Crashkurs Führungskräfte

The Last Days of Lehman Brothers

The Last Days of Lehman Brothers (Photo credit: Wikipedia)

Glaubt man einem weit verbreiteten Vorurteil, dann gibt es irgendwo geheime Seminare für Führungskräfte, in denen das dunkle Einmaleins der Machtausübung und Machterhaltung gelehrt wird. Machiavelli für Manager, sozusagen. (Niccolò di Bernardo dei Machiavelli war ein florentinischer Politiker, Diplomat, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter. Sein Name wird heute mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller Mittel verbunden.) Geheimnisvolle Zirkel und Logen haben schon immer die Fantasie von Uneingeweihten angeregt. Wie dem auch sei, eine gute Führungskraft, ein Leader verfügt vor allem über eine ausgesprochene Persönlichkeit, ist zielorientiert und freundlich. Es soll auch Manager geben, die sich wohl fühlen, wenn sie Mitarbeiter schikanieren und vor anderen bloßstellen können. Aber das hat nichts mit guter Führung zu tun. Im Gegenteil! Allerdings kann nicht abgestritten werden, dass eine bestimmte Art von Führungskräften es immer wieder schafft, bis in die obersten Firmenetagen vorzudringen. Seilschaften und gegenseitige Abhängigkeiten sind nach wie vor nicht zu unterschätzen und Kontakte nützen nur dem nicht, der sie nicht hat. Der Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers und die Rolle des damaligen Vorstandsvorsitzenden Richard Fuld, dessen Gegenspieler der damalige amerikanische Finanzminister Henry Paulson war, erzählt eine ganz eigene Geschichte von Führungsschwäche. Fuld war ein als autoritärer Alleinherrscher verschriener Bankmanager, der von den Bilanzmanipulationen seiner Mitarbeiter nichts gewusst haben will. Am Ende von Lehmann stand die Entlassung von knapp 25.000 Mitarbeitern binnen weniger Tage. Eine Woche nach dem Insolvenzantrag waren nur noch 170 Mitarbeiter für die Bank tätig und die internationale Finanzwelt stand vor einer Kernschmelze. Soviel zu einem der erfolgreichsten Manager der jüngsten Vergangenheit. Nachhaltiger Erfolg sieht anders aus. Geheimdienstmethoden und das Zurückhalten von Informationen können ein System vielleicht eine Zeit lang stabilisieren. Zielführend oder gar zukunftsweisend sind derartige Machenschaften aber nicht.
Leadership bedeutet, dann man vorangeht und die Menschen freiwillig folgen. Freiwillig und gerne, ohne Zwang und Angst. Terrorregime haben nur eine kurze Haltbarkeit aufzuweisen. Das bedeutet allerdings auch nicht, dass so ein Manager von allen nur geliebt wird. Er darf durchaus auch Ecken und Kanten aufweisen und sich nicht vor Kritik fürchten. Aber das ist ein anderes Thema.

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