Bahn erprobt führerlose Züge – Wo bleibt der Mensch?


Die Bahn erprobt führerlose Züge – Eine Schlagzeile in der Zeitung – Juni 2016 – Automatisierung auch bei der Bahn. Alles ist automatisierbar. Alles. Jeder ist ersetzbar. Wirklich jeder ist durch Computer und und Roboter ersetzbar oder wird es in naher Zukunft sein. Wir gehen mit offenen Augen auf diese Situation zu und sind blind dafür, weil die Arbeitslosigkeit gerade dramatisch sinkt. Und das ist auch gut so. Aber es kommt etwas auf uns zu:

Heute ist wirklich niemand mehr gut vorbereitet auf das, was kommt. Und es geht nicht nur um Taxis, wir reden über hochqualifizierte Berufe, die gefährdet sind – viele Ärzte und Anwälte könnten bald mit Artificial Intelligence ersetzt werden.” /Philipp Rösler/

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/philipp-roesler-world-economic-forum-interview/seite-3

Ich frage mich, wie es einem Lokführer bei der Bahn geht, der diese Überschrift liest. Wie fühlt ein Auszubildender, der bereits von Anfang an lernt, dass er einen aussterbenden Beruf erlernt?
Wie genau soll das in Zukunft funktionieren? Zuerst haben wir Industriearbeitsplätze vernichtet, die entweder durch Roboter oder durch Abwanderung der Industrie in andere Länder weggefallen sind. Nun sind wir dabei noch mehr traditionelle Jobs in Frage zu stellen. Taxifahrer, Lokführer, Busfahrer, Banker, Sachbearbeiter und viele andere Jobs werden ersetzt. Früher gab es talentierte Menschen, die mehrere Sprachen beherrschten und als Übersetzer und Dolmetscher tätig waren. Es gibt noch Übersetzungsbüros. Aber auch hier wird die Automatisierung einen verheerenden Kahlschlag anrichten. Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach mit Leuten aus diesem Fach zu tun gehabt, die nicht mehr genügend Aufträge haben um davon leben zu können. Überall wohin man schaut, lauert die Gefahr der Digitalisierung.
Welche Jobs werden in Zukunft noch gebraucht? Dienstleistungsjobs im Handwerk. Es wird noch lange dauern, bis Hotelzimmer von Robotern gereinigt und Fenster automatisch geputzt werden können. Im Prinzip kann man alles automatisieren. Selbst in der BurgerBraterei ist eine Automatisierung möglich. Aber wozu soll das gut sein? Wie soll eine Gesellschaft funktionieren, wenn der Mensch im Grunde gar nicht mehr gebraucht wird? Ich denke mir, dass wir den Robotern vieles überlassen können und uns anderen Beschäftigungen zuwenden können. Sport, Spiel, Literatur, Reisen, ein Ökobauernhof in Brandenburg vielleicht. Ein wahrhaft Goldenes Zeitalter kommt da auf uns zu. Aber wir müssen es richtig anpacken. Sonst geht es schief.
Vielleicht wird es ja auch ein Albtraum. Menschen ohne Arbeit haben in der Regel kein Geld. Und ohne Geld funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Vielleicht wird das Bedingungslose Grundeinkommen schneller eingeführt werden müssen, als wir uns vorstellen können. Aber auch das ist nur die zementierung von Armut. Damit kommt man nicht weit. Wieviel Geld braucht man zum Leben? Wo ist die untere Grenze? Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Wir werden die Automatisierung nicht aufhalten. Maschinenstürmerei bringt gar nichts.

Ich kämpfe mich gerade durch einen Dschungel von (scheinbar) undefinierten Abläufen. Undefiniert, weil sie weder strukturiert  aufgeschrieben und schon gar nicht optimiert sind. Ich muss mir selber jeden Schritt und jede einzelne Ablage notieren, um mit einen Überblick zu verschaffen und überhaupt durchzusehen. Es ist nichts aufgeschrieben. Vielleicht gibt es wieder eine eMail, die ich übersehen habe. Es gibt keinen Ablaufplan, den ich als Wegweiser benutzen kann. Als Unternehmensberater gruselt es mir und als ITler ist es mir unverständlich, wie so man so ein Chaos beherrschen kann. Ich muss damit klarkommen. Bestimmt sollte ich umdenken und mich an das Chaos gewöhnen und versuchen es zu beherrschen. Ja ich muss es versuchen. Ich muss es mir zu Eigen machen und damit leben. Verändern werde ich diese Abläufe nicht. Das ist hier nicht mein Job. Ich muss damit leben und das Beste daraus machen. Es ist wirklich irre: Ein Ordner aus Papier hier, eine Exceltabelle mit Forecastzahlen da, eine Unterschriftsmappe hier und ein gemeinsamer Ordner mit einer sehr tiefen und völlig widersprüchlichen Struktur dort. Solange so etwas ernsthaft betrieben wird, kann man sicher sein, dass Roboter und Computer keine Vereinfachung der Situation erreichen werden. Der Beginn einer Optimierung liegt immer in der Strukturierung vorhandener Vorgänge. Es ist ganz einfach, es muss einfach sein. Und bekanntlich ist das Einfache sehr schwer zu realisieren. Ich sehne mich nicht nach dem Einfachen, weil ich zu blöd bin (hoffe ich jedenfalls), sondern weil man sich dann auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren kann. Darum geht es immer bei Optimierungen. Es geht niemals um Rationalisierung um der Sache willen (das hoffe ich auch – aber vielleicht bin ich ja naiv….) 
Ein Problem über das niemand gerne spricht ist, dass es wenige Menschen gibt, die wirklich optimieren wollen. Entweder, sie sind Liebhaber der Komplexität und fühlen sich gut im Dschungel oder aber:  Im Hintergrund lauert eine Angst durchschaubarer zu werden und dadurch den eigenen Job zu gefährden. Und dann ist da noch etwas. Nein. Es gibt da mehrere Dinge, die uns daran hindern etwas zu verändern. Das Tagesgeschäft frisst uns auf und wir baden in einem Geflecht von Abläufen und Abhängigkeiten. Es ist das Chaos, in dem sich viele wohlfühlen. Sie sind schließlich die Einzigen, die das Chaos beherrschen. Ausserdem ist es eben einfach so. Heutzutage ist alles komplex und kompliziert. Wer damit nicht klarkommt…… Aber sie denken nicht darüber nach. Zumindest nicht gerne.

Ich kenne das seit vielen Jahren. Es werden Berichte und Papiere erzeugt, die kein Mensch mehr braucht. Unter dem Vorwand von Ordnung regiert das Chaos. Die Fehlerwahrscheinlichkeit wird so immer mehr erhöht. Das ist das eigentliche Problem.
Ich liebe einen aufgeräumten Schreibtisch. Aktennotizen: Fire And Forget! So muss das sein. Einfach und übersichtlich. Keine Notizzettel auf dem Bildschirm, keine alten Vorgänge, keine Ordner in denen ich Dinge sammele, die ich niemals wiederfinden werde. Wie viel Chaos kann eine Organisation verkraften? Wann wird eine Organisation kollabieren, wenn sie genau so weitermacht, wie bisher?

Das typische Gegenargument ist eine Killerphrase: Es gibt keine perfekte Organisation. Wir müssen mit dem leben, was wir haben. Das kenne ich schon seit Jahren. Ein Controller hat mir mal gesagt, dass wir keine Hightechfirma sind, die Pionierarbeit ausgerechnet in der IT machen sollte. Der Mann hatte völlig recht! Das war wirklich keine Hightechfirma. Heute ist das Unternehmen längst zerschlagen und vergessen. Und wir waren „der Mercedes“ auf unserem Gebiet. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Wer macht sich Gedanken über Optimierung von Vorgängen? Wer hat Zeit dafür? Niemand, denn das Tagesgeschäft frisst uns auf. Es zerrt an unseren Nerven und es macht Menschen krank.

Solange derartige Abläufe Realität sind und wo sie Realität sind, wird es keine kurzfristige Ablösung menschlicher Arbeit durch Artificial Intelligence geben. Aber es lohnt sich alle Abläufe und Dokumentationen kritisch zu hinterfragen. Das wird die Arbeit der Zukunft sein. Verstehen, wie etwas abläuft und zielorientiert optimieren.

Ein Forecast, der auf Exceltabellen aufbaut, die nicht aus einem ERP-System stammen, sagt niemals die Wahrheit. Wer mit mehreren Datenbanken arbeiten und dieselben Informationen mehrfach eingeben muss, macht Fehler. Das Erfassen von derartigen Abläufen ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Das kann man aber nur Leuten überlassen, die den Auftrag dazu haben. Das kostet viel Geld und sehr viel Zeit. Nur wer wirklich bereit und in der Lage ist, diesen Schritt zu gehen, wird langfristig überleben. Vorausgesetzt, es besteht der Wunsch ein Unternehmen langfristig zu stabilisieren und zu wachsen. Wenn nicht, dann kann alles so bleiben wie es ist. Irgendwann kracht das windschiefe Gebäude in sich zusammen und man kann auf der grünen Wiese ganz von vorn anfangen. Das ist manchmal der bessere Weg.

Hier und jetzt werde ich in einem Sumpf von Abläufen und Dokumenten versinken. Jede Bewegung aus dem Sumpf lässt mich tiefer sinken. Es raubt mir den Atem.

Und plötzlich verstehe ich das Ganze: Ich darf nicht nervös zappeln und mir zu viele Gedanken machen, sonst gehe ich unter. Es hat alles einen Sinn. Si! Capisce!

http://www.ingenieur.de/Branchen/Verkehr-Logistik-Transport/Bahnchef-Grube-In-10-20-Jahren-fahren-Zuege-Lokfuehrer