Der Schürer Bericht — Neue Debatte


30 Jahre nach der Vorstellung des „Schürer-Berichts“ wurde in Berlin die Frage diskutiert, ob die DDR pleite gewesen ist oder nicht. Der Beitrag Die Spuren der DDR sind nicht zu tilgen erschien zuerst auf Neue Debatte.

über Die Spuren der DDR sind nicht zu tilgen — Neue Debatte

Bildung neu denken – Raus aus dem Kastendenken – MacCoach


Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand. (Arthur Schopenhauer, Philosoph)

Bildung neu denken

Ich habe gerade einen Podcast im Tagesspiegel gehört, der sich mit dem Thema Quereinsteiger als Lehrer beschäftigte. Die Kernthese:  Unvorstellbar, wie viele unausgebildete Quereinsteiger in Berlin als Lehrer arbeiten. Manche haben nicht einmal Abitur!

 

Fünf Minuten Berlin

Wenn Lehrer ohne Abitur Berliner Schüler unterrichten

Die Zahl der nicht voll ausgebildeten Lehrer in Berlin steigt. Noch sind Hunderte Stellen nicht besetzt. Ein Podcast über den Lehrermangel. LAURA HOFMANN SYLVIA VOGT

 

Die zentralen Punkte bei der Auswahl von Quereinsteigern für den Lehrerberuf sind nicht Eignung, Interesse und Fähigkeiten. Die zentralen Punkte sind Abitur und ein abgeschlossenes Hochschulstudium.  Das sind die Einstiegskriterien. Sonst nichts.
Eine jahrzehntelange Tätigkeit in der Wirtschaft ist in den Augen der Auswahlkommissionen nichts wert. Selbst wenn ein Selfmadeunternehmer nach 20 Jahren den Mut hat, Kindern Mathematik und Informationstechnologie nahebringen zu wollen, hat derjenige keine Chance, wenn er damals sein Studium abgebrochen hat. Vom klassischen Diplomingenieur (FH), der seine Ausbildung in der DDR abgeschlossen hatten, will ich hier garnicht reden. Viele hatten damals nicht die Möglichkeit, ein Abitur auf der EOS (Erweitere Oberschule Klasse 11 und 12, das Gymnasium der DDR) zu machen, weil sie nicht bei der NVA oder der Stasi arbeiten wollten.

Man konnte damals aber die allgemeine Hochschulreife erwerben und dann ein Studium an einer Ingenieurschule aufnehmen. Im Einigungsvertrag wurde die Gleichstellung der Studiengänge gesetzlich verankert. Wer sich heute mit einem gleichgestellten Abschluss bewirbt, hat keine Chance. Was für ein Unfug! Was für ein Betrug! Ich bin mir sicher, dass es jede Menge gut ausgebildeter Fachleute gibt, die durchaus in der Lage sind, in einer Grundschule Mathematik, Sachkunde, Geografie usw. zu unterrichten. Das Problem sind die Einstellungskriterien. Wenn ein vor Jahrzehnten abgeschlossenes Universitätsstudium das einzige Kriterium ist, dann ist das ein guter Grund um das gesamte System infrage zu stellen.

 

Warum ist es nicht möglich, die Befähigung von interessierten Personen professionell  zu testen und diese Leute gleichzeitig auszubilden? Weiterbildung als individuelle Chance. Das müsste doch zu machen sein. Aber so etwas gibt unser System nicht hin. In Deutschland geht es vor allem um die Sortierung nach Ungelernten, Menschen mit einer Ausbildung, Leute mit Abitur und ohne Abitur, Absolventen einer Hochschule, Fachhochschule, Universität. Wer den falschen Beruf erlernt hat, hat kaum eine Chance da jemals wieder herauszukommen. Oder er fällt nach vier Jahren in den Status eines Ungelernten. Es ist völlig egal, was dieser Mensch kann und wie fähig oder unfähig er oder sie ist. Es gibt schlichtweg keine Möglichkeit für Laien am offiziellen System vorbeizukommen.
Die besten Erfinder aus der Vergangenheit hatten keinerlei universitäre Ausbildung. Sie haben dennoch ihren Weg gemacht. Heute ist so etwas nicht mehr möglich. Man wird in eine Schublade gesteckt und dann kommt man da nicht mehr raus. Das ist eine Tatsache. Natürlich kann man jederzeit Weiterbildungungen durchführen und möglicherweise kann man auch ein Regelstudium ausnehmen und den ganz normalen Weg gehen: Heute zuerst Bachelor und dann Master. Das muss man sich aber leisten können. Was macht das für einen Sinn, wenn erwachsene Menschen Ü50 ein jahrelanges Studium absolvieren um einen anderen Weg einzuschlagen? Es liegt auf der Hand, dass das nur in den seltensten Fällen möglich ist.
Und was soll das alles? Was bringt das für die Gesellschaft? Die Antwort liegt auf der Hand: Es bringt nichts, für Niemand.   
Natürlich kann man auch sagen: Selber Schuld! Hättest du doch etwas vernünftiges studiert und dich mehr angestrengt!
Aber das kann nicht die Lösung sein. Die Lösung ist lebenslanges Lernen und die Möglichkeit in Zusammenarbeit mit Universitäten und Hochschulen, Menschen permanent zu testen und weiterzubilden. Man könnte zum Beispiel ein System einrichten um Credit Points zu erwerben und abzurechnen.
Arbeitnehmer, Fachkräfte, Spezialisten, Manager und Unternehmer brauchen so ein System, um sich fachlich und menschlich weiterzubilden. Das vorhandene System ist eine Einbahnstraße und eine Sackgasse. Lebenslanges Lernen ist ein Buzzword. Es muss mit Leben gefüllt werden. Wer sich viele Jahre in einem Unternehmen hochgearbeitet hat und seinen Job verliert, weil die Firma pleite ging, muss ganz von vorne anfangen. Alle erworbenen Qualifikationen sind nach ein paar Jahren nichts mehr wert, ganz egal wie gut oder wie schlecht man den Job gemacht hat.
Es kann nicht sein, dass wir mit diesem Zustand zufrieden sein können. Es ist eine unglaubliche Verschwendung von Möglichkeiten und eine Verzerrung von Fähigkeiten.   

Wasserstofftechnologie vs. Lithiumakku