Coaching und Seelsorge


Stained glass at St John the Baptist's Anglica...

Stained glass at St John the Baptist’s Anglican Church http://www.stjohnsashfield.org.au, Ashfield, New South Wales. Illustrates Jesus‘ description of himself „I am the Good Shepherd“ (from the Gospel of John, chapter 10, verse 11). This version of the image shows the detail of his face. The memorial window is also captioned: „To the Glory of God and in Loving Memory of William Wright. Died 6th November, 1932. Aged 70 Yrs.“ (Photo credit: Wikipedia)

Preisfrage: Was haben Coaching und Seelsorge gemeinsam? – Beides sind Beratungsformate wie Mentoring, Mediation, Supervision und klassische psychologische Beratung. Seelsorge stützt sich hauptsächlich auf Aufmerksamkeit und Hinwendung zum gläubigen Menschen. In der Seelsorge spielt der Mensch die Hauptrolle. Christliche Seelsorger, sind sehr oft mit einem Missionsauftrag unterwegs. Das ist der Grundauftrag des Evangeliums. „Gehet hin in alle Völker und lehret sie….“ Eine fundierte Ausbildung wird nicht zwingend vorausgesetzt. Ein gutes Herz und Hinwendung zu den Menschen sind die Grundlagen von Seelsorge. Oft wird folgendes Argument benutzt: „Jesus und seine Jünger waren doch auch ohne jede Ausbildung!“ und „Wichtig ist, dass man ein offenes Ohr und ein gutes Herz besitzt!“ – „Ein starker Glaube ist wichtig!“ Das mag alles richtig sein. Demut hat jedoch nichts mit Unwissenheit zu tun. Jesus wurde immer wieder als Rabbi angesprochen. Das lässt darauf schließen, dass er nicht nur ein einfacher Zimmermann war, sondern ein Gelehrter und Lehrer. Immerhin hat er schon im zarten Alter von 12 Jahren die Gelehrten im Tempel mit scharfsinnigen Gedanken überrascht. Es ist also davon auszugehen, dass Jesus über eine exzellente Ausbildung verfügte. Er wird gewusst haben, welche Potentiale in den Männern die er aufforderte ihm zu folgen und ihn zu begleiten, steckten. Er bereitete sie darauf vor ihm auch dann zu folgen, auch wenn er nicht mehr bei ihnen wäre. Er machte sie zu Menschefischern, zu Führungskräften. Sie lernten so zu denken und zu handeln wie er und dazu gehörte es auch, die Seelsorger auszubilden und auf den Ernstfall, die Mission, vorzubereiten. Seelsorger brauchen eine fundierte Ausbildung. Eine Ausbildung als psychologischer Berater ist eine gute Grundlage. Denn genau das ist Seelsorge: ein psychologisches Beratungsformat. Mit einer guten Ausbildung kann vieles verhindert werden, was wir oft als „gut gemeint!“ benennen. Gut gemeint ist meistens einfach nur schlecht gemacht. Es gibt keine Entschuldigung für „gut gemeintes“ Versagen. Es geht um Menschen. Wer mit Menschen arbeitet muss wissen, was er tut. Fundierte Ausbildung von Seelsorgern ist wichtig, ganz besonders, wenn es sich um einflussreiche Organisationen handelt, in denen Laien Seelsorge betreiben. Ich selbst habe viele Jahre als Seelsorger gearbeitet und einen reichen Erfahrungsschatz sammeln dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Das hat mir persönlich den Weg hin zum Coaching geöffnet. Nach meiner Coaching-Ausbildung erkenne ich viele Probleme, die ich früher nur aus dem Bauch heraus spüren konnte. Es sind zu viele engagierte aber unzureichend ausgebildete Laien unterwegs, wenn es um Seelsorge geht. Ein Freund von mir stand vor dem selben Dilemma. Er hatte ein höheres Amt in einer Freikirche und er hatte eine professionelle Managementausbildung. Das half ihm weiter. Dann bot er der Telefonseelsorge seine Mitarbeit an und absolvierte dort einen Grundkurs. Auch das führte ihn weiter auf seinem Weg zur professionellen Seelsorge. Coaching und Seelsorge haben noch etwas gemeinsam. Ein Coach ist sehr bemüht seinem Klienten niemals Ratschläge zu geben. Ein Seelsorger sollte es genau so halten.

Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Ratschläge sind nicht hilfreich.

Es wäre schön, wenn diese Nachricht an der richtigen Stelle ankommen würde. Es ist so einfach, seine Leute gut auszubilden. Man muss nur erkennen, wie wichtig das ist. Und es hätte noch einen wichtigen Effekt: Es wird viel mehr freiwillige Mitarbeiter geben, die gerne von einer guten Ausbildung profitieren und ihre Erfahrungen in der Praxis anwenden wollen.

Coaching und Seelsorge sind nicht zuletzt deshalb so eng verwandt, weil sofort klar wird, dass ein guter Seelsorger kein Psychologe oder Therapeut sein muss. Bei einem Coach ist es ganz ähnlich.