Are You Experienced?


Ü50, 50+, BestAger, Erfahrungsträger

Jimi Hendrix dürfte den meisten dieser Altersklasse ein Begriff sein. Eigenartig. Bei diesem Thema fällt mir ausgerechnet Jimi Hendrix ein: ARE YOU EXPERIENCED? hieß sein DebütAlbum und es kam im Frühjahr 1967 heraus. Das war so etwa der Zeitpunkt an dem die heutige Generation 50+ alt genug war um Radio zu hören. Diejenigen, die diese Zeit bewusst erlebt haben, dürften heute ihre 70er längst überschritten haben. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“ sang einst Udo Jürgens und auch dieser Künstler passt ganz gut in die Altergruppe. Egal. Zumindest kennt man ihn. Was wollte ich eigentlich sagen? Ah ja! Jetzt habe ich es wieder! Es geht um die Altersgruppe der über 50 Jährigen. Wer sich gesund ernährt,  Sport in Maßen treibt und gut schläft,  kann in diesem Alter noch Höchstleistungen vollbringen. Besonders die intellektuelle Leistungsfähigkeit,  gepaart mit ‚Experience‘ verspricht beste Ergebnisse.

Da stört nur die unangenehme Tatsache, dass ein KFZ Werkstattmeister ohne aktuelle Ausbildung für eine spezielle Marke mit knapp 60 kaum eine Chance hat, eingestellt zu werden. Das gilt auch für IT Projektleiter, die keine Zertifikate oder fundierte Erfahrungen nachweisen können. Grau ist alle Theorie. Ich spreche wirklich sehr oft mit diesen erfahrenen und hochmotivierten Männern und Frauen. Oft sind es sogar Frauen mit einem Universitätsabschluss, die sich erfolglos auf Stellen als Sachbearbeiterin bewerben, weil sie irgendetwas tun wollen. Irgendetwas. Hauptsache Arbeit!

Ich weiß genau wovon ich rede. Ich habe zwei Jahre als Arbeitsvermittler bei der Agentur für Arbeit gearbeitet. Ü-50 stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Ü50 Kampagnen haben wenig oder nichts mit der Realität zu tun.

Ich selbst stecke mittendrin im Schlamassel. Als ich nach einer langjährigen Karriere als IT-Spezialist, Programmierer und zuletzt als IT Chef eines mittelständischen Unternehmens arbeitslos wurde – das Unternehmen wurde an einen amerikanischen Konzern verkauft und ich wurde Opfer der Sparmaßnahmen im Zusammenhang mit der Übernahme – war mir klar, dass ich nicht nahtlos einfach so weitermachen konnte. Ich machte mich selbständig und arbeitete als Unternehmensberater mit IT Hintergrund und bildete mich weiter. Als Coach in einem Unternehmerverbund wollte ich eine weitere Karriere starten, nachdem ich relativ problemlos die Wirren der Wende zu Beginn der 1990er Jahre überstanden hatte. Heute weiß ich, dass ich bereits damals einen grundlegenden Fehler gemacht hatte. Ich hatte auf das Prinzip Hoffnung gesetzt und an vorderster Front an meinem Zukunftsprojekt gearbeitet. Das war spannend und eine unglaublich intensive Erfahrung, aber letztendlich hätte ich mich 1990 arbeitslos melden und eine Karriere im öffentlichen Dienst beginnen sollen. Ein Psychologiestudium wäre aus heutiger Sicht eine echte Alternative gewesen. Aber damals war ich jung und brauchte das Geld. Also konzentrierte ich mich auf das, was mir möglich war und ich war ganz gut in dem was ich tat. Und genau das war mein Problem. Die Manager, die mich umgaben konnten mir nicht die nötige Unterstützung geben, die ich gebraucht hätte. Eine Lehre für meine heutigen Kunden: Wenn Du auf der Suche nach geeigneten Unterstützern bist, dann schau die ganz genau an, ob Du welche in Deiner näheren Umgebung finden kannst. Wenn kein geeigneter Mentor vorhanden ist, dann mach Dich auf den Weg und suche Dir Menschen, die Dich weiterbringen können. Heute kann ich das klarer sehen: Damals war weit und breit kein einziger Mentor in Sicht. Und ich war damals einfach zu blauäugig um das zu erkennen. Pech gehabt, könnte man meinen. Aber es ist nie zu spät. Wetten Dass? 😉

Ich studiere gerade nebenberuflich und mache meinen Master in Klinische Sozialarbeit an der ASH Berlin und der Hochschule Coburg. Was mir das bringt? Hey! Ich bin der lebende Beweis für “Lebenslanges Lernen”. Es gehört einfach zu meinem Leben, immer wieder Dinge zu tun, die mich wirklich interessieren. Und das Beste ist: Ich arbeite weiter als Coach und lerne jeden Tag neue Möglichkeiten kennen.

Miteinander reden – Warum Ärzte, Psychologen, Psychiater und Therapeuten Coaching ernst nehmen sollten


Miteinander reden – Warum Ärzte, Psychologen, Psychiater und Therapeuten  Coaching ernst nehmen sollten.

Die Bezeichnungen Psychotherapeut und Psychotherapeutin sind in Deutschland durch das Strafgesetzbuch (§ 132a StGB) und das Psychotherapeutengesetz (§ 1 PsychThG) geschützt. Sie dürfen nur von approbierten Ärzten, Psychologen und (bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) auch von Pädagogen oder Sozialpädagogen geführt werden. Wer als Psychotherapeut tätig werden will, muss zunächst ein Studium der Medizin oder Psychologie abgeschlossen haben. Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird auch ein Studium der Pädagogik oder der Sozialpädagogik anerkannt. Im Anschluss an das Studium muss zusätzlich eine Psychotherapieausbildung (bei Ärzten: Weiterbildung) absolviert werden Heilpraktiker dürfen sich nicht „Psychotherapeut“ nennen. Das gilt auch für die Heilpraktiker nur für Psychotherapie. (Quelle: WIKIPEDIA 18.07.2015)

Wer heute versucht einen guten Psychotherapeuten zu finden, hat ein Problem. Es gibt einfach zu wenige von ihnen. Wenn man sich die Zugangsvoraussetzungen vor Augen führt, wird deutlich warum das so ist. Man muss entweder Arzt sein und eine Weiterbildung absolvieren oder nach einem Studium der Psychologie eine zusätzliche Psychotherapieausbildung absolvieren.

Voraussetzung für eine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten ist ein erfolgreich absolviertes Universitätsstudium der Psychologie mit Diplom- oder Master-Abschluss. Im Anschluss erfolgt eine mindestens dreijährige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG). Danach kann die Zulassung zur eigenständigen Durchführung von Psychotherapie (Approbation) beantragt werden. In der Praxis beträgt die Zeit für ein Psychologiestudium sowie die nachfolgende Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten durchschnittlich 12 Jahre.

Eine Alternative ist eine Ausbildung als Heilpraktiker für Psychotherapie.

Psychotherapie mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz beschreibt eine Besonderheit des deutschen Gesundheitswesens. Heilpraktiker sind in Deutschland neben psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten befugt, Psychotherapie auszuüben. Seit 1993[1] kann Psychotherapie auch von Personen ausgeübt werden, denen eine „Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung als Heilpraktiker beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“ (Heilpraktiker für Psychotherapie) erteilt wurde. (WIKIPEDIA 18.07.2015)

Zurück zur Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Wer endlich einen Therapeuten gefunden hat, dem kann es passieren, dass der Therapeut nicht zu einem passt. Die Chemie stimmt nicht. Es geht einfach nicht. Es hilft nichts: Die Suche geht weiter. Viele Patienten finden lange nicht den für sie geeigneten Therapeuten.

Manchmal ist es hilfreich, als Naturwissenschaftler oder Ingenieur, auf derartige Probleme zu sehen. Wenn es zu wenig gute Psychologen und Therapeuten gibt, dann muss man Alternativen denken. Coaching ist eine solche Alternative. Viele Themen und Anlässe, die heute von Psychotherapeuten behandelt werden, können durch psychologische Beratung, also Coaching, abgedeckt werden.

Die Weiterbildung von erfahrenen Managern, Ingenieuren und Wissenschaftlern kann hierfür einen großen Beitrag leisten. Es liegt auf der Hand, dass eine Coachingausbildung allein, niemals ein Medizinstudium, klinische Erfahrungen und die zusätzliche Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ersetzen kann.

Coaching ist keine Konkurrenz der Psychotherapie. Es ist eine Ergänzung und eine Chance für die Bewältigung von aktuellen und zukünftigen Problemen. Es ist kein Wunder, dass Ärzte und Therapeuten einen kritischen Blick auf die Coachingbewegung geworfen haben.  Das ist gut so. Nun sollte der nächste Schritt folgen. Miteinander reden. Fragen stellen. Zusammenarbeit, Risiken und Chancen einordnen.

Ziele erreichen, Differenz ausgleichen, Reise planen


Jedes Coaching hat das Ziel eine Differenz auszugleichen. Es geht darum, ein Ziel zu erreichen. Wenn der Coachee das Ziel ausgedrückt hat – dabei hilft der Coach – dann geht es darum eine Art Projekt zu entwickeln um dieses Ziel zu erreichen. Der erfahrene Coach weiß genau, wie man so etwas macht.

Es geht also um das Selbstbild des Klienten und die Wirklichkeit. Insofern ist Coaching sehr nahe an der Psychotherapie, wie jeder Therapeut schnell erkennen wird. In der Therapie geht es ebenfalls darum diesen Unterschied auszugleichen.

Ich bin der Coach. Du bist der Coachee und ich stelle Dir nur zwei Fragen, die Du bitte beantwortest:

(1) Wer willst Du sein?

Bitte schreibe einen kleinen Aufsatz. Beschreibe Dich, wie Du dich siehst. Wo siehst Du Dich? Verrate mir, wer du wirklich bist, was deine Berufung ist, was du am besten kannst. Ich will nicht wissen, welche Ausbildung du hast und aus welchen Verhältnissen du kommst. Ich will erfahren,  wer du wirklich bist und wo du dich siehst.

(2) Wo stehst du heute? Was hast du bereits erreicht? Woran bist du gescheitert? Was kannst du besser machen? Wer kann dich dabei unterstützen?  Wer oder was hindert dich?

Los gehts! Du fängst ganz oben an. Schreibe bitte auf, was Dein Ziel ist. Auch wenn Du heute glaubst,  dass du es nicht erreichen kannst.

Dann schreibe bitte alles auf, was Dir zu Punkt (2)  einfällt.

Fertig?

O.K! Wir haben eine Reise geplant.

Wir wollen gemeinsam von (2) nach (1) reisen. Vielleicht erreichen wir das gesteckte Ziel. Vielleicht kommen wir auch ganz woanders an. Der Weg ist oft das Ziel. Vielleicht erkennst du, dass es ganz andere Ziele gibt, die es zu erreichen lohnt. Vielleicht kommen wir viel schneller an, als Du Dir vorstellen kannst.

Es geht darum, das Niveau deines Ziels (1) zu erreichen. Wir haben es geschafft, wenn (2) und (1) das selbe Niveau haben. Dann wirst du glücklich und zufrieden sein. Dann wirst du wissen: Ich bin am Ziel!

Coaching: Der erste Schritt


Zu wissen und nicht zu handeln heißt,  überhaupt nichts zu wissen. (Japanisches Sprichwort)

Irwing D.Yalom schreibt, dass Bewusstsein von Verantwortung an sich noch kein Synonym für Veränderung ist. Es ist der erste Schritt, der getan werden muss um den Prozess zu starten.

Es ist im Grunde ganz einfach. Die Reise muss angetreten werden, mehr nicht. Wenn Sie erst einmal im Bus sitzt, dann werden Sie auch irgendwo ankommen. Bus bedeutet auf englisch: Coach. Die Allegorie zum Coach als Begleiter hin zu einem Ziel ist nicht zu übersehen.

Ich habe festgestellt, dass die Literatur über Psychotherapie aus der humanistischen Schule und aus der Verhaltenstheorie auch für Coaching geeignet ist.

Mein Tipp: Tauschen Sie den Begriff Therapeut mit dem Wort Coach. Es ist verblüffend,  wie nahe sich diese Begriffe sind. Es ist natürlich wichtig, zu beachten, dass ein Coach nicht automatisch ein Therapeut ist.

Die Handlungsanweisung für Veränderungswillige ist also ganz einfach:

Ziel wählen – Ticket kaufen – einsteigen und losfahren. Die Reise in Ihre Zukunft kann beginnen!

Übersetzt in den Coachingkontext bedeutet das:
1. Ziel formulieren
2. Coach suchen
3. Coaching vereinbaren, Vertrag schließen
4. der erste Termin

Das Ticket kostet ein wenig Geld. Es gibt Paketangebote ab 299,- Euro für Privatkunden. Fragen Sie einfach den Coach Ihres Vertrauens. Sie bekommen viel mehr zurück,  als Sie erwarten.

Tipp: vereinbaren Sie, dass das Erstgespräch kostenlos ist und unterschreiben Sie erst vor Ort den Vertrag.

Der Vorteil eines Coachings gegenüber einer Therapie ist enorm hoch. Bei einer von der Krankenkasse finanzierten Therapie muss in jedem Fall eine psychische Störung diagnostiziert worden sein. Mit so einer Diagnose haben Sie keine Chance auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wenn ich bei einem Coaching die Vermutung habe, dass Sie sich in ärztliche Behandlung begeben sollten, unterbreche ich das Coaching und sage Ihnen, warum ich das tue.

Verhaltensanalyse – Cholerischer Chef


Der Klient beschrieb den Vorfall wie folgt: “Ich hatte einen Termin beim Chef. Ich wollte mit ihm über eine Gehaltserhöhung sprechen, die er mir bei der Einstellung versprochen hatte. Mir war klar, dass es nicht einfach werden würde, mit dem Chef zu reden, denn er ist im Unternehmen als unberechenbarer Choleriker bekannt……” Ich hörte aufmerksam zu. Cholerische Chefs sind längst so eine Art Spezialdisziplin für mich geworden. Ich habe derartige Ausfälle schon selbst erlebt und ich denke, dass es zwei Sorten von cholerischen Chefs gibt. Es gibt tatsächlich die pathologische Variante der extravertierten Menschen, die sich nicht im Griff haben und völlig unkontrolliert ausrasten. Interessant ist aber auch die zweite Sorte cholerischer Chefs. Sie haben gelernt, dass ihr Umfeld zurückschreckt und sie sich Probleme vom Hals halten können, wenn man sie nicht berechnen kann. Hier scheint es sich um eine Form von geheimen Managementwissen zu handeln. Zumindest glaubt eine spezielle Sorte von Führungskräften, dass es hilfreich ist, sich so zu verhalten.

Ich sammle derartige Erlebnisse und Vorfälle. Die Choleriker selbst bekomme ich meistens nicht einmal zu Gesicht. Sie brauchen keinen Coach. Choleriker sind wie Alkoholiker. Sie sehen in der Regel überhaupt nicht ein, dass sie Hilfe brauchen und dringend an sich arbeiten müssen. Man kann ihnen kaum helfen und jeder aus dem sozialen Umfeld wird schmerzhaft feststellen, dass der Patient sich selbst und sein Umfeld schwer in Mitleidenschaft ziehen kann.  Choleriker und Coaching, das passt nicht zusammen. Das ist genau der Typ Mensch, der unglaublich beratungsresistent, aber oft auch sehr einsam ist. Choleriker leben in einer Art selbstgebautem Hochsicherheitsgefängnis. Sobald sich jemand nähert, beginnen sie sich lautstark zu verteidigen.  Sie schießen sofort, ohne vorher zu fragen. Choleriker handeln unberechenbar und affektiv. Genau das ist das Problem, mit dem diese Menschen umzugehen haben. Choleriker haben eine Reihe von Problemen. Das Umfeld von Cholerikern ist wirklich nicht zu beneiden. Choleriker selbst sind ebenfalls nicht zu beneiden.
Mein Klient fuhr unterdessen fort, sein Erlebnis zu beschreiben: “Ich hatte schon davon gehört, dass der Chef noch nie eine Gehaltserhöhung vorgenommen hatte. Das war in dem Unternehmen ein Tabu-Thema. Aber ich musste es versuchen, denn er hatte es mir doch versprochen. Er saß an seinem Schreibtisch. Ein kompletter Flügel des Schreibtischs war voller Akten. Vor ihm stand ein großer Flachbildschirm und ein Telefon. Er ahnte wohl, was ich von ihm wollte, bat mich Platz zu nehmen und als ich saß, konnte ich sehen, wie sein Puls zu steigen begann. Er fixierte mich und wurde langsam rot, seine Halsschlagader begann anzuschwellen. Zunächst noch einigermaßen ruhig, erklärte er mir, dass er noch nie eine Gehaltserhöhung vorgenommen hätte. Ich erwiderte mutig, dass wir ja bei meiner Einstellung über eine Gehaltserhöhung gesprochen hätten….. Unversehens explodierte der Mann. Von einem Augenblick auf den anderen hatte er sich nicht mehr ihm Griff. Er wurde puterrot und schrie mich an: ‘Sie haben mich nicht verstanden! Ich habe noch nie…..’ Im selben Augenblick sprang er auf wie ein wildes Tier und räumte seinen Schreibtisch leer. Rechts –  der Stapel mit den Unterlagen flog durch den Raum und dann links – das Telefon zerschellte an der Wand. Der Monitor wackelte bedenklich, blieb aber am Leben. Ich war erschüttert, stand auf und verließ den Raum. Dem Mann war nicht zu helfen und ich würde ganz sicher hier kündigen. Eine Gehaltserhöhung bekam ich hier nicht und es war nie mein Plan gewesen, für dieses kleine Einstiegsgehalt weiter meine Zeit zu verschwenden. Am nächsten Tag war der Chef ganz normal und tat so als wäre nie etwas geschehen. Ich verließ das Unternehmen noch in derselben Woche. Das war eine sehr gute Entscheidung.” Mein Gesprächspartner schaute mich ruhig an. Er hatte die Ereignisse offensichtlich gut verarbeitet. Ich nickte. Der Mann hatte die einzig richtige Entscheidung getroffen. Der Rest der Belegschaft würde noch lange unter diesem Chef leiden. Der cholerische Chef hatte sein Verhalten sehr lange konditioniert und er lebte gut damit. Die Mitarbeiter duckten sich und versuchten alles zu veremeiden, was den Chef in diese Situation bringen würde. Vermutlich haben sie gute Gründe, sich so etwas gefallen zu lassen.

Um das Verhalten von Chef und Mitarbeitern zu erklären, bietet sich die Verhaltenstherapie an. Ich werde versuchen anhand des sogenannten SORKC-Schemas zu erklären, wie ein cholerische Anfall abläuft und was da genau passiert. Das SORKC-Schema wurde von G.A. Saslow entwickelt. Es gilt in der Psychologie mittlerweile als STANDARD für die Erklärung pathopsychologischen Verhaltens und einer Beschreibung des Ablaufs in einer konkreten Situation.
Das SORKC- Modell wurde von Frederick Kanfer im Zuge der kognitiven Orientierung der Verhaltenstherapie in den 1970er Jahren um Burrhus Frederic Skinner entwickelt. Kanfer selbst wollte das SORKC-Modell eher als Arbeitshypothese verstanden wissen.  Er versuchte immer auch auf andere Ansätze und Entwicklungen hinzuweisen. Die axiomhafte Anwendung des SORKC-Schemas bekämpfte er entschlossen.

Cholerischer Anfall

  • S: Der Chef wird vor eine Entscheidung gestellt, die er nicht lösen kann (externe auslösende Situation).
  • O: Sich Sorgen zu machen, Probleme zu verdrängen und sich über “unfähige” Mitarbeiter aufzuregen gehört zum Denkstil des Chefs. Er fühlt sich einsam unter vielen unfähigen und unmotivierten Mitarbeitern, die alle nur faule Nichtsnutze sind.
  • R(kognitiv): „Was bildet sich der Mitarbeiter eigentlich ein? Wer ist hier der Chef?“
  • R(emotional): steigende Wut, starke Beunruhigung
  • R(physiologisch): Anspannung, Unruhe, steigender Puls, wird rot.
  • R(motorisch): Er springt auf, brüllt den Mitarbeiter an, schlägt mir der Faust auf den Tisch und verliert völlig die Kontrolle über sich und die Situation.
  • C-/: Als Konsequenz (C) tritt bei der Person eine Spannungsreduktion auf, jedoch verstärkt sich hierdurch der heilsame Zwang zur Entspannung (R(motorisch)). Die Reduktion der unangenehm empfundenen Spannung wird als negative Verstärkung (C-/) bezeichnet.
  • K: Nach dem Kontrollieren (R) entspannt er sich (C-/) mit hoher Wahrscheinlichkeit. Bei untergeordneten Mitarbeitern hat das keinerlei negative Konsequenz für den Chef. Im Gegenteil. Er hat seine Macht demonstriert und das tat ihm gut. Die Wut läßt nach und das Machtgefühl fühlt sich angenehm an.

Soweit zum beobachteten Verhalten. Es dürfte in den meisten Fällen schwierig sein, den Choleriker persönlich direkt in eine Therapie zu bekommen. Das wird nur möglich, wenn dem Choleriker sein krankes Verhalten klar wird und er andere Konsequenzen zu spüren bekommt. In den meisten Fällen ist es für Opfer von cholerischen Anfällen – hier die Mitarbeiter – immer angeraten, nicht sofort auf die Situation einzugehen und sich schnell aus dem Schussfeld zu begeben. Nur wenn es gelingt, das Muster der scheinbaren Erfolges und der positiven Konsequent für den Choleriker (keine kritischen Fragen mehr, peinliches Schweigen, erfolgreiche Machtdemonstration wird nicht mehr erlebbar) zu durchbrechen, kann es zu einem anderen Lerneffekt kommen. Im beschriebenen Fall ist der ERFOLG des Chefs lange und wiederholt konditioniert worden. Der erfolgreiche Chef kann so etwas tun, weil es keine negativen Konsequenzen für ihn hat. Interessanterweise handeln chlorische Chefs gegenüber Vorgesetzten ganz anders. Ich habe noch nie einen Choleriker beobachtet, der gegenüber einem Besitzer, Kapitalgeber oder einem Gleichgestellten so austicken würde, wie bei einem Untergebenen. Es stellt sich der Verdacht ein, dass Choleriker vielleicht doch nicht so unberechenbar handeln, wie es den Anschein hat.

Ich bin kein Therapeut


Es ist auffällig. Viele meiner Klienten haben eine vage Vorstellung einer eigenen, noch nicht diagnostizierten psychischen Störung.
Ich bin Coach und gebe keine Ratschläge. Aber Denkanstöße sind erlaubt. Ich nenne das Tipps.

 

Tipp: “Jeder Mensch ist einzigartig!”
Es braucht schon eine Menge, für eine handfeste psychische Störung. Die meisten Menschen mit psychischen Problemen brauchen keinen Therapeuten, sondern einen aufmerksamen und achtsamen Gesprächspartner. Wenn sie in der Lage sind, ihre Situation gut zu reflektieren, dann ist das immer der Beginn einer Lösung. Gespräche mit Psychologen sind noch keine Psychotherapie. Die meisten Therapeuten und Psychiater tun überwiegend das, was ein Coach tut. Zuhören. Zuhören. Fragen stellen. Zuhören. Reden.
Und natürlich: Ein guter Coach ist als psychologischer Berater der beste Begleiter für das zielgerichtete Identifizieren von Ressourcen.

 Tipp:  “Ein Coach akzeptiert Sie als Klient oder schickt Sie zu einem Arzt.” Ein Coach darf nämlich nicht behandeln, heilen, Heilung versprechen oder therapieren. Das ist einer der wichtigsten Grundlagen für Coaching. Nebeneffekte sind aber sehr oft zu beobachten. Das darf auch nicht unterschätzt werden. Viele meiner Klienten kamen mit der heimlichen Vorstellung, ich könnte ihnen helfen. Das ist legitim. Ich helfe ihnen sich selbst zu helfen.

 Tipp: “Coaching ist positive Psychologie” Hilfe zur Selbsthilfe. Das gefällt mir! Ich darf als Coach ein Detektiv sein. Gemeinsam mit meinen Klienten finde ich Ressourcen und Ziele. Es sind nicht die Probleme der Vergangenheit, die ich aufdecken muss, sondern die Ziele und eine mögliche Zukunft meiner Klienten.

 Tipp: “Therapeuten können versagen. Ein Coach versagt nie, denn er arbeitet immer ergebnisoffen.” Diesen Tipp bitte mit einem deutlichen Augenzwinkern lesen! 😉 Natürlich arbeiten auch Therapeuten professionell ergebnisoffen. Auch sie werden von ihren Patienten akzeptiert oder abgelehnt. Die Parallelen sind vorhanden. Logisch.

Ein Coach kann so schlecht sein, wie es ihm seine Klienten erlauben. Sie stimmen dann ganz einfach mit den Füßen ab und kommen nicht wieder. Es ist mindestens genau so schwer einen guten Coach zu finden, wie den richtigen Therapeuten. Die Qualität eines Coaches ist vollkommen unabhängig von irgendwelchen Zielvorstellungen. Es geht immer um den Prozess. Ein Coachingprozess hängt sowohl von der Qualität des Coach als auch vom Coachee ab. Wenn der Coachee sich nicht öffnet, oder den Coachingprozess unterwandert, funktioniert das nicht.

 Tipp: “Ein Coaching kann jederzeit beendet werden” Vom Coachee und vom Coach. Nur wenn beide der Meinung sind, dass sie miteinander arbeiten können, funktioniert ein Coaching. Wenn nicht, ist ganz schnell Schluß.

Es ist wie im richtigen Leben. Wenn Sie es bis hierher geschafft haben weiterzulesen, dann kann ich richtig glücklich sein. Wenn nicht, dann haben Sie vermutlich längst das Weite gesucht. Aber auch das gehört zu meinem Selbstverständnis. In diesem Sinne! Bis zum nächsten Mal! – Vielleicht hier auf dieser Site?