Zu alt für den Job?


Zu alt für den Job? Das ist momentan ein sehr beliebter CoachingAnlaß. Diese Frage beschäftigt alle. Wie gehen wir mir dem Älterwerden um? Wie gehen wir mit anderen um? Wo ist unser Platz? Sobald Manager, Techniker und andere Spezialisten in die Jahre kommen, baut sich eine immer größer werdende Mauer auf. Spätestens ab dem 45sten Lebensjahr beginnen viele, sich über ihre Zukunft Sorgen zu machen. Richtig gelesen: Sie machen sich Sorgen. Unabhängig davon, ob man das akzeptiert oder nicht: Es ist eine nicht zu verleugnende Tatsache, die uns alle beschäftigt. Es sei denn wir haben es geschafft und haben eine Karriere als Beamter realisieren können. Beamte sollten eigentlich glücklich sein, was die Sicherheit des Arbeitsplatzes betrifft. Die meisten Beamten wissen ganz genau, warum sie diese Laufbahn anstreben. Es ist vielleicht gar keine schlechte Entscheidung, einen Beruf mit Beschäftigungsgarantie zu wählen. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. Für den Rest von uns  steigt die Angst vor dem Verlust des gut dotierten Arbeitsplatzes. Auf der anderen Seite beginnen Gedanken über eine mögliche Alternative. Diese Gedanken sind oft bereits am Beginn der beruflichen Karriere vorhanden. Auch hier gilt: Augen auf bei der Berufswahl! Junge Absolventen können sich nicht vorstellen, was sie in 20 oder 30 Jahren machen werden. Sie blenden das aus und konzentrieren sich auf den Einstieg in eine berufliche Karriere.

Auch wenn es kaum jemand zugeben mag: Diese Gedanken stecken in uns allen. Wir verdrängen es, aber es beschäftigt uns. Egal in welcher Phase wir uns gerade befinden. Im Coaching werden Fragen gestellt. Jeder kann sich diese Fragen stellen und auf diese Art und Weise durch seinen eigenen Gedankengarten wandern. Es ist sehr wichtig für Coachees – Klienten beim Coaching – zu erkennen wer man ist und wer man sein will. Ein 25jähriger Student hat eine etwas andere Vorstellung, als ein 60jähriger, der ganz genau weiß, was er bereits erreicht hat und was er noch schaffen will. Aber warum werden wir zu Sklaven eines engen Zeitfensters? Schaffen wir uns damit nicht selbst ein Gefängnis für unsere Gedanken? Wer sagt denn, dass ein 40jähriger nicht mehr studieren kann? Warum sollte man es nicht mehr schaffen, Englisch zu lernen? Überlegen wir mal, auf welche Möglichkeiten wir verzichten, wenn wir diese Sprache nicht beherrschen? Englisch ist wichtig für jeden, der sich für die Zukunft unserer Welt interessiert. Was hindert uns eigentlich daran, besser Englisch zu lernen? Das ist ein Thema für alle Berufsgruppen. Die meisten Klienten mit denen ich zu tun habe, begrenzen sich selbst. Niemand sonst ist verantwortlich dafür. Ich höre immer wieder von Menschen über 50, dass sie in der Schule nicht so gut in Englisch waren und es deshalb nie richtig gelernt haben. Jetzt sei es längst zu spät damit anzufangen:

“Was Hänschen nicht gelernt hat- lernt Hans nimmermehr.” (altes deutsches  Sprichwort)

Das ist Unfug! Streichen Sie diese Gedanken aus Ihrem Leben! Ich behaupte:

“Es ist niemals zu spät etwas Neues zu lernen!” und “Fangen wir heute noch an!”

Lebenslanges Lernen ist nicht nur eine Idee, sondern Realität. Ein 60jähriger Vertriebsmanager wurde vor einem Jahr entlassen. Das Unternehmen musste Personal reduzieren und so entschloss man sich die älteren Mitarbeiter zu entlassen, weil die ja bald in Rente gehen könnten. Der Mann hatte gute Arbeit geleistet und nun war plötzlich Schluss. Er hatte nichts mehr zu tun. Die Karriere war vorbei. Jedenfalls glaubten das alle Beteiligten. Der Mann wurde auf mein Angebot für ein Coaching aufmerksam gemacht und er kam neugierig zu mir. Er war tatsächlich gespannt, was ich ihm raten würde. Er hatte keine Vorstellung, wie so ein Coaching tatsächlich ablaufen und was es ihm bringen würde.

Ich stellte ihm am Beginn nur einige Fragen, notierte mir die Fragen und machte mir Notizen.

“Wie haben Sie sich Ihre Zukunft vorgestellt, als Sie mit dem Studium begonnen haben?”

“Welche Ihrer Ziele haben Sie realisieren können?”

“Was würden Sie heute anders machen?

“Wer sind Sie heute?”

“Wer wollen Sie in 20 Jahren sein?”

“Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine zweite Karriere starten. Was würden Sie gerne tun?”

Jedes Coaching ist individuell. Der Coach ist nur ein Begleiter. Er stellt Fragen und bringt Prozesse in Gang. Manchmal stelle ich mir vor, dass ich als Coach ein Gärtner bin, der den Lebensgarten meiner Klienten kennenlernt. Ich grabe hier und gieße dort ein wenig. Dann beschneide ich einen Obstbaum und pflanze eine Hecke und ein paar Sträucher. Der Garten entwickelt sich und ich stelle mir vor, wie es in einigen Jahren aussehen wird. Mein Klient wollte Ratschläge. Die bekommt er aber nicht von einem Profi. Es ist nicht die Aufgabe eines Coaches, Ratschläge zu geben.

Die Antworten liegen immer im Klienten. Coaching gräbt nur verschüttete Ressourcen aus und legt sie frei.

Glauben Sie immer noch, zu alt für eine neue Aufgabe zu sein?

Reden befreit – Coaching in Führungsetagen


Ich weiß, dass man nicht einfach zum CEO eines DAX Unternehmens oder eines mittelständischen Konzerns gehen kann, um den Chefs ein Coaching anzubieten. Immer mehr Unternehmen haben Coachingangebote für das mittlere Management. Manchmal handelt es sich um präventive Angebote. Stichwort – Führungskräfteentwicklung. Oft spielt Coaching eine Rolle, wenn es Probleme gibt. Es gibt viele Probleme im mittleren Management. Und es gibt eine uralte Regel, die immer noch gültig ist.

DER FISCH FÄNGT IMMER AM KOPF AN ZU STINKEN.

Wie unangenehm! Ich weiß! Aber so ist es. Die meisten Probleme, mit denen ich im mittleren Management konfrontiert werde, hängen mit grundlegenden Fehlern in der obersten Führungsetage zusammen.

Wenn der Chef sein Unternehmen, seine Klinik, seinen Flughafen oder seine Kanzlei nicht im Griff hat, dann wirkt sich das gründlich auf die Mitarbeiter aus. Nachwuchskräfte  erkennen in der Regel sehr schnell, was los ist. Sie sprechen sehr oft darüber, dass sie mit dieser Unternehmenskultur nichts anfangen können. Im Coaching beginnt spätestens hier eine Austellungsarbeit. Ich stelle mir immer die Frage, ob mein Klient tatsächlich die Wahrheit erkannt hat oder ob er nur frustriert ist, weil er sich nicht richtig wahrgenommen fühlt. Nachwuchskräfte müssen oft auch lernen, Geduld zu haben und sich zu entwickeln. Auch das ist ein Coachinganlass. Es gibt aber auch richtig gute Leute, die am Ende unserer Gespräche wissen, dass sie das Pferd wechseln müssen um ihre Ziele zu erreichen. Ich zitiere in solchen Fällen gerne das alte Indianersprichwort.

Wenn Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Ich habe noch nie von einem Coachee verlangt, dass er seine Firma verlassen soll. Im Gegenteil! Das ergibt sich immer von ganz allein. Wenn ein Coachee erkennt, dass er in diesem Unternehmen mit dieser Führungsmannschaft, keine Chance auf eine sinnvolle Entwicklung hat, dann ist das ein wichtiges Thema. Die Entscheidungen reifen ganz langsam in den Gesprächspartnern und müssen letztendlich völlig unabhängig getroffen werden. Die Kündigung ist oft nicht einmal die beste Entscheidung. Oft nehmen die Klienten ihre Probleme einfach in das nächste Unternehmen mit.

Oft liegen die Probleme tatsächlich woanders.

Ich würde mich in diesen Fällen sehr gerne mit den Geschäftsführern oder Abteilungsleitern meiner Klienten unterhalten.

Aber die haben in der Regel keine Zeit für Coachings. (Ein Coaching? Was soll das bringen? Der Chef braucht so etwas doch nicht!)

Und da haben wir wieder unsere grundlegende Frage rund um das Coaching. Was bringt Coaching? Was soll ein Coach in der Chefetage?

Meine Antwort ist: Reden befreit! Immer! Es gibt so viele Dinge über die ein Chef nicht reden kann. Er hat keine Zeit dafür. Er hat Angst davor. Er hat bestimmte Dinge verdrängt. Er hat Leichen im Keller. Er versteht überhaupt nicht, wo das Problem steckt. Er hat Angst vor Veränderung. Er versteht nicht, warum zunehmend nichts mehr zu funktionieren scheint. Er glaubt, dass die Probleme nur in den unfähigen Mitarbeitern zu finden sind. (Früher war alles einfacher. Früher waren die jungen Leute irgendwie besser drauf.) Natürlich wird das Wort PROBLEM nicht ausgesprochen. Es sind immer HERAUSFORDERUNGEN, MARKTVERÄNDERUNGEN und CHANCEN. Aber das sind PROBLEME immer, wenn man mit ihnen umgehen kann. Oft hat man aber genau das verlernt. Es ist ein schmerzhafter Prozess das zu erkennen. Es ist ein langer Weg tatsächlich etwas zu verändern. ChangeManagement beginnt immer mit einem Coachingprozess. Mit oder ohne Coach.

Mit einem Coach geht es schneller. Ohne geht es manchmal überhaupt nicht.