Du kannst alles erreichen – MacCoach


Jeder kann alles erreichen, wenn er nur wirklich will? Dieser Glaube führt dazu, dass sich Menschen selbst im Erfolg als Versager fühlen.

Ein interessanter Glaubenssatz, der so nicht stimmt, kann im Coaching eine Rolle spielen. Die Vorstellung, “dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur will”, ist gefährlich und falsch. Viele Speaker und Coaches neigen dazu mit diesem Glaubenssatz zu spielen und Erwartungen zu erwecken, die völlig überzogen sind. Auf der einen Seite stehen die Gewinner und auf der anderen Seite die Verlierer. Ein guter Coach, so die Vorstellung muss vor allem erfolgreich sein und einen Namen haben. Das Problem hier ist auch ganz klar. Es gibt für jeden Menschen Coaches, die passen und welche, die absolut nicht passen. Ein Coach als Superstar impliziert, dass man sich selbst in den lichten Strahl seines Ruhmes begeben und dann, wie von alleine, selbst erfolgreich werden kann. Auch das stimmt so nicht. Es gibt durchaus Menschen, die nicht jeden Tag als Coach auftreten, aber sehr gut Beziehungen aufbauen und Fragen stellen können. Die große Frage ist immer: Was ist Coaching und was kann man mit einem guten Coach schneller erreichen, als wenn man es selber macht?
Zurück zu der Aussage, dass jeder alles erreichen kann, wenn er nur will, oder wenn sie es will, oder es: das Kind. Das weibliche sie ist immer mit eingeschlossen. Ich stehe für klare Aussagen und Gendersprech bringt vieles durcheinander.

Ich habe Menschen kennengelernt, die sich als Versager gefühlt haben und die endlich etwas erreichen wollten um jemand zu sein. Im Verlauf des Coachings hat sich dann oft herausgestellt, dass diese Menschen falschen Glaubenssätzen aufgesessen waren, denen sie blind gehorchen mussten. Das, was sie getan und erreicht hatten, war oft sehr viel mehr als viele andere Menschen an ihrer Stelle geschafft hätten. Das war ihnen nur nicht klar, weil sie falsche Maßstäbe angesetzt hatten. Sie wurden Helden, nachdem sie den Erkenntnisprozess durchlaufen hatten.
Wenn man mit Mathematik nicht viel anfangen kann, dann wäre es möglicherweise keine gute Idee den Nobelpreis für Mathematik anzustreben. Wer überhaupt nicht schreibt, der braucht sich keine Gedanken zu machen ob er eines Tages ein gut bezahlter Schriftsteller werden könnte. Mein Tipp für angehende Schriftsteller ist immer derselbe: Regelmäßig Tagebuch schreiben, Geschichten die das Leben schreibt erkennen und notieren. Dann bekommt man Struktur und Routine und es könnte in Richtung Schriftsteller gehen. Ich schreibe jeden Tag und ich habe einige Ideen in der Schublade, die ich eines Tages realisieren werde. Ich werde wissen, wann ich soweit bin. Bis dahin lese ich sehr viel und ich schreibe meine Eindrücke in mein Tagebuch und meine Ideen in Sachen Coaching auf meinen BLOG.  Es gibt Ziele, die man nicht anstreben darf, wenn man Mensch bleiben will. Ein Blick in die Geschichte zeigt sehr deutlich, wo die Grenzen liegen. Manchmal sind Menschen auf einen Weg geraten, den sie am Beginn der Reise nicht überblicken konnten. Oft ist genau das ihre Ausrede und alles was sie taten war nicht ihrer freiwillige Entscheidung. Man wäre gezwungen gewesen, Befehle und Anweisungen zu erfüllen. Wenn man junge Männer in einen Krieg jagt, dann haben die keine Wahl. Sie müssen Befehle befolgen, ohne Wenn und Aber. Kriegsrecht setzt viele Rechte außer Kraft die wir für selbstverständlich halten. Wenn man einem Erschießungskommando zugeteilt wird, dann hat man entweder keine Wahl oder man wird gefragt, ob man sich freiwillig meldet. Auch hier gilt oft, dass es nur die besten und freiwilligen Soldaten und Offiziere weiter bringen. Aber zu welchem Preis, wenn am nächsten Tag schon alles vorbei sein kann? Auch hier gelten Verantwortung, Ethik, Menschlichkeit und Schuld. Wir haben heute eine eigenartige Haltung zu unseren Vorfahren, die ganz andere Entscheidungen treffen mussten, als wir uns vorstellen können. Ich persönlich bin dankbar, dass ich so nie eine Wahl treffen musste. Obwohl: Ich musste sehr wohl entscheiden, ob ich in eine bestimmte Partei eintreten sollte um Karriere zu machen oder ob ich Informationen über Kollegen und Bekannte im Interesse der Sicherheit weitergeben sollte. Ich habe mich eindeutig dagegen gestellt und derartige Dinge klar und scharf verurteilt. Das hat mich ganz sicher vor unangenehmen Entscheidungen bewahrt. Ich habe mich davor bewahrt. Allerdings habe ich später festgestellt, dass die Mitläufer plötzlich die ersten Ansprechpartner in den neu gegründeten Unternehmen waren, weil man davon ausging dass diese Leute zielstrebig mitgemacht hatten um Karriere zu machen. Vielleicht war es ein Fehler, da nicht mitzumachen. Aber das glaube ich nicht. Diese Entscheidungen waren vollkommen richtig und klar. Ich bin stolz darauf. Und dabei bleibt es.
Ich hatte die einmalige Gelegenheit derartige Karrieren zu beobachten und zu begleiten. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Wenn ich Menschen im Coaching treffe, die früher derartige Karrieren gemacht hatten, kann ich ihnen offen gegenübertreten. Ich verurteile sie nicht und kann sie gut verstehen. Ich bin ein guter Zuhörer, ganz egal ob ich einen Priester, einen Parteigenossen oder einen Bankdirektor coache. Ich bin neugierig auf jeden einzelnen von ihnen. Erfolg hat immer zwei Seiten. Es gibt eine helle Seite und es gibt die dunklen Seiten. Man will nur die im Licht sehen. Wie Berthold Brecht es so klar ausdrückt: “Man sieht nur die im Licht; die im Dunkeln sieht man nicht.”

Nein. Nicht jeder kann alles erreichen, selbst wenn er sich ganz doll anstrengt. Und niemand sollte seine eigenen ethischen Grundlagen über Bord werfen um irgendwo mitzumachen, wo man glaubt Karriere machen zu können. Diese Karrieren will man nicht machen. Man darf das nicht, weil man dann riskiert sich selbst zu verlieren. Und das kann nun wirklich nicht das Ziel sein.