Choleriker-Coaching


Es ist unglaublich. Seit meinem ersten Artikel über Choleriker entwickelt sich das Thema zu einem Dauerbrenner. Der Leidensdruck für Betroffene ist offensichtlich sehr groß. Ich kann das nachvollziehen. Choleriker sind unangenehme Lebenspartner, Freunde, Kollegen und Chefs. Es gibt allerdings einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der sozialen und finanziellen Situation von Menschen und dem Verhalten. Ich kenne keinen einzigen sogenannten Choleriker, der (oder die) gesund ist, sicher sozial verankert ist, finanzielle Freiheit genießt und eine ausgeprägte Identität, Zugehörigkeit und hohe ethische Werte besitzt. Bei ungünstigen Konstellationen kann beinahe Jeder zum Choleriker werden. Besonders durchsetzungsstarke Typen neigen zu Ungeduld und unangemessenem Verhalten, wenn etwas nicht nach Plan läuft oder Schwierigkeiten aufreten. “Ich bin ungeduldig, mir dauert alles viel zu lange!”, kann ein Hinweis sein. Manchmal ist es tatsächlich besser, ein wenig länger über ein Projekt nachzudenken und eine ausgiebige Planungsphase zu ermöglichen, als am Ende Getriebener von unrealisierbaren Traumterminen zu sein.

Cholerisches Verhalten ist eindeutig gestörtes Verhalten. Aber Choleriker ist nicht gleich Choleriker. Es gibt keine eindeutige ICD-10 Einstufung. Aber das hat nicht viel zu bedeuten, denn ICD-10 ist nur eine recht grobe Klassifikation die auf Kostenträger zielt.

Betrachten wir angrenzende Störungen, dann können wir sehr schnell feststellen, dass Choleriker Anzeichen von mehr oder wenige ausgeprägten Störungen haben. Manisch depressive Episoden sind ebenso festzustellen wie Anzeichen von bipolare Störungen.

“Bereits in der griechischen Antike unterschied man das hyperthyme Temperament (Sanguiniker), gekennzeichnet durch seine Vitalität, das melancholische Temperament mit der Neigung zu Traurigkeit und Pessimismus, das reizbare Temperament (Choleriker) mit Ausbrüchen von Jähzorn sowie das juengste zyklothyme Temperament mit starken Schwankungen von Stimmungslage und Vitalenergie. Hierbei handelt es sich um energische und sensible Personen, die sehr stark auf äussere Reize reagieren. Mit dem letzten, dem phlegmatischen Temperament, beschäftigt sich die Psychiatrie nicht, denn emotional unsensible, nichtreaktive Personen sind für psychische Störungen nicht anfällig. Auf sensible und reaktive Temperamente können neben den tages- und jahreszeitlichen Veränderungen der Umwelt auch chemische (Substanzmissbrauch) und psychische Reize (Stresserlebnisse) einwirken und zum Krankheitsausbruch führen. Problematisch ist, dass gerade manischdepressive Patienten eine Neigung zu allem haben, was die Krankheit auslöst, z. B. Substanzmissbrauch und ein bewegter, oft stürmischer und leichtsinniger Lebensstil. “ (Die Seele aus dem Gleichgewicht: Was ist bipolare Störung?“ Athanasios Koukopoulos http://www.selofoundation.ch/resources/Bipolare_Koukopoulos.pdf)

Der eindeutige Vorteil von unabhängiger psychologischer Beratung ist der, dass man nicht erst krank nach ICD-10 sein muss um einen Berater zu treffen.(Die Krankenkasse zahlt in der Regel nicht für eine vorbeugende Behandlung. Es muss zumindest der Verdacht einer psychischen Erkrankung vorhanden sein.) Die Spanne zwischen Krankheit und Gesundheit ist riesengroß. Im Prinzip ist jeder Mensch krank, heißt es unter Medizinern und Psychologen, man muss nur lange genug suchen. Menschen sind mehr oder weniger gesund. Eine gute Balance ist sehr wichtig. Hier ist mir persönlich das Salutogenes Modell von Antonowsky sehr nahe.

Salutogenese (lat. salus ‚Gesundheit‘, ‚Wohlbefinden‘ und -genese, also etwa „Gesundheitsentstehung“) bezeichnet zum einen eine Fragestellung und Sichtweise für dieMedizin und zum anderen ein Rahmenkonzept, das sich auf Faktoren und dynamische Wechselwirkungen bezieht, die zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit führen.[1]Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) prägte den Ausdruck in den 1980er Jahren als komplementären Begriff zu Pathogenese. Nach dem Salutogenese-Modell ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen.

Ein Coach sucht nicht nach Krankheiten, sondern nach Ressourcen. Dazu gehört aber auch eine ausgesprochen gute Diagnosearbeit. Ein Coach darf nicht heilen oder Heilung versprechen. Er (oder sie) sollte allerdings genau wissen, ob der Klient nicht doch besser zu einem Arzt geschickt werden sollte. Die gute Nachricht ist, dass Choleriker meist keine kranken Leute sind. Eine kleine psychische Störung oder Depression erleben viele Menschen. Es handelt sich nicht gleich um eine Krankheit. Ein wichtiger Hinweis auf eine Krankheit ist die Dauer der Störung. Ein Alptraum oder eine kurzzeitige depressive Phase von einem Tag ist noch lange keine Krankheit. Coaching kann helfen, das zu thematisieren und herauszufinden. Ein guter Coach ist auch immer ein guter psychologischer Diagnostiker.