDR als Wirtschaftswunderland, eine Art Experimentierfeld für die Wirtschaft, eine Sonderwirtschaftszone. Das hätte vermutlich sogar funktionieren können, wenn man Hans-Werner Sinn, dem ehemaligen Präsidenten des Ifo Institut für Wirtschaftsforschung Glauben schenkt.
Ich habe bisher noch nicht über Links oder Mitte oder Rechts gesprochen. Viele, die in der DDR aufgewachsen sind, sahen sich links obwohl sie sehr staatsnah und konservativ aufgewachsen waren. Wenn man es mit anderen Augen betrachtet, waren sie alles andere als Links. Liberale galten als konservativ und echte Rechte gab es wohl auch noch. Schubladendenken bringt uns nicht weiter. Protestwahlen auch nicht. Heute geht es darum die Einheit zu vollenden und nicht mehr in Kategorien wie Ost und West zu denken. Meine Cousine, die in den 1980er in den Westen abgehauen ist, traut sich heute noch nicht öffentlich zu erwähnen, dass sie aus dem Osten kommt. Was soll denn das? Ich kann es nicht glauben. Packen wir doch endlich die Zukunft an und schauen, wir wie wir sie gemeinsam gestalten können. Wer Ostdeutsche heute immer noch als schlechtere Arbeitnehmer wahrnimmt, sollte seine Wahrnehmung korrigieren. Denn das ist so ein Unfug. Viele miese Manager verstecken sich hinter derartigen Klischees und verbergen ihre eigene Unfähigkeit. Ja. So etwas gibt es tatsächlich immer noch. Wenn man keine anderen Argumente mehr hat, dann greift man tief in die Vorurteilskiste. Das war mit den ersten Fremdarbeitern so, später mit den Ossis und schließlich mit den Migranten. Worauf es heute ankommt ist die Erkenntnis, dass wir immer wieder neu planen und aufbauen müssen. Deutschland ist eines der am besten aufgestellten Länder der Welt. Man bewundert uns und möchte gerne so sein wie wir. Und dabei haben wir noch so viel zu tun. Digitale Infrastruktur, Bildungssystem, Förderung von innovativen Unternehmen statt Förderung von kontraproduktiven Sozialtransfers. Energiewende aber richtig: Eine Perspektive der Wasserstoffindustrie. Warum Stromleitungen in den Süden legen, wenn man einfach Wasserstoff produzieren und verteilen kann? Das sind die Themen der Zukunft und nicht eine vielleicht falsch wahrgenommene Entscheidung der Bundesregierung aus dem Jahr 2015. Das war nicht Frau Merkel allein, die das beschlossen hatte. Heute gehen die Menschen in Dresden und Chemnitz auf die Straße und suchen ein offenes Ohr. Das diese Menschen dieses offene Ohr lange nicht bei den etablierten Parteien gefunden haben, ist traurig. Aber es ist noch nicht zu spät ihnen zuzuhören. Was die Menschen brauchen sind Zukunftsperspektiven und nicht Sprüche wie: Wir leben in einem Land in dem man gut und gerne leben kann. – Das bringt Menschen auf die Palme, die sich abgehängt und nicht verstanden fühlen. Wie geht es jemand, der ein Versager genannt wird und der überhaupt nichts dafür kann, dass er oder sie schwere politische und wirtschaftliche Zeiten hat bestehen müssen? Ist der Satz zu kompliziert? Was ich meine ist, dass diese Menschen heute mehr Aufmerksamkeit und Achtung brauchen und keine Ignoranz und Gleichgültigkeit. Wer diesen Menschen nicht zuhört, darf sich nicht wundern wenn wieder ein Rattenfänger kommt und sie und uns in den Abgrund lockt.

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